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Dr. Erwin Manz

29.01.2026 Sitzungen 18/102

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Rund 43 % der Fläche unseres Bundeslands bestehen aus Wald. Gemessen am Flächenanteil ist Rheinland-Pfalz das waldreichste Bundesland. Damit hat unser Wald eine große Bedeutung, eine große ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Bedeutung. Unser Wald ist bedeutsamer Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber. Rund 54.000 Beschäftigte arbeiten in Rheinland-Pfalz im Cluster Holz. Er ist wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen und versorgt uns mit sauberer Luft. Die Bäume binden Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff. Die großen Wälder werden zu Recht als Lunge der Erde bezeichnet. Das Ökosystem Wald schützt unser Klima, reguliert unseren Wasserhaushalt, reduziert Hochwasserrisiken und trägt wesentlich zum Gleichgewicht unseres Ökosystems bei. Um den Wald in der ganzen Fülle seiner Funktionen auch für zukünftige Generationen zu bewahren, müssen wir unseren Wald nachhaltig schützen und bewirtschaften. Schutz und Bewirtschaftung setzen gleichermaßen fundiertes Wissen über den Waldzustand voraus. Der Waldzustandsbericht gibt dazu seit 41 Jahren einen Blick auf den Gesundheitszustand unserer Wälder. Die Schadenshöhe zeigt im untersuchten Jahr 2025 auch dank eines insgesamt günstigen Witterungsverlaufs einen leichten Rückgang. 81,4 % der Bäume sind in den rheinland-pfälzischen Wäldern geschädigt. Rund 36 % der Waldbäume sind deutlich geschädigt. Auch wenn insgesamt das Schadniveau etwas rückläufig ist – wir haben es jetzt mehrfach gehört –, sind diese Ergebnisse weiterhin alarmierend. Erfreulich ist, dass bei Eiche und Buche eine deutliche Verbesserung des Kronenzustands eingetreten ist. Insgesamt wurden an 10 % der Eichen keine Schadmerkmale gefunden. Bei der Buche liegt dieser Anteil bei 21,1 %. Besonders erfreulich ist, dass es der Buche wieder besser geht. Immerhin ist sie die am häufigsten vorkommende Waldbaumart bei uns, ihr Anteil liegt bei rund 23 %, gefolgt von der Eiche mit rund 21 %. An der Fichte klingt die Borkenkäferkalamität nun deutlich ab. Mit 2,7 % ist die Ausscheiderate, also die Mortalität der Probebäume, nach sechs Jahren erstmals wieder unter dem langjährigen Durchschnitt der Zeitreihe. Kommen wir nun zu den Schadensursachen. Stark belastet wird die aktuelle Situation in unseren Wäldern weiterhin vom menschenverursachten Klimawandel. Auch wenn dieses Jahr feuchter war, reichte das vor allem in der Rheinebene für viele Bäume nicht aus, um sich zu erholen. Gleichzeitig können sich gestresste Bäume weniger gut gegen Schädlingsbefall wehren. Ganz klar, die Dürreperioden der letzten Jahre können nicht von nur einem etwas besseren Jahr wiedergutgemacht werden. Bedeutsam ist darüber hinaus die Belastung der Wälder durch Luftschadstoffe. Zwar sind die Einträge an Schwefel und Schwermetallen deutlich zurückgegangen, allerdings ist der Ausstoß immer noch zu hoch. Schwefel kommt vor allem aus der Verbrennung fossiler Energien. Die Stickstoffeinträge übersteigen weiterhin für die Mehrzahl unserer Waldökosysteme die Schwellenwerte der Ökosystemverträglichkeit. Wie also können wir dem Wald helfen? Wir können den Wald als Ökosystem zwar nicht kurzerhand an den Klimawandel anpassen. Wir müssen aber so mit dem Wald umgehen, dass er die besten Möglichkeiten hat, gegenüber den Klimawandelfolgen Resilienz zu entwickeln. Auch mit unserer naturnahen Waldbewirtschaftung helfen wir dem Wald. Bereits jetzt sind 85 % unserer Wälder Mischwälder. Über 95 % der Bäume stammen aus Naturverjüngung. Das heißt, sie wurden nicht gepflanzt, sondern ihr Samen ist von Natur aus im Wald aufgegangen. Die Begleitung und Ergänzung der natürlichen Walddynamik sichert einerseits Naturnähe, andererseits eine höhere Vielfalt und die Anpassung an den Klimawandel. Ziel ist also ein möglichst widerstandsfähiger Wald durch Naturnähe und Vielfalt. Dieses Vorgehen wird durch intensive Beratungen durch Landesforsten und durch entsprechende Förderrichtlinien auch im Privat- und Körperschaftswald umgesetzt und unterstützt. Damit unser Wald auch zukünftig effektiv Kohlenstoff binden kann, müssen auch die kahl gefallenen Flächen wieder bewaldet werden. Die Voraussetzung dafür ist aber, dass die Bäume auch wachsen können, also beispielsweise Wildverbiss flächendeckend begrenzt wird. Das novellierte Landesjagdgesetz ist dazu ein wichtiger Schlüssel. Um die Klimaschutzwirkung des Walds in Rheinland-Pfalz weiter zu stärken, haben wir in diesem Jahr die Waldklimaoffensive mit vier Bausteinen gestartet: Aufforstung, klimaresiliente Waldentwicklung, Wasserrückhalt, CO -Bindung durch Holzbau. Die Jahre 2023, 2024 und 2025 waren weltweit die heißesten drei Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Das zeigt uns auch, um unserem Wald zu helfen, müssen wir die Ursachen anpacken. Vor allen Dingen in den Bereichen Energie und Verkehr müssen wir klima- und waldfreundlicher werden. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD sowie des Abg. Marco Weber, FDP)

Protokoll ↗