Daniela Schmitt
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst danke ich für die Gelegenheit, in dieser Aktuellen Debatte über Handwerkspolitik sprechen zu dürfen. Aber, sehr geehrter Herr Schwab, eines will ich an dieser Stelle doch kritisch anmerken. Wenn Sie sagen, das Handwerk schützen, dann sage ich klar, ich erlebe ein Handwerk in Rheinland-Pfalz, das selbstbewusst auftritt, das für Dynamik steht, für Innovation, auch für Weltoffenheit, das Wertschätzung verdient, das Anerkennung möchte und das möchte, dass ihm auf Augenhöhe begegnen wird. Deswegen würde ich sagen, „schützen“ streichen wir und erzählen lieber, was wir alles für das Handwerk machen, meine Damen und Herren. (Beifall der FDP, der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das Handwerk ist die „Wirtschaftsmacht von nebenan“, wie der Slogan so schön heißt. In Rheinland-Pfalz gibt es über 56.000 Betriebe, 260.000 Beschäftigte, 18.000 Auszubildende, einen Jahresumsatz von rund 37 Milliarden Euro. Das ist kein Randbereich, das ist Rückgrat, gerade auch im ländlichen Raum. Da wird für Zusammenhalt und für Ausbildung gestanden, und wenn es am Ende darum geht, dass die Kita ein neues Klettergerüst braucht, dann ist es auch der Handwerker, die Wirtschaftsmacht von nebenan, die sich auch noch gesellschaftlich engagiert. Deswegen verdient es Respekt und Anerkennung. (Beifall der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 9 0/DIE GRÜNEN) Ich will auch sagen, Meister wissen, wie sie ihren Betrieb führen. Meister wissen, wie man ausbildet. Meister und Handwerker wissen, wie man Verantwortung übernimmt. Deswegen müssen wir weiter unterstützen, kluge Rahmenbedingungen setzen, wie wir es auch in den letzten zehn Jahren gemacht haben. Lassen Sie mich einige Punkte kurz herausgreifen. Erstens das Thema Gleichwertigkeit. Ich will klar sagen, das fängt in der Gesellschaft an. Ich treffe Leute auf den Meisterfeiern, Angehörige, die manchmal sagen: Unser Bub ist nur ins Handwerk gegangen. – Dieses „nur“ muss weg. Es ist die Gleichwertigkeit, die die jungen Menschen verdienen. Sie nehmen oft stolz ihren Meister- oder Gesellenbrief in Empfang. Deswegen arbeiten wir auch hier gemeinsam an der gesellschaftlichen Akzeptanz der Gleichwertigkeit von der beruflichen und der akademischen Bildung, meine Damen und Herren. (Beifall der FDP, der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zweitens die Berufsorientierung. Auch hierzu wurden die vielen, vielen Projekte aufgeführt: Ausbildungsbotschafter, Coaches für Berufsorientierungsmaßnahmen, die KAUSA-Landesstelle. Ich will stolz sagen, jedes Jahr fi nden so über 1.000 junge Menschen ihren Weg ins Handwerk. Viele Projekte haben wir in den letzten Jahren, auch gemeinsam mit dem Bildungsministerium, auf den Weg gebracht, sodass sowohl die schulische als auch die außerschulische Berufsorientierung funktioniert. Drittens, die hochwertige Ausbildung, unabhängig von der Betriebsgröße. Wir haben die Landesmittel für die sogenannte überbetriebliche Lehrlingsunterweisung bei den ÜBS deutlich erhöht. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass wir auch die Mittel aus dem Sondervermögen für die Ausstattung unserer überbetrieblichen Bildungseinrichtungen nehmen. Das ist Qualität, das ist Augenhöhe, dass die jungen Menschen dort Technik nach dem neuesten Stand vorfinden. Viertens, meine Damen und Herren, möchte ich aus gegebenem Anlass noch einmal betonen: Der Meister ist in Rheinland-Pfalz in vielen Fällen bereits heute kostenfrei. Ich wundere mich im Moment über die eine oder andere Forderung auf Veranstaltungen, aber schauen es Sie sich bitte einmal korrekt an. Grund ist die Kombination aus dem Meister-BAföG und dem Meisterbonus des Landes. Über das Meister-BAföG werden bis zu 75 % der Meisterausbildung übernommen, und den verbleibenden Betrag gleicht das Land Rheinland-Pfalz mit dem Aufstiegsbonus aus. Das ist Gleichwertigkeit, wie wir es vor Jahren schon umgesetzt haben. Darauf sind wir auch stolz, meine Damen und Herren. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Eben wurde das eine oder andere aufgezählt. Ich will es noch einmal in Zahlen zusammenfassen: 20 Fördermaßnahmen, die wir in den letzten Jahren auf den Weg gebracht haben, und allein im Jahr 2025 Investitionen in Handwerk und berufliche Aus- und Weiterbildung in Höhe von 24,6 Millionen Euro, meine Damen und Herren. Darüber hinaus will ich aber noch einmal zwei Punkte ansprechen, weil sie mich besonders umtreiben. Das eine ist das Thema der qualifiziert en Fachkräftezuwanderung. Wir haben eben in der Debatte viel darüber gehört, dass ohne das Handwerk nichts läuft. Ich sage aber auch, ohne qualifiziert e Zuwanderung würde das Handwerk tagtäglich auch nicht funktionieren. Deswegen bin ich stolz auf und dankbar für viele Handwerksbetriebe, die immer wieder Menschen aus der ganzen Welt eine Chance geben, junge Menschen, die in die Ausbildung gehen, junge Menschen, die ihren Meister machen. Bei der letzten Meisterfeier der Handwerkskammer Koblenz waren 20 % der jungen Meisterinnen und Meister nicht aus Deutschland, nicht aus Rheinland-Pfalz. Das zeigt mir doch, was wir für eine Weltoffenheit leben und wie wir diesen Menschen eine Chance geben. Deswegen sage ich ganz klar, das wollen wir weiter unterstützen mit Welcome-Centern, damit die Prozesse noch schneller laufen. Mit meiner Kollegin Katharina Binz haben wir die Verfahren beschleunigt. Wir haben sie zentralisiert. Das ist ganz konkrete Wirtschaftsunterstützung, wie sie unser Handwerk braucht, und dafür stehen wir. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Der zweite Punkt, der mir an dieser Stelle noch besonders wichtig ist, ist in der Tat das Thema Nachfolge. Viele Betriebe stehen vor der Situation, dass sie dringend einen Nachfolger brauchen. Deswegen werden wir in RheinlandPfalz weiter ganz konkret an diesen Projekten arbeiten. Ich sage aber auch mit Blick nach Berlin – das eine oder andere wurde eben schon angesprochen –, auch hier brauchen wir klare Signale, damit junge Menschen, egal ob Männer oder Frauen, sich für die Nachfolge, für eine Selbstständigkeit entscheiden. Deswegen sollten wir hier auch klare Rahmenbedingungen erarbeiten und jungen Menschen diesen Weg ermöglichen. Herzlichen Dank. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
