Jürgen Klein
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Vertreter der Landwirtschaft! Wir benötigen in der Landwirtschaft im Allgemeinen einen klaren Politikwechsel: weg von Misstrauen und Überregulierung hin zu Verantwortung und unternehmerischer Freiheit. Das zeigt sich auch im Bereich Pflanzenschutz. Für uns als AfD-Fraktion gilt klar der entscheidende Maßstab „Gute fachliche Praxis“. Unsere Landwirte müssen über ausreichend Wirkstoff verfügen können, um ihre Pflanzen zu schützen, Ernten zu sichern und qualitativ hochwertige Lebensmittel zu erzeugen. Übertriebene Bürokratie, unverhältnismäßige Verzögerungen bei der Zulassung oder gar Ideologie haben hier überhaupt nichts zu suchen. Sehr geehrte Damen und Herren, die AfD-Fraktion hat ein großes Vertrauen in die Fachkompetenz unserer Bauern und Winzer. Sie sind ausgebildete Fachleute und wissen am besten, was auf ihren Feldern funktioniert, welche Maßnahmen erforderlich sind und wie Pflanzenschutzmittel fachgerecht, aber auch verantwortungsvoll eingesetzt werden. Genau deswegen darf Agrarpolitik nicht von ideologischen Zielvorgaben bestimmt werden. Das gilt genauso für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Die Schutzanforderungen im nationalen Zulassungsverfahren sind mittlerweile hochkomplex. Auch deswegen gehen immer mehr Wirkstoffe verloren. Deshalb will auch die AfD-Fraktion Zulassungsverfahren vereinfachen und darüber hinaus die europäische Pflanzenschutzregulierung so reformieren, dass der praktische Nutzen der Wirkstoffe für die Landwirtschaft wieder stärker ins Zentrum rückt. Sehr geehrte Damen und Herren, wie weit insbesondere die Vorgaben der EU inzwischen an der landwirtschaftlichen Wirklichkeit vorbeigehen, zeigt ein geradezu absurdes Beispiel aus dem Weinbau. Sie wissen, wovon ich rede. Unsere Winzer haben handelsübliches Natriumhydrogencarbonat, Backpulver genannt, erfolgreich gegen echten Mehltau eingesetzt. Nun darf dieser Grundstoff aufgrund des europäischen Zulassungsrechts nicht mehr in der bisherigen Form verwendet werden. Das ist eine Politik der Regulierung, die für Winzer und Landwirte kaum noch nachvollziehbar ist. Statt sinnvoller Unterstützung entsteht immer mehr Bürokratie, letztlich Bürokratie um ihrer selbst willen. Wir als AfD-Fraktion lehnen solche pauschalisierten und praxisfernen Einschränkungen aus freiheitlicher Überzeugung ab. Wenn sich ein Mittel als wirksam erwiesen hat, bei sachgerechter Anwendung sicher eingesetzt werden kann und sich in der Praxis bewährt hat, muss genau das der Ausgangspunkt der politischen Bewertung sein. Gerade jetzt brauchen unsere Betriebe Entlastung. Trockenheit, steigende Kosten und immer neue Dokumentations- und Nachweispflichten fordern Bauern und Winzer schon genug. Für eine wirtschaftliche und ertragreiche Landwirtschaft brauchen sie politische Rückendeckung und Entfaltungsfreiheit, denn wir wissen, dass unsere Landwirte aus ihrem Wesen heraus bewusst, sparsam und effizient arbeiten. Sehr geehrte Damen und Herren, die SchilfGlasflügelzikade zeigt beispielhaft, wie wichtig leistungsfähige Forschung, engmaschiges Monitoring und ein schneller Wissenstransfer in die landwirtschaftliche Praxis sind. Unser Anspruch muss dabei lauten: mehr Output, frühere Warnungen, bessere Prognosen, widerstandsfähigere Sorten und vor allem konkrete wirtschaftliche Tragfähigkeit und Handlungsempfehlungen für unsere Betriebe. Digital Farming bietet dafür enorme Chancen, wenn Monitoringdaten und Prognosemodelle intelligent verknüpft werden und dadurch ein noch präziserer und bedarfsgerechterer Pflanzenschutz möglich ist. Das DLR überwacht beispielsweise bereits den Zikadenflug, um geeignete Behandlungszeitpunkte bestimmen zu können. Deshalb müssen wir unsere DLR besonders technisch weiter stärken, denn Forschung soll auf dem Acker und im Weinberg messbaren Mehrwert schaffen. Pflanzenschutz braucht demnach Sachverstand und Praxisnähe, aber auch Vertrauen in diejenigen, die jeden Tag Verantwortung auf unseren Äckern und Weinbergen tragen. Wir werden dem Antrag zustimmen, da er in diesem Zusammenhang gute Ansätze enthält. Zum Schluss eine bekannte Bauernregel – sie bringt es meiner Meinung nach auf den Punkt –: Ein Pfarrer und ein Bauer wissen mehr als ein Pfarrer alleine. Danke. (Beifall der AfD)
