Dr. Anna Köbberling
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe FREIE WÄHLER:INNEN! (Beifall der Abg. Pia Schellhammer, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Da haben Sie sich aber ein schönes aktuelles Thema für diese Aktuelle Debatte ausgesucht. Wir haben auch gerade in der letzten Sitzung des Wirtschaftsausschusses über die Situation im Handwerk auf unseren Antrag hin gesprochen, aber da sind Sie nicht mehr vertreten. Deswegen wiederholen wir es gern heute noch einmal. (Zurufe der Abg. Helge Schwab, Gruppe FREIE WÄHLER, und Joachim Paul, AfD) Die Frage, wie wir die Wirtschaftsmacht von nebenan schützen, besprechen wir als SPD-Fraktion regelmäßig mit den Handwerkskammern, und daher können wir sie Ihnen auch ganz gut beantworten. (Unruhe im Hause – Glocke der Präsidentin) Rund 55.000 Handwerksbetriebe gibt es in Rheinland-Pfalz. Sie sind uns lieb und teuer; denn sie prägen das Gesicht unserer Kommunen. Es sind Betriebe, die man kennt, Unternehmerinnen und Unternehmer, die persönliche Verantwortung tragen, die morgens als Erste da sind, abends die Bücher machen und zwischendrin neben der Abarbeitung von Aufträgen ausbilden. Diese Betriebe leisten enorm viel, und sie stehen gleichzeitig unter erheblichem Druck. An vielen Stellen fehlen Fachkräfte. Viele Betriebe suchen dringend eine Nachfolge. Die Anforderungen werden immer komplexer. Was kann die Politik für sie tun? Ein zentraler Punkt ist die Ausbildung. Das Land investiert gezielt in die überbetrieblichen Ausbildungsstätten. Diese Einrichtungen sind für das Handwerk unverzichtbar, weil sie moderne Ausbildungsinhalte vermitteln und Betriebe entlasten. Es sind hier in den letzten Jahren erhebliche Mittel geflossen, etwa in das Berufsbildungs- und Technologiezentrum in Trier oder den Neubau der Handwerkskammer in Rheinhessen. Das sind keine kleinen Summen, sondern Millionenbeträge, die direkt der Ausbildungsqualität zugutekommen. Dazu kommt die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung. Sie stellt sicher, dass Auszubildende in einem Betrieb möglicherweise vor allem das lernen, was in diesem Betrieb nun einmal spezifisch gemacht wird: überbetrieblich die komplette Bandbreite ihres Berufs erlernen und auf einem vergleichbaren Niveau ausgebildet werden. Das Land fördert diese Lehrgänge, die dafür stattfinden, jährlich mit über 4 Millionen Euro, sowohl in der Grund- als auch in der Fachstufe. Zur Wirtschaftsmacht von nebenan gehört, dass Menschen im Handwerk aufsteigen können. Deswegen setzt das Land mit den Aufstiegsboni Maßstäbe. Wer eine Meisterprüfung oder eine vergleichbare Fortbildung abschließt, wird mit dem Aufstiegsbonus I unterstützt. Wer danach den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, erhält mit dem Aufstiegsbonus II weitere Hilfe. Jährlich fließen über 6 Millionen Euro in die berufliche Fortbildung und Unternehmensnachfolge. Damit sorgen wir ganz konkret dafür, dass Betriebe nicht schließen müssen, sondern weitergeführt werden. Früh ansetzen heißt aber auch, junge Menschen überhaupt erst für das Handwerk zu begeistern. Deshalb unterstützt das Land gemeinsam mit den Handwerkskammern Maßnahmen zur Berufsorientierung, außerschulische Workshops, Praktikumswochen und Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter, die in Schulen aus ihrem Alltag berichten und für die duale Ausbildung werben. Hinzu kommen die Coaches für betriebliche Ausbildung, die Jugendliche und Betriebe zusammenbringen. Jährlich fanden so fast 1.200 junge Menschen eine passende Ausbildung, zusätzlich zu denen, die sich direkt beworben haben. Auch die Koordinierungsstellen Ausbildung und Migration (KAUSA) sind zusätzliche Unterstützungsangebote für Auszubildende. Natürlich endet der Schutz der Wirtschaftsmacht von nebenan nicht bei der Ausbildung. Das Land fördert auch die Betriebs- und Digitalisierungsberatung der Handwerkskammern und Fachverbände. Gerade kleine und mittlere Betriebe profitieren davon, wenn sie bei Digitalisierung, Betriebsorganisation oder Transformation praxisnah begleitet werden. Das ist keine Theorie, das ist Alltagshilfe. Genau darauf kommt es an, wenn Betriebe zukunftsfähig bleiben sollen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Wirtschaftsmacht von nebenan ist stark, aber das ist nicht selbstverständlich. Sie braucht Verlässlichkeit, Investitionen und politische Entscheidungen, die sich an der Realität der Betriebe orientieren. Wer das Handwerk stärkt, stärkt Ausbildung, Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung. Genau so schützen wir die Wirtschaftsmacht von nebenan. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP)
