Dr. Christoph Gensch
Herr Minister, zwei Dinge. Erster Punkt: Es kann doch nicht unser Anspruch sein, weder als Bundesland noch als Bundesrepublik, dass wir aus dem kompletten europäischen Ausland oder aus der kompletten Welt Ärzte zusammenziehen, dort die Not und den Ärztemangel vergrößern, weil wir selbst nicht in der Lage sind, die Ärzte hier vor Ort auszubilden. (Beifall der CDU und der Gruppe FREIE WÄHLER) Ich muss Ihnen das jetzt einfach einmal sagen, und das ist keine Abqualifikation von Kollegen. Es gibt aber vielleicht keine Profession, bei der die sprachliche Kompetenz und Exzellenz wichtiger ist als in der Medizin. Es trifft eine 85-jährige schwerhörige Frau aus Knopp-Labach auf einen Doktor. Da ist es extrem wichtig, dass man jedes Wort versteht. Dabei ist die Kommunikation ein Schlüssel für die sachgerechte Diagnostik. Insofern ist das ein Punkt neben vielen anderen und der grundsätzlichen Herangehensweise, bei der man sagen muss, es muss unser Anspruch sein, die Leute selbst auszubilden. Zweiter Punkt: die Landarztquote. Sie haben jetzt ähnlich wie Herr Kusch argumentiert. Ja, mir ist klar, dass die Landarztquote 2020 gestartet ist. Wir haben im Ausschuss über Monate darüber diskutiert, dass ich gesagt habe, es kann doch nicht unser Anspruch sein, dass es bei der Landarztquote sechs Jahre dauert, bis die Medizinstudenten fertig sind. Dann schließt sich eine fünfjährige Facharztausbildung an, und am Ende dieser Facharztausbildung, wenn ich Facharzt für Allgemeinmedizin bin, melde ich mich beim Ministerium – also nach elf Jahren – und sage: Jetzt bin ich bereit, und jetzt schickt Ihr mich für zehn Jahre irgendwohin. Ich habe damals in drei Sitzungen zu allen Beteiligten gesagt: Lassen Sie uns das früher beginnen. Lassen Sie uns die Kollegen schon in der Assistenzarztphase in diese Regionen schicken. Dann wirkt die Quote früher, und es fi ndet eine Einarbeitung mit dem dann gehenden Kollegen statt. Die Antwort in jeder Sitzung war: Nein, machen wir nicht. Insofern ist Ihr Verweis genau wie der von Herrn Kusch, dass jetzt, im sechsten Jahr nach Wirken der Landarztquote, irgendetwas passiert und irgendjemand dem Markt zur Verfügung steht, schlicht völlig falsch. Das ist völlig falsch. (Beifall der CDU) Wir müssen weitere fünf Jahre warten, es sei denn, Sie ändern jetzt endlich die Landesverordnung zu diesem Gesetz, wie wir es seit drei oder vier Jahren fordern. Es wäre sinnvoll und aus meiner Sicht auch nicht unmöglich, das zu machen. Dann lassen Sie uns das angehen. (Glocke der Präsidentin) Vielen Dank. (Beifall der CDU und der Gruppe FREIE WÄHLER)
