Stephan Toscani
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Das Saarland ist Autoland. Das Saarland ist Ford-Land. Ford, Saarlouis und das Saarland gehören zusammen - und das seit mehr als 50 Jahren. Viele ältere Saarländerinnen und Saarländer erinnern sich noch. Dieses Bild ist in das kollektive Gedächtnis unseres Landes eingegangen: Januar 1970, der damalige Ministerpräsident Franz-Josef Röder eröffnet das Werk. Das erste Auto läuft vom Band. Es ist ein Ford Escort. Danach folgen der Ford Fiesta, der Orion, der Kuga, der C-Max und - bis heute - der Ford Focus. Anfang der 2000er-Jahre kommt jedes zehnte in Deutschland hergestellte Auto aus Saarlouis. Viele Modelle schaffen es nach Europa, viele Modelle schaffen es in die ganze Welt. Bis zum heutigen Tag sind es mehr als 15 Millionen Autos made in Saarlouis. Deshalb bewegt das Schicksal von Ford unser gesamtes Land. Generationen haben bei Ford gearbeitet. Das Ford-Werk zusammen mit den Zulieferern im Umfeld ist einer der größten Arbeitgeber unserer Region. Fast 6.000 Menschen arbeiten dort. Diese Ansiedlung war 1970 der Startschuss zum Aufstieg unseres Landes als Autoland. Diese Ansiedlung war 1970 eine Art Initialzündung. Nach der Montankrise haben viele Fachkräfte aus dem Bergbau dort einen sicheren Arbeitsplatz gefunden - und einen ordentlich bezahlten. Das Ford-Werk steht für erfolgreichen Strukturwandel. Auch deshalb bewegt das Schicksal von Ford unser ganzes Land. Der Strukturwandel ist einer, der immer wieder aufs Neue Herausforderungen mit sich bringt. Jetzt geht es um eine existenzielle Entscheidung. Wird das neue E-Auto von Ford in Saarlouis gebaut - ja oder nein? Behält das Saarland auch über 2025 hinaus eine automobile Vollproduktion - ja oder nein? Schaffen wir am Industriestandort Saarland den entscheidenden ersten Schritt zur Transformation, den entscheidenden ersten Schritt in die Mobilität der Zukunft - ja oder nein? Mehr als 4.000 Beschäftigte im Ford-Werk selbst und 2.000 Beschäftigte im Supplier Park bangen seit Monaten um ihre Zukunft. Sie bangen um ihr Monatsgehalt. Sie machen sich Sorgen um die Raten für ihr Haus. Aber es sind ja nicht nur die finanziellen Sorgen, es ist vor allem die Ungewissheit. Es ist vor allem die nervliche Belastung. Darunter leiden nicht nur die Beschäftigten, darunter leiden ganze Familien. All das müssen die Beschäftigten ertragen - seit Monaten, ja, seit Jahren. Ich bin überzeugt, solche Fachkräfte, wie wir sie hier im Saarland haben, gibt es anderswo nicht. Sie identifizieren sich mit ihrem Arbeitgeber. Sie sind stolz darauf, hier zu arbeiten. Sie legen sich (Abg. Toscani (CDU)) jeden Tag aufs Neue ins Zeug, damit es hier vorangeht. Sie sind flexibel, wenn es gilt. Gerade die Beschäftigten von Ford haben bereits viele Einschnitte in Kauf genommen: Kurzarbeit, Streichung der Nachtschicht, Wegfall einer ganzen Produktionslinie, tausendfacher Stellenabbau. Sie haben all diese Schritte mitgetragen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie haben all diese Schritte mitgetragen, um den Standort zu sichern. Umso mehr verdienen Sie jetzt eine verlässliche Zukunftsperspektive! (Beifall von CDU und SPD.) Und auch die Betriebsräte und die Gewerkschaften haben sich konstruktiv eingebracht, aktuell jetzt wieder. Der Einsatz der Betriebsräte und der Gewerkschaften sowie ihr Verantwortungsbewusstsein sind nicht hoch genug einzuschätzen. Wir danken ihnen für ihren Einsatz und für ihr Engagement. Wir danken den Gewerkschaften und den Betriebsräten für ihr Verantwortungsbewusstsein. (Beifall von CDU und SPD.) Nicht nur in und um Saarlouis schauen die Menschen gebannt auf diese Entscheidung. Ford ist eine Schicksalsfrage für unser ganzes Land. Was wäre das Autoland Saarland ohne Ford als industrielles Rückgrat? Wie soll die Transformation unserer Automobilindustrie ohne Ford als Brücke in eine mögliche Ära nach dem Verbrennungsmotor funktionieren? Welche sozialen Brüche stehen dem Land bevor, wenn die Kaufkraft von Tausenden, auch für viele mittelständische Betriebe wegfällt? Diese und viele andere Fragen beschäftigen die Menschen im Kreis Saarlouis und weit darüber hinaus. Sie erwarten Antworten. Sie erwarten zu Recht Solidarität und Zusammenhalt. Wir im Landtag stehen gemeinsam an der Seite der Beschäftigten. Wir tun das im Landtag gemeinsam. Landesregierung und Landtag tun dies ebenfalls gemeinsam. Bereits in der Vergangenheit hat die saarländische Landesregierung unter Führung der CDU alles in ihrer Macht Stehende getan, um Ford im Saarland zu halten. Sie hat dem Unternehmen nicht nur ein gutes, sondern ein sehr gutes Angebot unterbreitet. Der Kollege Commerçon hat ja Zahlen genannt. Sie waren auch in den Medien zu lesen. Das Land ist mit diesem Angebot bis an die Grenzen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit gegangen. Wir gemeinsam - ob CDU oder SPD - sind der Überzeugung, unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten hat das Saarland nicht nur irgendein Angebot gemacht, nein, das Saarland hat das beste Angebot gegeben. Das sehen wir gemeinsam so. Dazu stehen wir gemeinsam! (Beifall von CDU und SPD.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr verehrten Damen und Herren, in schwierigen Zeiten halten Saarländer zusammen. Das war in der Bergbaukrise so, das war in der Stahlkrise so. Und das ist auch jetzt wieder so. Deshalb ist es gut, dass es ein breites Bündnis gibt - zwischen dem Landtag, der Landesregierung, den Beschäftigten, den Betriebsräten und den Gewerkschaften. Lassen Sie uns gemeinsam dafür kämpfen! Lassen Sie uns bis zur letzten Minute gemeinsam dafür kämpfen, dass das E-Auto der Zukunft in Saarlouis gebaut wird! Lassen Sie uns gemeinsam dafür kämpfen, dass das Saarland auch in Zukunft Ford-Land bleibt! Ford, Saarlouis, das Saarland - wir gehören zusammen! (Anhaltender Beifall von CDU und SPD.)
