Friedrich Josef Dörr
Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Liebe Saarländerinnen und Saarländer! Der Antrag heißt: „G8 und G9“, nicht G8 oder G9. Wir haben, Frau Lang-Schmitt ‑ ‑ (Abg. Schmitt-Lang (CDU): Schmitt-Lang!) Schmitt-Lang, Entschuldigung. Mit Doppelnamen habe ich meine Schwierigkeiten, das gebe ich zu. Ich versuche es immer wieder, aber es klappt nicht so richtig. (Sprechen.) Da wird die Erfahrung als Nachteil ausgelegt, aber ich denke schon, dass eine gewisse Erfahrung nützlich ist, um Lösungen für Probleme zu finden. Wenn ich an G8 und G9 denke, so haben wir theoretisch über Jahrzehnte G9 gehabt. Ich sage deshalb „theoretisch“, weil es in der Praxis gar nicht so war. Ich gehe wieder sehr weit zurück: Ich bin 1944 eingeschult worden. Zur damaligen Zeit gab es junge Menschen, die mit 16 Jahren ein Notabitur machen mussten und dann an die Front geschickt wurden. Es gab andere, die letzten sind 1955 nach Hause gekommen, die eine sehr abgerissene Bildung hatten, das musste dann auch repariert werden. Abgesehen von all diesen Dingen, war es einfach so, dass man nach der Rückgliederung 1955 im Saarland gemeint hat: Weil in Deutschland die Versetzung im Frühjahr ist, müssen wir das auch so machen. Das hat man dann geändert. Kaum hatte man es geändert, hat man in Deutschland gemerkt, dass wir in Europa die einzigen waren, die das im Frühling haben. Man hat es dann erneut auf den (Abg. Dörr (AfD)) Herbst verlegt. Das hat im Saarland zu einer zweiten Veränderung geführt. Da man die Leute nicht länger auf die Schule schicken wollte, weil man Widerstand befürchtet hat, hat man das wieder vorverlegt. Das heißt, dass diese Schülerinnen und Schüler alle ein Jahr weniger Unterricht hatten. Ich war mit 20 Jahren Lehrer, das war schon ein Rekord, habe ich gedacht, aber ich hatte zum Beispiel einen Kollegen, der es schon mit 19 war. Das heißt, diese Dinge gab es schon immer. Jetzt stehen wir vor folgender Aufgabe: Wir haben festgestellt, G8 ist doch nicht das Ideale, wir wollen G9 machen. Und jetzt kommen alle diese Pseudo- und Scheinprobleme: Woher kriegen wir die Lehrer, woher kriegen wir die Räume und so weiter? Das sind Scheinprobleme. Ich habe Zeiten gesehen, in denen Schulen geschlossen wurden wegen Schülerrückgang und Lehrerrückgang. Da hätte man gedacht, es würden Säle frei werden. Es sind aber nie Säle freigeworden, weil es keinen Rektor oder keine Rektorin gibt, die nicht sofort irgendeinen Zweck für einen leeren Saal findet. Das heißt, das sind im Grunde alles Scheinprobleme. Wenn man in der Schule selbst tätig ist und das organisieren muss, dann gelingt das immer! Jetzt habe ich im Ausschuss von den Schwierigkeiten gehört, wenn wir mit G9 anfangen: Welche Klassen sind davon betroffen? Sind es nur die ersten Klassen? Das ist, ich sage es Nein, ‑ ‑ ich sage es lieber nicht. - Es ist unqualifiziert bis zum Gehtnichtmehr. Wenn festgestellt wurde, dass G9 besser ist, was ist mit den Kindern, die jetzt noch so viele Jahre, so viele Jahrgänge G8 machen müssen? Was ist das? Das ist doch Unfug! Das heißt, wenn ich so etwas feststelle, muss ich ab sofort organisieren, dass die Kinder G8 oder G9 auswählen dürfen. Sofort! Es gibt auch Schüler, für die G8 durchaus angemessen ist. Das ist in Ballungsräumen überhaupt gar kein Problem, das kann man sogar mit den Schulen regeln, indem man sagt: Dieses Gymnasium macht G8 und dieses Gymnasium bietet G9 an. Man kann es in ländlichen Bereichen, wo es nur ein Gymnasium gibt, innerhalb des Gymnasiums regeln. Ich habe neulich im Ausschuss das Beispiel des Deutsch-Französischen-Gymnasiums angeführt, dort lief über Jahrzehnte der deutsche Zweig neben dem französischen Zweig. Der deutsche Zweig war 9-stufig und der französische Zweig war 8-stufig. Das geht doch alles. Aus diesem Grund: Wahlfreiheit für die betroffenen Kinder und ihre Eltern! Es geht nämlich darum, dass wir die Kinder angemessen bilden. Wer gerne G8 möchte, soll G8 haben, und wer gerne G9 möchte, soll G9 haben. Man muss natürlich zuerst einmal feststellen, wer das alles ist. Wenn man das weiß, muss man das organisieren, das kann kein Kunststück sein. - Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD.)
