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Bettina Brück

SPD 20.08.2026 Sitzungen 19/5

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass die Koalitionsfraktionen gleich zu Beginn der neuen Wahlperiode diesen Antrag zum Thema „Kultur“ in den Landtag einbringen, ist ein starkes Zeichen. Ein starkes Zeichen für unser Kulturland Rheinland-Pfalz mit herausragenden professionellen Angeboten, bedeutender historischer Geschichte, freier Szene und einem starken ehrenamtlichen Engagement. Ein starkes Zeichen für Teilhabe aller Menschen im Land, ganz unabhängig von Einkommen oder Herkunft. Ein starkes Zeichen für eine klare Haltung zu dem, was den Zusammenhalt der Gesellschaft prägt und die Identität unserer Heimat ausmacht. Gerade in Zeiten des Wandels kommt der Kultur eine besondere Rolle zu. Sie erinnert an unsere Geschichte, hilft, die Gegenwart zu verstehen, eröffnet Perspektiven für die Zukunft und ist damit zutiefst demokratisch. Gerade deshalb ist die kulturelle Teilhabe junger Menschen von besonderer Bedeutung. Es ist ein klares Bekenntnis, dass Kulturminister Sven Teuber mit dem Pilotprojekt „Kultur auf die 1“ in diesem Sommer erstmals allen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren freien Eintritt in die Kultureinrichtungen des Landes gewährt hat. Das ist supergut angekommen. Ersten Zahlen zufolge haben fast 30.000 Kinder und Jugendliche spontan von dieser Möglichkeit trotz Hitze und Freibadwetter Gebrauch gemacht. Wer einmal erlebt hat, mit welchem Eifer, Interesse und Forscherdrang Kinder ein Museum, eine Burg oder eine Ausstellung erkunden, wird selbst mit anderen Augen und viel Freude dabei sein. Dabei geht es uns ganz besonders um diejenigen Kinder und Jugendlichen, denen der Zugang zu Kultureinrichtungen nicht automatisch in die Wiege gelegt wurde. Kulturelle Bildung unabhängig vom Geldbeutel oder der Herkunft, ob in der Schule, Ganztagsschule oder im außerschulischen Bereich, ist ein wichtiges Element für Teilhabe, nicht nur mit dem bemerkenswerten Pilotprojekt „Kultur auf die 1“. Wir haben eine reichhaltige, lebendige Kulturszene im professionellen Bereich mit Theatern, Museen, Konzerten, Festspielen und Festivals, Welterbe und SchUM-Städten, aber auch in der Bibliotheksszene mit dem Lesesommer mit Tausenden von interessierten jungen Leserinnen und Lesern, im Bereich der musikalischen Bildung mit den Musikschulen, Orchestern, Chören, bei Jugendkunstschulen, Theatergruppen, Künstlergemeinschaften, Brauchtumsvereinen, Museen, Kinos und vielem anderen mehr. Gerade im ehrenamtlichen Bereich ist Kultur in Musik, Kunst und Theatern in unseren Dörfern und Städten der Kitt unserer Gesellschaft. Das Land fördert in vielfältiger Hinsicht unsere kulturellen Einrichtungen und Initiativen, zum Beispiel mit dem Kultursommer. Gerade wird intensiv das 200-jährige Jubiläum zum Hambacher Fest 2032 vorbereitet – um nur einige zu nennen. All diese Initiativen, ob professionell, frei oder ehrenamtlich, wollen wir weiter erhalten, fördern, und wir wollen neuen Ideen Raum geben. Deshalb ist das geplante Kulturfördergesetz zur Vereinfachung von Kulturförderprozessen und mehr Planbarkeit von großer Bedeutung. Das werden wir weiter aktiv begleiten. Kultur nimmt den ganzen Menschen in den Blick, ist wichtiger denn je, beugt Vereinsamung und Radikalisierung vor, fördert Austausch und Dialog. Deshalb sind uns gerade in der Fläche im Land die Dritten Orte als Raum für kulturelle Teilhabe von Bedeutung. Wir wollen ganz speziell zusammenhaltsstiftende und demokratiefördernde Orte an der Stelle in den Blick nehmen und fördern, wo sie fehlen. Es gibt noch viele weitere Aspekte unserer reichhaltigen Kulturlandschaft, aber die Zeit ist knapp. Deswegen möchte ich abschließend sagen: Kultur ist kein Event, das man sich mal so gönnt, wenn eben Zeit ist oder man es sich leisten kann, sondern Kultur ist ein menschliches Grundbedürfnis. Kultur drückt eine Haltung aus, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft verbindet und die Kreativität möglich macht. An die Kolleginnen und Kollegen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gerichtet muss ich leider sagen, wir lehnen Ihren Antrag ab. Die Inhalte sind weitgehend in unserem Antrag enthalten. Ihr seid kleinteiliger, grüner pointiert. Ich könnte das Beispiel der „Amnesie“ beim Kollegen Kusch mit Blick auf die letzten fünf Jahren auch hier im Kulturbereich nennen. Wir werden mit unserem Antrag tatsächlich die Kultur „auf die 1“ setzen. Stimmen Sie unserem Antrag zu, und dann wird das gut. (Beifall der SPD und bei der CDU – Zuruf der Abg. Katharina Binz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Der leider viel zu früh verstorbene Altbundespräsident Johannes Rau hat einmal sinngemäß gesagt: Musik, Kunst und Kultur sind nicht die Sahne auf dem Kuchen, sondern die Hefe im Teig. – Lassen wir also die Hefe gären und die kulturelle Teilhabe in unserem Land wachsen. Vielen Dank. (Beifall der SPD und der CDU)

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