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Dr. Christoph Gensch

CDU 17.09.2026 Sitzungen 19/7

Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte gleich in die Debatte einsteigen. Der Bedarf an Organen, den wir in Deutschland haben, ist enorm. Wir haben 8.300 Menschen, die in Deutschland auf ein Spenderorgan warten, 8 .300. Dem gegenüber stehen pro Jahr, wenn ich die Zahlen vom letzten Jahr nehme, 985 postmortale Organspender. Das ist ein Unterschied, der für die Patienten und die Familien Wartezeit bedeutet, längere Wartezeiten. Er bedeutet für sie Unsicherheit, Leidenszeit, und ganz am Ende versterben auch viele Patienten, ohne jemals ein Organ erhalten zu haben. (Vizepräsidentin Katharina Binz übernimmt den Vorsitz) Diesen Umstand müssen wir ändern, und wir kommen hier in Deutschland seit Jahr und Tag nicht voran, meine Damen und Herren. (Beifall der CDU und der SPD) Oliver Kusch hat es schon gesagt: Wir sind hier seit Jahren auf die Solidarität unserer europäischen Nachbarländer angewiesen. Wir profitieren vom Eurotransplant-System als Land, das mehr Organe erhält als es gibt, seit Jahr und Tag, von Ländern, die die Widerspruchslösung schon umgesetzt haben und die Organspende nach Herz-Kreislauf-Tod schon umgesetzt haben. Das sind fast alle unsere europäischen Nachbarstaaten. Wir profitieren davon. Sonst wäre unsere Problematik hier vor Ort noch viel größer. Dafür geht ein recht herzliches Dankeschön an unsere europäischen Nachbarstaaten, die uns hier seit Jahr und Tag helfen. (Beifall der CDU und der SPD) Oliver Kusch hat schon erwähnt, die Maßnahmen der letzten Jahre haben keine Trendwende gebracht. Wir haben 2019 eine Orientierungsdebatte im rheinland-pfälzischen Landtag geführt. Wir haben Strukturen verändert, wir haben die Finanzierung in den Krankenhäusern verbessert. Wir haben die Transplantationsbeauftragten gestärkt. Wir haben die erweiterte Zustimmungslösung in eine Entscheidungslösung umgeändert. Wir haben ein Organspende-Register geschaffen. Wir haben ganz, ganz viele Dinge ausprobiert. Nichts hat zu einer Steigerung der Zahlen geführt. Wir haben auch aufgeklärt. Wir müssen aber auch sagen, wir haben in Deutschland gar kein Aufklärungsdefizit. Wir haben eine ganz große Zustimmungsrate der Bevölkerung zur Organspende. Sie stehen der Organspende sehr positiv gegenüber – über 80 Prozent der Bevölkerung. Wir haben nur ein Umsetzungsproblem, diese Entscheidung tatsächlich zu dokumentieren. Die Leute möchten sich einfach nicht mit ihrem eigenen Tod beschäftigen. Das ist auch völlig nachvollziehbar. Das sehen wir bei der Vorsorgevollmacht, das sehen wir beim Testament. Das sind die Gespräche, die man in der Klinik mit den Angehörigen dann führt, die immer sagen: Eigentlich dachten wir, wir hätten noch Zeit, um diese Entscheidung zu treffen. Dann steht man da, und dann überlässt man die Entscheidung den Angehörigen und folgt dem mutmaßlichen Willen des Patienten, weil er eben in dieser Form nicht dokumentiert ist. Das ist etwas, das wir ändern wollen. Die Widerspruchslösung schafft keinen Zwang zur Organspende. Der Einzelne kann jederzeit widersprechen. Sie stärkt die Selbstbestimmung gegenüber einer faktischen, momentan stattfindenden Angehörigenentscheidung. Wir wollen diesen Systemwechsel, dass der Wille des Verstorbenen entscheidend ist. Es stellt einen Paradigmenwechsel dar, der das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen uneingeschränkt wahrt und gleichzeitig Angehörige in einer Situation schwerster Trauer von einer schwerwiegenden Entscheidungslast befreit. Zweiter Punkt, der uns auch sehr wichtig ist, zusätzlich zu der Widerspruchslösung – auch das wird einen enormen Einfluss auf die Organspendezahlen haben – ist, wie von Oliver Kusch schon angesprochen, die Organspende nach Donation after Circulatory Death (DCD) unter strengsten medizinischen, rechtlichen und ethischen Schutzstandards. Das gibt es in allen unseren westeuropäischen Nachbarstaaten – in allen, seit Jahren. Herr von Heusinger, es geht hier um nicht die kontrollierte Organspende nach dem Herz-Kreislauf-Tod, sondern es geht um die Organspende nach dem kontrollierten Herz-Kreislauf-Tod. Das mag unglaublich technisch klingen, ist aber ein Riesenunterschied, denn das heißt, im Endeffekt geht es um eine Patientengruppe. Wir haben im Moment auf deutschen Intensivstationen nur 3 Prozent der Patienten, die tatsächlich per Definition am Hirntod versterben. Wir haben 97 Prozent, die an Herz-Kreislauf-Versagen, am Herz-Kreislauf-Tod versterben. Um diese 97 Prozent auf Intensivstationen geht es, nämlich dass man diese Patienten auch heranziehen kann, um Organspende in diesen Bereichen durchzuführen. Das ist extrem sinnvoll. Das machen alle unsere europäischen Nachbarländer. Das ist ein medizinisches Verfahren, das auch in streng religiösen Ländern wie beispielsweise Spanien seit Jahr und Tag umgesetzt wird und das man nicht in Misskredit bringen sollte, und man sollte den Leuten damit keine Angst machen. Deswegen fordern wir, dass das nach höchsten Schutzstandards sta ttfindet und dass sich das dann auch nach den Qualitätskriterien richtet, die die intensivmedizinischen Fachgesellschaften anlegen. Wir befinden uns auch mit unserer Aktuellen Debatte hier gerade im Schulterschluss mit dem Bundestag, der sich nächste Woche in erster Lesung mit verschiedenen Initiativen befassen wird, die die Organspende angehen. Das ist der richtige Weg. Stimmen Sie uns zu. Gehen Sie diesen Weg mit. Vielen Dank. (Beifall der CDU und bei der SPD)

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