Stefan Thoma
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren! Liebe CDU, ich möchte ganz positiv anfangen und einmal die positiven Sachen herausstellen, die in diesem Antrag sind. Das sind sogar so viele, dass ich sie mir aufschreiben musste, weil sie einfach nicht so zu merken sind. Wir haben darin ganz positiv die 105%ige Unterrichtsversorgung. Wir haben das A-13-Gehalt für Grundschullehrkräfte. Wir haben darin das Thema Schulcluster. Die Sprachförderung wollen Sie ausbauen, die Betreuungskräfte am Nachmittag zur Entlastung der Lehrkräfte und auch den Fremdsprachenunterricht, der – schon vor langer Zeit gefordert von den Fremdsprachenkollegen der weiterführenden Schulen – in der Grundschule nicht mehr stattfinden soll, sondern erst ab der 5. Klasse. Das sind alles gute Stoßrichtungen, alles gute Dinge, die auf jeden Fall dort hineingehören. (Beifall des Abg. Steven Wink, FDP, sowie der CDU) Es ist doch jetzt keine große Überraschung, dass wir in Bildungsfragen öfter einmal nah beisammenstehen. Da sind wir uns auch einig bei den Themen. Ich glaube, auch bei Werten, die sich die CDU selbst anschreibt, die ich hoffentlich zu Recht zitiere, nämlich, dass sie sich als Familien- und familienfreundliche Partei sieht und einen typischen bürgerlichen Lebensentwurf vertreten möchte, gibt es keinen Widerspruch von der CDU, oder? Dann, muss ich sagen, haben mich andere Sachen ein bisschen verwundert. Ich sage ganz offen, ich glaube nicht, dass das in böser Absicht geschehen ist. Ich glaube, es ist ein bisschen untergegangen, weil man sich vielleicht der Konsequenzen nicht ganz bewusst gewesen ist, was so manches auslöst. Fangen wir einmal an mit dem Thema Hausaufgaben. Hausaufgaben in den Unterricht zu integrieren, ist eigentlich nichts anderes als eine normale Übungsstunde, (Heiterkeit des Abg. Carl-Bernhard von Heusinger, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) die wir auch so kennen, meistens in der Form von einem Wochenplan oder Ähnlichem. Das ist also grundsätzlich erst einmal nichts Neues. Nach Hause verlagert werden soll so etwas, wie – wenn ich es richtig gelesen habe – das Üben vom Einmaleins und von Vokabeln und so etwas. Vielleicht da der Hinweis: Wenn wir die Fremdsprachen abschaffen, braucht man keine Vokabeln mehr zu Hause zu üben. (Abg. Dirk Herber, CDU: Hat Deutsch keine Vokabeln?) Gerade so etwas wie das Einmaleins ist eine typische Übungsaufgabe für die Schule. Das heißt, faktisch ist das eigentlich die Forderung, die klassischen Hausaufgaben abzuschaffen. Das ist so ein Punkt, das hätte ich von anderen Parteien erwartet. Bei der CDU war ich etwas überrascht, (Abg. Marcus Klein, CDU: Wir sind für Überraschungen gut!) dass man im klassischen Sinne die Hausaufgaben abschaffen will. Das fand ich interessant. (Beifall der Abg. Michael Frisch und Martin Louis Schmidt, fraktionslos) Dann ist da verräterisch ein bisschen was im Text drin. Da steht – ich zitiere aus Ihrem Antrag –: „weniger Stress im Alltag […] Balance zwischen Schule, Familie und Freizeit“. Eben fiel noch das Wort Entlastung. Mir drängt sich so ein bisschen der Eindruck auf, Ihr Bild von Kindern, oder das, was Sie zumindest den Eltern zuschreiben, ist, dass sie ihre Kinder als Belastung wahrnehmen würden, was ich ein sehr fragwürdiges Familienbild finden würde, wenn wir davon ausgehen, Kinder seien eine Belastung, die man besser in der Schule parkt, statt sie zu Hause zu haben und sich dann vielleicht einmal unangenehmerweise bei unzufriedenen Situationen mit den Hausaufgaben auseinandersetzen zu müssen. Ein anderer Punkt ist das Mittagessen. Ich habe extra noch einmal nachgefragt, ob es auch wirklich als Pflicht gedacht ist. Das wurde mir so bestätigt. Wir haben es von den Kollegen eben schon einmal gehört. Was ist denn mit den Familien, die das nicht wollen? (Abg. Michael Frisch, fraktionslos: Ganz genau! – Beifall des Abg. Martin Louis Schmidt, fraktionslos) Was ist denn mit den Familien, die sagen: Ich möchte nicht, dass mein Kind im Bestfall Kantinenniveau zu essen bekommt? (Abg. Florian Maier, SPD: Das müssen wir den Leuten einmal erzählen, was Sie fordern!) Was ist mit den Familien, die gemeinsam zu Mittag essen wollen? Was ist mit den Familien, in denen zum Beispiel die Eltern Schicht arbeiten und die froh sind, wenn sie Spätschicht haben, ihre Kinder wenigstens mittags noch einmal zu sehen? (Beifall der Abg. Steven Wink, FDP –
