Stefan Thoma
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Wir haben schon ganz viele Argumente dafür und dagegen gehört. Ich glaube, das ist ein Streit, den wir schon seit Längerem führen. Da gibt es keine so großen neuen Erkenntnisse, außer dass wir das alles noch einmal hören. Dass wir Bedarf haben, mehr Ärzte auszubilden, ist allen klar. Das ist ein Allgemeingut, dass wir das wissen. Es passiert auch etwas, und es wird Stück für Stück aufgebaut, aber mit Realitätssinn; denn das Ganze muss bezahlbar sein. Das Ganze muss realistisch in der Infrastruktur sein; denn nur mit Geld allein funktioniert das Ganze nicht. Wir müssen auch sagen, wir haben noch potenzielle Studienplätze, die gerade aufgebaut werden. Die Zahlen 450 und 500 sind schon mehrfach gefallen. Uns muss aber auch bewusst sein, dass es immer sehr einfach ist, große Zahlen zu fordern, sich hinzustellen und zu sagen, wir brauchen so und so und so und so viele, wenn man nicht in der Verantwortung ist zu erklären, a) wie man das infrastrukturell und b) finanziell und auch langfristig geplant weiter macht. Es ist schön, wenn wir schnell viele Ärzte zusätzlich ausbilden, wobei das so schnell gar nicht geht, aber irgendwann kommt der Punkt, wir haben sehr teuer Strukturen aufgebaut und bilden immer noch weiter Ärzte aus, selbst wenn wir genug an der Stelle haben. Auch das muss mitbedacht werden. (Abg. Helge Schwab, Gruppe FREIE WÄHLER: Genau da liegt das Problem!) Ein Punkt, den wir sehr gern vergessen und über den wir heute noch gar nicht gesprochen haben, ist die Frage: Was passiert eigentlich mit einem Medizinstudium-Absolventen? Nur weil er das Medizinstudium bestanden hat, heißt das noch lange nicht, dass er sich als Arzt niederlässt und genau das tut, was wir gern von ihm wollen, nämlich dass er beispielsweise als Hausarzt auf dem Land arbeitet. Wir haben daran gearbeitet, Hausärzte und vor allem Kinderärzte auf dem Land zu gewinnen, aber man muss auch sagen, eine solche Praxis zu übernehmen oder neu aufzumachen, sich niederzulassen, ist eine Schwierigkeit, und zwar eine Schwierigkeit, die vor allem dadurch entsteht, dass das teilweise wirtschaftlich schwierig ist, dass es sich nicht immer lohnt und dass wir Situationen erleben, in denen eine solche Übernahme im Prinzip kaum zu machen ist. Am bürokratischen Druck, der auf den Ärzten liegt, müssen wir dringend arbeiten. Wir müssen dafür sorgen, dass wir solche Praxisübernahmen fördern, damit die, die wir ausbilden, in der Art tätig werden, wie wir das gern haben wollen; denn ansonsten bringt uns das Ganze nichts, außer dass das alles sehr viel Geld kostet. Ergänzend dazu haben wir andere Sachen auf den Weg gebracht, zum Beispiel Pflegestudiengänge, die wir in Trier, Mainz und Ludwigshafen haben, sowie den Hebammenstudiengang. Auch das alles entlastet ärztliche Aufgaben und sorgt letztlich dafür, dass der Druck auf die medizinische Versorgung ein wenig abgeschwächt wird. Nur wenn wir wirklich attraktive Rahmenbedingungen für neue Arztpraxen und neue Tätigkeiten schaffen, stärkt das unsere Gesundheitsversorgung nachhaltig. Dann können wir auch über entsprechende Ausbildungsplätze und wie viele noch nötig sind sprechen. Vielen Dank. (Beifall der FDP und vereinzelt bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
