Nico Steinbach
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über den Waldzustandsbericht 2025. Ich möchte ausnahmsweise in meiner Rede zu diesem Thema einmal mit einer guten Nachricht beginnen; (Zuruf von der SPD: Sehr gut, Nico!) denn ich freue mich als überzeugter Forstpolitiker ganz besonders, dass uns der vorliegende Bericht aus dem vergangenen Jahr deutlich zeigt, dass es eine berechtigte Zukunftshoffnung für den Wald in Rheinland-Pfalz gibt. Erstmals seit sieben Jahren hat sich der Zustand unserer heimischen Wälder wieder verbessert, wenn zwar auch nur in einem sehr kleinen Schritt, aber eben verbessert. Wir alle wissen: Rheinland-Pfalz ist mit seinen 42 % bewaldeter Landesfläche eines der waldreichsten Bundesländer, nämlich das waldreichste Bundesland. (Abg. Martin Haller, SPD: Ganz genau! Das waldreichste Bundesland!) 2025 hat gezeigt, dass unser Wald nach Jahren der Dauerbelastung eine womöglich kurze Verschnaufpause erhalten hat. Es ist eine vorsichtige Phase der Regeneration erkennbar. Zu den Hoffnungsmachern: Fast 19 % der untersuchten Bäume zeigen keine sichtbaren Schadmerkmale. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Buche und Eiche stehen wieder besser da. Der Grundzustand hat sich erholt. An der Fichte klingt die Borkenkäfer-Kalamität deutlich ab. Mit einer Ausscheiderate von 3 % liegt dieser Wert erstmals seit sechs Jahren wieder unter dem langjährigen Durchschnitt. Diese Entwicklung macht Mut, aber sie ist eben kein Selbstläufer und natürlich auch kein Zufall; denn die leichte Erholung ist nicht allein dem Wetter zu verdanken. Sie ist auch das Ergebnis jahrelanger engagierter Arbeit unserer Försterinnen und Förster vor Ort, von kommunalen und privaten Waldbesitzern, die den Wald gepflegt, umgebaut und auch in schwierigsten Jahren verantwortungsvoll bewirtschaftet haben. Ohne diese kontinuierliche, harte Arbeit hätte selbst ein günstiger Witterungsverlauf keine spürbare Entlastung gebracht. Gleichzeitig dürfen wir uns nichts vormachen: Noch immer sind rund 81 % der Bäume in Rheinland-Pfalz geschädigt. Fichten und Kiefern sterben weiterhin überdurchschnittlich häufig ab. Das Gesamtschadensniveau bleibt hoch, und von einer echten, nachhaltigen Trendwende kann leider noch keine Rede sein. Der Waldzustandsbericht zeigt zudem klar, dass Luftschadstoffe ein zentrales Problem bleiben. Stickstoffeinträge und Ozon überschreiten weiterhin die natürlichen Belastungsgrenzen für Waldbäume und schwächen die Widerstandsfähigkeit unserer Wälder kurz-, mittel- und langfristig. Der Wald wird damit zum Frühwarnsystem unserer Umweltpolitik. Deshalb ist klar, dass die kurzfristige Erholung im Jahr 2025 vor allem eine witterungsbedingte Atempause ist. Sie entbindet uns nicht von Verantwortung, und Politik kann nicht zu den Wettergöttern beten und so auf ausreichenden Niederschlag hoffen. Wir müssen diese eingetretene Regenerationsphase stabilisieren und gestalten; denn Klimapolitik ist aktive Waldpolitik. Wir schützen mit dem Wald nicht nur Bäume, sondern auch unser Wasser, Böden, unser Klima und die gesamte Lebensqualität. Wir sind daher gut beraten, unsere Anstrengungen weiter zu intensivieren und gleichzeitig langfristig in Anpassung, Forschung und nachhaltige Waldbewirtschaftung zu investieren, wie wir das auch in den vergangenen Jahren, sogar Jahrzehnten voller Inbrunst und mit großen Erfolgen getan haben. In Rheinland-Pfalz tun wir das nämlich, indem wir mit der Bereitstellung von zusätzlichen 50 Millionen Euro aus dem Sondervermögen im Rahmen der Klima-Wald-Offensive dafür Sorge tragen, dass der rheinland-pfälzische Forst gezielt bei den Themen Waldumbau, Wiederbewaldung, Klimaanpassung und der Stabilisierung geschädigter Wälder unterstützt wird. Neben den umweltpolitischen Zielen bleibt der Wald – das betone ich immer wieder sehr gerne – auch ein wichtiger Rohstofflieferant; denn gerade regionale, kurze Lieferketten, zum Beispiel für die Rundholzversorgung unserer heimischen Sägeindustrie, spielen dabei eine herausragende Rolle. Diese klare Fokussierung unterstreicht auch unser jährlicher Landeshaushalt, den wir hier in diesem Hause beraten. Unser Landesbetrieb Landesforsten wurde in den letzten Jahren mit über 100 Millionen Euro jährlich unterstützt. Diese Ausgaben sorgen dafür, dass Aufgaben erbracht werden können, damit Forstpolitik in Rheinland-Pfalz ökologisch gesteuert, flächendeckend wirksam und langfristig stabil umgesetzt werden kann, unabhängig von Holzpreisen oder kurzfristigen Erträgen. Ich empfehle Ihnen deshalb die Lektüre des Waldzustandsberichts ausdrücklich. Der Bericht basiert auf der langjährigen jährlichen Waldbeobachtung an mehreren Tausend Bäumen in Rheinland-Pfalz und dient als wichtiges Messinstrument zur Bewertung der Waldgesundheit. Daher danke ich allen Beteiligten und natürlich unserem zuständigen Ministerium für diesen fundierten Bericht. Derweil zeigt uns, was langfristiges Handeln bewirken kann und was eben auf dem Spiel steht, (Glocke des Präsidenten) wenn es unterlassen bleibt. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
