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Susanne Müller

SPD 19.08.2026 Sitzungen 19/4

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe über 20 Jahre lang Schulstarts erlebt – nicht von diesem Redepult aus, sondern aus dem Klassenzimmer, als Lehrerin und Schulleiterin. Ich weiß, was an solch einem ersten Schultag auf dem Spiel steht – für ein Kind, für eine Familie, für eine Lehrkraft, die vielleicht auch zum ersten Mal vor der Klasse steht. Rund 45.500 Lehrerinnen und Lehrer stehen in diesem Schuljahr vor den Klassen unseres Landes, so viele wie nie zuvor. Fast 1.000 von ihnen sind neu hinzugekommen. Jede Stelle ist mit grundständig ausgebildetem Personal besetzt. Diese Zahlen sind mehr als Statistik. Sie stehen für Menschen, die Tag für Tag Verantwortung übernehmen und unseren Kindern gute Bildung ermöglichen. Unser Dank gilt all denen, die diese Schulgemeinschaften jeden Tag am Laufen halten: den Lehrkräften vor der Klasse, den Schulleitungen, dem pädagogischen Fachpersonal, den Hausmeisterinnen und Hausmeistern und im Hintergrund auch ADD und Schulträgern. Besonders unsere Grundschullehrerinnen und -lehrer legen die wichtigste Grundlage auf dem gesamten Bildungsweg. Diese Leistung verdient faire Bezahlung. Deshalb haben wir im Koalitionsvertrag die stufenweise Anhebung auf A 13 festgeschrieben, von der GEW zu Recht als „bildungspolitischer Durchbruch“ gewürdigt. Jetzt lösen wir dieses Versprechen Schritt für Schritt ein. (Beifall bei der SPD und der CDU) Auch im neuen Schuljahr gilt: Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Deshalb reformieren wir jetzt die Schulbuchausleihe. Schulbücher und Arbeitshefte werden künftig analog und ab Klasse 5 zusätzlich digital kostenlos bereitgestellt. Das entlastet Familien ganz konkret. Schon in der vergangenen Legislatur hat Sven Teuber Sprachförderung und den Ausbau der Ganztagsschulen massiv vorangetrieben. Darauf bauen wir auf. 1.000 Kitas erhalten eigene Sprachbeauftragte. Mit SiAb, dem Programm „Sprache im Alltag beobachten“, bekommen Fachkräfte ein Werkzeug zur Überwachung der Sprachentwicklung an die Hand. Ab viereinhalb Jahren wird die Sprachstandserhebung für alle Kinder verpflichtend, denn die deutsche Sprache ist der Schlüssel für Bildungserfolg und Integration. Liebe Kolleginnen und Kollegen, doch ein guter Schulstart meint nicht nur die Einschulung in den Grundschulen, auch für unsere älteren Schülerinnen und Schüler schaffen wir Perspektiven. Deshalb stärken wir die Berufsorientierung ab Klasse 7 mit verpflichtenden Praktika und Projekttagen an allen weiterführenden Schulen. Das gilt auch für unsere Realschulen plus und unsere berufsbildenden Schulen. Die Realschulen plus stärken wir mit mehr multiprofessionellen Teams in den Berufsreifeklassen. Unsere berufsbildenden Schulen modernisieren wir bei Ausstattung, Bausubstanz und Digitalisierung, denn starke berufliche Bildung sichert die Fachkräfte von morgen. Wir lassen niemanden zurück. Mit „Keine/r ohne Abschluss“ finden Jugendliche den Weg zum Abschluss im eigenen Tempo und mit individueller Begleitung. Das ist gelebte Chancengerechtigkeit, nicht nur am ersten Schultag, sondern auch bis zum letzten. Als ehemalige Förderschullehrerin und Schulleiterin ist mir ein Thema besonders wichtig. Das ist die Inklusion. Inklusion heißt, alle gehören von Anfang an dazu, ohne Sonderwege. Nicht der Mensch muss sich anpassen, unsere Institutionen müssen sich wandeln, auch die Schule. Im Koalitionsvertrag bekennen wir uns klar zum Recht auf Inklusion und entwickeln den bewährten Dreiklang aus Schwerpunktschulen, Förder- und Beratungszentren sowie Förderschulen weiter. Für echte Chancengerechtigkeit brauchen wir noch weitere Verbesserungen. Diesen Anspruch werden wir als SPD-Fraktion wachhalten. Ein Thema, das Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler in diesen Wochen gleichermaßen bewegt, ist der Umgang mit Smartphones an den Schulen. Der Koalitionsvertrag ist hier klar. Die private Handynutzung soll während der Unterrichtszeit grundsätzlich nur zu Lehr- und Lernzwecken erfolgen. Das Bildungsministerium hat dazu einen Vorschlag vorgelegt, den wir nun gemeinsam beraten werden. Für mich steht heute und auch nach 20 Berufsjahren in der Schule fest: Kinder lernen nur so gut, wie wir ihnen die geeigneten und bestmöglichen Rahmenbedingungen dafür schaffen. Das ist unser Anspruch für die nächsten Jahre. In diesem Sinne wünschen wir allen Schulgemeinschaften einen guten Start ins neue Schuljahr, ein Schuljahr, das wir gemeinsam gestalten wollen, mit Zuversicht, mit Tatkraft, mit dem festen Willen, beste Bildung für jedes einzelne Kind möglich zu machen, ganz gleich, aus welchem Elternhaus es kommt, wo es aufwächst oder welche Unterstützung es braucht. Unser Kompass bleibt derselbe: Kein Kind darf zurückbleiben. Diesen Anspruch werden wir einlösen, Schritt für Schritt, Schuljahr für Schuljahr. Dafür steht diese Koalition ein. Mehr dazu in der zweiten Runde. Herzlichen Dank. (Beifall der SPD und der CDU)

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