Ruth Greb
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kollegen und Kolleginnen! Man hat doch gerade am Anfang mit Kindern Tausende von Fragen. Die Welt ist auf einmal auf den Kopf gestellt. Gleichzeitig wird man überhäuft mit guten Ratschlägen, Informationen, Apps und Angeboten. Und bei all dem muss man erst einmal herausfinden: Was davon brauche ich denn eigentlich, und was hilft mir wirklich? Stellen Sie sich einen gewöhnlichen Abend vor. Die Kinder sind ins Bett gebracht. Am Küchentisch wird gerechnet. Reicht es diesen Monat noch für den Schwimmkurs? Gibt es in der Nähe eine Krabbelgruppe? Und überhaupt, wo erfährt man als Familie eigentlich, welche Unterstützung einem zusteht? Das ist die Lebensrealität von jungen Familien auch bei uns im Land. Genau da kann die Familienkarte Rheinland-Pfalz einen ganz konkreten Mehrwert bieten. Sie ist kein Bürokratieprojekt in einer Schublade. Sie ist ein Versprechen an die Familien in unserem Land: Wir lassen Euch mit diesen Fragen nicht allein. Eine App, die Rabatte bündelt im Einzelhandel, bei Sportvereinen, Museen oder Schwimmbädern, eine Plattform, die Beratung, Unterstützung und Veranstaltungen in der eigenen Region sichtbar macht, ohne Papierberge, ohne wochenlanges Warten. Die Anmeldung dauert wenige Minuten, und die Karte ist sofort auf dem Smartphone, genau da und dort, wo man sie braucht – kostenfrei, digital und offen für alle Familien. Das mag für manche nach Kleinigkeit klingen, aber wer schon einmal überlegt hat, ob der Zoobesuch in diesem Monat noch drin ist, der weiß, diese Kleinigkeiten sind im Alltag oft der Unterschied zwischen Verzicht und Teilhabe. Die Familienkarte kann mehr als sparen. Sie zeigt Familien Workshops und Erlebnisse in ihrer Nähe. Sie stärkt Vereine und Ehrenamt. Sie macht Nachhaltigkeit zu etwas, was man gemeinsam erleben kann, in der Stadt genauso wie auf dem Dorf. Was das praktisch heißt, sehe ich bei mir vor Ort. Im Rhein-Hunsrück-Kreis wird beispielsweise der Ausflug in den Tierpark Rheinböllen günstiger, und wer Unterstützung braucht, findet über die Karte den Weg zur Erziehungsberatung in Simmern, und das, ohne lange suchen zu müssen. Solche Beispiele gibt es überall im Land vor der jeweils eigenen Haustür. Ein gutes Angebot, das gut bleiben soll, braucht aber mehr als Anerkennung. Es braucht Verlässlichkeit. Deshalb ist unsere zentrale Forderung in diesem Antrag: Betrieb, Pflege und die Weiterentwicklung der Familienkarte müssen dauerhaft finanziert sein. Wir müssen uns fragen: Wo erreichen wir die Familien in unserem Land tatsächlich? In Kitas, in Schulen, in Familienzentren, bei Beratungsstellen, in den Kommunen und natürlich auch über die digitalen Kanäle, die Familien im Alltag nutzen. Und warum mir das so wichtig ist? Ich bin selbst Mutter zweier kleiner Kinder, zwei Jahre und das andere zehn Monate alt, und ich habe die Familienkarte leider erst im Zuge der Beratungen zu diesem Antrag selbst entdeckt. Wie viele Familien in Rheinland-Pfalz geht es denn auch so? Wir können gute Angebote schaffen. Wir können Vergünstigungen anbieten. Wir können Informationen bündeln. Aber wenn Familien nichts davon wissen, dann kommt das alles bei ihnen nicht an. Deswegen sollten wir uns nicht nur damit beschäftigen, was die Familienkarte anbietet, sondern auch damit, wie wir die Menschen besser erreichen. Es braucht eine breitere Informationskampagne, die wir mit diesem Antrag fordern. Wir wollen weiter Partner gewinnen, in jeder Region unseres Landes, und wir wollen, dass Kommunen eigene Unterseiten bekommen, um ihre Angebote und ihr Engagement sichtbar zu machen. Und wir wollen natürlich die Karte konsequent weiterdenken, mit einem barrierearmen, möglichst mehrsprachigen Chatbot, der rund um die Uhr hilft und zuverlässig an Beratungsstellen weiterleitet, mit hohem Datenschutz und perspektivisch mit einem echten digitalen Portal, das Familien durch den oft komplizierten Alltag zwischen Behörden, Beratung und Freizeit begleitet. Liebe Kolleginnen und Kollegen, gute Familienpolitik zeigt sich in konkreten Maßnahmen, die verlässliche Bausteine im Alltag sind. Die Familienkarte ist so ein kleiner Baustein, getragen von Kommunen, von Vereinen und Partnern in ganz Rheinland-Pfalz. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass sie noch mehr zu einer verlässlichen Selbstverständlichkeit wird, damit aus dem Grübeln am Küchentisch ein bisschen mehr Klarheit und Sicherheit wird. Deswegen darf ich um Zustimmung zu diesem Antrag bitten. Herzlichen Dank. (Beifall der SPD und der CDU)
