Lisett Stuppy
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr gern rede ich über das Handwerk. Ja, warum? Wenn die Heizung ausfällt, wenn die Kita im Dorf renoviert werden muss oder die PV-Anlage auf dem Verwaltungsgebäude installiert werden soll, dann zeigt sich doch ganz schnell, wer unser Land im Alltag zusammenhält. Ich denke, Sie haben es sicherlich erraten. Es sind die Handwerksbetriebe vor Ort. Sie kommen, wenn etwas nicht funktioniert. Sie können wir um Rat fragen. In Rheinland-Pfalz arbeiten rund 260.000 Menschen im Handwerk, verteilt auf 55.000 Betriebe, überwiegend kleine und mittlere Unternehmen. Allein die mittelständischen Handwerksbetriebe erwirtschaften jährlich rund 28 Milliarden Euro Umsatz. Das zeigt, das Handwerk ist keine Nische, sondern tragende Säule unserer Wirtschaft in Rheinland-Pfalz. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der Gruppe FREIE WÄHLER) Gerade im ländlichen Raum ist das Handwerk eine wichtige Arbeitgeberin. Dort liegt der Beschäftigungsanteil im Handwerk rund 30 % höher als in den Städten. Wer über gleichwertige Lebensverhältnisse spricht, muss deshalb unbedingt über das Handwerk sprechen und darüber, wie wir es konsequent stärken können. Das Handwerk ist auch Teil des gesellschaftlichen Lebens und trägt zum Zusammenhalt in unseren Regionen bei: als Ausbildungsbetriebe, als Dienstleister und Partner, als Betriebe, die auch ehrenamtlich in der Kommune präsent sind und Dorffeste unterstützen. Ohne das Handwerk geht da gar nichts. Damit ist klar, eine handwerksfreundliche Politik ist unerlässlich. Wir erleben einen Widerspruch. Handwerk steckt in allem – in unseren Gebäuden, Brillen, Schuhen oder Lebensmitteln –, aber die Anerkennung dafür ist oft zu leise. Zu selten hören wir, dass es ein Beruf mit Zukunft, mit Sinn, mit Verantwortung ist, auch vonseiten der Politik. Deshalb müssen wir dem Handwerk die Anerkennung geben, die ihm auch wirklich zusteht, und die Wertschätzung, damit junge Menschen viele gute Informationen über das Handwerk erhalten und sich öfter für eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf entscheiden, damit sich Mitarbeitende lange an Handwerksbetriebe binden, selbst gründen oder die Betriebsnachfolge, wenn auch nicht in der Familie, klappt und junge Menschen da sind, die Spaß am Handwerk finden. So ist es leider nicht immer. In Rheinland-Pfalz bleiben Tausende Ausbildungsplätze unbesetzt. Gleichzeitig stehen viele Betriebe vor der Frage: Wer übernimmt eigentlich, wenn ich aufhöre? Unternehmensnachfolge ist längst kein Einzelfall mehr, sie ist eine große Zukunftsfrage im Handwerk und damit auch ein Problem für unsere ganze Gesellschaft. Dabei liegen die Chancen im wahrsten Sinne auf der Hand. Die Energiewende wird doch nicht im Plenarsaal umgesetzt, sondern in den Werkstätten, Heizungskellern und auf Dächern. Ob es um die Wärmepumpe geht, um die PV-Anlage oder um die energetische Sanierung: Klimaschutz ist Handarbeit. Gerade im Klimahandwerk schafft es das Handwerk, neue Berufsbilder zu kreieren, sichert Arbeitsplätze und vor allem die regionale Wertschöpfung. Wer ein Haus dämmt oder eine PV-Anlage installiert, greift auf die Betriebe vor Ort zurück, die wir kennen. Hinzu kommt, Handwerk arbeitet oft seit Generationen nachhaltig. Kurze Wege, langlebige Materialien, reparieren statt wegwerfen: Die Kreislaufwirtschaft ist hier gelebter Alltag und spart Ressourcen und Geld ein. Liebe Kolleginnen und Kollegen, gute Ausbildung fällt nicht einfach vom Himmel. Sie braucht tragfähige und verlässliche Rahmenbedingungen. Wer junge Menschen für das Handwerk gewinnen will, muss ihnen eine moderne Lernumgebung bieten. Dazu gehören entsprechend ausgestattete Berufsschulen sowie zeitgemäße Werkstätten und Klassenzimmer, in denen das Lernen Spaß macht. Das Programm der Coaches für betriebliche Ausbildung wollen wir weiterführen, den Meisterbonus auszahlen und auch gezielt Frauen fürs Handwerk gewinnen, zum Beispiel durch den Gründerinnenpreis und weibliche Vorbilder. Eine Ausbildung im Handwerk ist eine, die auf die Zukunft vorbereitet. Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere Aufgaben sind ganz klar: Wir müssen die duale Ausbildung stärken, Nachfolge erleichtern, Weiterbildung fördern und dem Handwerk die Sichtbarkeit geben, die es verdient. Vielen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP)
