Jutta Schmitt-Lang
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst zu einem Missverständnis, das ich hier aufklären will: Erfahrung wird in diesem Hause sehr geschätzt, aber wir sind nun einmal nicht der Anekdotenclub, der darüber diskutiert, was in den letzten 50 Jahren war, sondern wir sind alle gewählt, um Zukunftsprobleme zu lösen. Deshalb sollten wir auch in die Zukunft gerichtet diskutieren. (Beifall von der CDU und bei der SPD. - Zuruf des Abgeordneten Dörr (AfD).) Es gibt im Moment tatsächlich ein Thema, das alle Schülerinnen und Schüler der Gymnasien, alle Familien, die damit zu tun haben, und die Lehrkörper wirklich beschäftigt, nämlich die Frage, wie es denn nach den Ferien mit dem Gymnasium weitergeht. Eine wesentliche Information bezogen auf Ihren Antrag hat Ihnen die Kollegin der SPD-Fraktion ja schon gegeben, dass nämlich die Einführung des 9-jährigen Gymnasiums beschlossen ist. Es wurde ja auch von der Regierung angekündigt. Dieser Teil der Debatte, (Abg. Schmitt-Lang (CDU)) von dem Sie in Ihrem Antrag sprechen, diese Debatte, die Sie beenden wollen, ist beendet. Das 9-jährige Gymnasium wird nach den Sommerferien kommen. Ihr Antrag, die gesamte inhaltliche Diskussion zu beenden, ist allerdings absurd. Ganz im Gegenteil, wir fordern die Landesregierung vielmehr auf, endlich mehr zur Debatte beizutragen, Konzepte vorzulegen, was denn nun nach den Ferien auf die Schulen, auf die Schüler, auf die Kinder im Saarland zukommt. Da muss ich Ihnen ganz eindeutig widersprechen, liebe Kollegin der SPD-Fraktion, denn es ist aus unserer Sicht schon seltsam, wenn ab Sommer sicher etwas kommt, aber wir jetzt erst die Grundsatzdebatte darüber führen, was es letztendlich ist. Das ist die Katze im Sack, die die Eltern hier kaufen sollen. Das ist aus unserer Sicht nicht verantwortungsbewusst. (Beifall von der CDU und vereinzelt bei der SPD.) Aus unserer Sicht kann es auch nicht sein, dass diese Debatte kurz vor den Sommerferien oder in den Sommerferien geführt wird, wenn die Schulen keine Chance mehr haben, darauf zu reagieren, sich darauf einzustellen. Diese Debatte muss jetzt geführt werden. Deswegen besteht ein grundsätzlicher Unterschied auch zu Ihrem Antrag: nicht weniger, sondern mehr Debatte. Denn welche Anforderungen erwarten Schülerinnen und Schüler ab dem kommenden Schuljahr? Welche Klassenstufen betrifft es denn überhaupt abgesehen von der jetzigen Klasse 5? Wie sieht die Stundentafel aus? Das baut doch alles aufeinander auf. Es ist ja nicht so, als könnte man sich das von heute auf morgen überlegen. Wie sehen die Lehrpläne aus? Wie sichern wir mehr Unterrichtsqualität? Dass es davon mehr geben soll, haben wir gehört, aber wie sie gesichert wird, bleibt unklar. Wie werden die einzelnen Fächer gestärkt? Erste Fachschaften haben dazu konkrete Inhalte formuliert, über die wir ja einmal diskutieren könnten. Wir haben in der CDU-Fraktion klare Vorstellungen formuliert, warum wir aus unserer Sicht mehr Lernzeit brauchen. Diese Eckpfeiler haben wir aus unzähligen Gesprächen mit Schülern, mit Lehrerinnen und Lehrern, mit den Verbänden, mit den Elternvertretungen in einem über eineinhalbjährigen Beteiligungsprozess herausgearbeitet. Wir setzen uns ein für mehr Zeit, für Vertiefungsmöglichkeiten in den Hauptfächern, für eine Stärkung in den Bereichen MINT, um mehr Freiräume für Experimentieren und Forschen zu ermöglichen, aber auch in den Gesellschaftswissenschaften. Wir sehen alle im Moment in Zeiten einer gespaltenen Gesellschaft, wie bedeutsam ein fundierter Hintergrund ist. Unser Ziel ist es, die Schüler auf dem Weg zur Studierfähigkeit zu stärken und gleichzeitig den musischen Fächern und dem Sport ausreichend Raum zu geben. Wir brauchen aber auch mehr Zeit, um den Schulen eigene Schwerpunkte im Rahmen ihrer Profile zu ermöglichen. Beim vorigen Thema ist es schon angeklungen. Wir haben Schulen mit Sportschwerpunkt, die sportlich begabte Kinder besonders fördern, oder Schulen mit musischem Schwerpunkt. Die einen haben andere Anforderungen als die anderen und brauchen dafür mehr Freiraum. Wir erwarten auch Debattenbeiträge, wie die Gemeinschaftsschulen parallel inhaltlich gestärkt werden sollen, eben nicht nur eine Ankündigung, sondern ein inhaltlich fundiertes Konzept. Auch dazu haben wir bereits Vorschläge gemacht, um alle Abschlüsse dieser Schulform zu stärken, also einerseits die Ausbildungsreife, die für einen Großteil der Schülerinnen und Schüler das Ziel ist, bis hin zu einem Förderband für die gymnasiale Oberstufe an den Gemeinschaftsschulen. Wir haben uns klar für Zugangsvoraussetzungen ausgesprochen, um Fehlwahlen zu verhindern. Man kann vielleicht ganz andere Schlussfolgerungen ziehen. Man kann sicherlich auch weitere spannende Ansätze formulieren, aber im kommenden Jahr geht es nun schon einmal los. Also müssen wir jetzt schon langsam Inhalte auf dem Tisch haben. Und dann brauchen wir nicht weniger Debatte, Kollege Dörr, wir brauchen dringend mehr Debatte. Wir brauchen ganz dringend Klarheit für die Schulgemeinschaften. Die einzige Klarheit, die es gibt, dass es nämlich Gott sei Dank keinen Flickenteppich in unserem kleinen Land geben wird nach dem Motto: „an einem Gymnasium G8, am anderen G9“, diese Klarheit wollen Sie mit Ihrem Antrag noch aufdröseln? - Nicht mit uns, wir lehnen ihn ab, vielen Dank. (Beifall von der CDU.)
