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Lisett Stuppy

GRÜNE 11.12.2025 Sitzungen 18/99

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir über Kinderschutz sprechen, sprechen wir über das wichtigste Thema überhaupt. Jedes Kind verdient Sicherheit, Zuwendung und Schutz. Alles, was wir hier entscheiden, muss diesem Anspruch gerecht werden. Die CDU schlägt vor – lieber Herr Kollege Wäschenbach, ich schätze Sie sehr –, ein neues Kinderschutzkompetenzzentrum an der Hochschule Koblenz einzurichten. Die Ziele dahinter sind ohne Frage richtig: Fort- und Weiterbildung, Beratung von Fachkräften, Unterstützung für Kinder und Jugendliche, Forschung und Politikberatung. Aber – das ist zentral – all das gibt es in Rheinland-Pfalz schon, vieles sogar schon seit einigen Jahren. Das haben wir als grüne Fraktion immer vorangetrieben, immer eingefordert, gestärkt oder neu aufgebaut. Ein paar Beispiele. Für die Fort- und Weiterbildung im Kinderschutz haben wir in Rheinland-Pfalz starke und erfahrene Partnerinnen und Partner: das Sozialpädagogische Fortbildungszentrum, das Pädagogische Landesinstitut, die Kinderschutzzentren, den Kinderschutzbund und viele mehr. Sie alle arbeiten seit Jahren verlässlich, praxisnah und mit großer fachlicher Expertise. Auch die Beratung und Begleitung von Fachkräften läuft über bewährte Strukturen. Der gesamte Prozess rund um die Schutzkonzepte zeigt doch, Fachkräfte suchen Unterstützung, wenn sie sie brauchen, und sie finden sie auch. Allerdings sehen wir auch, die Kapazitäten sind knapp, und genau hier müssen wir in Zukunft gemeinsam nachlegen. Ein Punkt im Antrag der CDU macht mich etwas nachdenklich. Die Beratung für Kinder und Jugendliche soll im neuen Zentrum angesiedelt werden. Gute Beratung für Betroffene lebt von vielen Dingen. Ganz zentral sind für mich aber besonders zwei. Sie muss nah an den jungen Menschen und ihren Familien sein, und sie braucht Erfahrung. Beides bieten unsere Kinderschutzdienste seit vielen, vielen Jahren vorbildlich. Sie sind für den Kinderschutz unersetzlich, und wir bauen sie weiter aus, wohnortnah und mit mehr Personal. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP) Zur Politikberatung haben wir heute erst einen ganz wichtigen Schritt beschlossen, die neue Landesbeauftragtenstelle gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Diese Stelle bündelt Wissen, sie koordiniert Maßnahmen, und sie wird selbstverständlich auch politische Entscheidungen mitprägen. Genau deshalb haben wir sie ja beschlossen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Problem ist also nicht, dass uns Strukturen fehlen, sondern eher, dass sie knapp ausgestattet sind. Die Nachfrage wächst leider schneller, als neue Stellen geschaffen werden können. Wenn wir jetzt ein zusätzliches Kompetenzzentrum aufbauen, riskieren wir etwas, das wir unbedingt vermeiden müssen, und zwar Doppelstrukturen. Neue Stellen, neue Koordination, neue Trägerlogik, und am Ende fehlt das Geld dort, wo es knapp ist, bei den Einrichtungen und den Fachkräften, bei den Menschen, die täglich Kinder schützen. Deshalb ist für uns klar, wir stärken das, was wir haben. Wir investieren ganz gezielt dort, wo die Expertise liegt und Kinder und Fachkräfte heute schon Unterstützung bekommen. Ein Punkt ist mir zum Schluss noch wichtig. Unsere Politik im Kinderschutz orientiert sich am Pakt gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Der Pakt wurde gemeinsam mit Expertinnen und Experten entwickelt und setzt bundesweit Standards. Ein explizites Kinderschutzkompetenzzentrum ist dort nicht vorgesehen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Kinderschutz braucht keine neuen Schilder an Türen. Kinderschutz ist ein Kinderrecht. Es braucht starke Strukturen, starke Partner und starke Unterstützung, und genau das setzen wir gemeinsam mit dem Familienministerium in Rheinland-Pfalz um. Vielen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP)

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