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Matthias Lammert

11.12.2025 Sitzungen 18/99

Wir fahren in der Debatte fort. Ich erteile Abgeordneter Lisa-Marie Jeckel von der Gruppe FREIE WÄHLER das Wort. 3 Minuten. Abg. Lisa-Marie Jeckel, Gruppe FREIE WÄHLER: Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Geschlechtersensible Medizin ist kein Randthema und kein modischer Begriff, sondern längst ein zentraler Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung. Frauen und Männer zeigen unterschiedliche Symptome, unterschiedliche Krankheitsverläufe und oft auch unterschiedliche Reaktionen auf Medikamente. Das wissen die rheinland-pfälzischen Institutionen und auch unsere Universitäten bereits. Wenn diese Unterschiede nicht berücksichtigt werden, führt das zu verzögerten Diagnosen, unnötigem Leid und vermeidbaren Kosten im Gesundheitssystem. Wir FREIE WÄHLER stimmen der CDU in vielen Punkten ausdrücklich zu. Ja, wir brauchen bessere Daten, mehr Bewusstsein und eine bessere Versorgung bei Krankheitsbildern wie Endometriose oder Lipödem. Ja, wir brauchen eine stärkere Aufklärung, damit Herzinfarkte bei Frauen nicht länger übersehen werden und Patientinnen endlich rechtzeitig die Hilfe bekommen, die sie benötigen. Meine Damen und Herren, aber – das ist uns wichtig – der vorliegende Antrag hat auch Schwächen, die wir aus unserer Sicht benennen müssen. Erstens: Der Antrag setzt stark auf neue Strukturen, neue Prüfaufträge, mögliche Kompetenzzentren und zusätzliche Vorgaben in der Ausbildung. Das klingt gut, aber wir alle wissen, dass neue Strukturen im Gesundheitsbereich schnell zu neuer Bürokratie führen, und mehr Bürokratie bedeutet nicht automatisch mehr Versorgung. Zudem, wie bereits erwähnt, gibt es die Aufmerksamkeit, welche der Antrag fördern möchte, in unserem Gesundheitswesen bereits. Wir brauchen weniger Papier und mehr Praxis. Wir brauchen Entlastung für unsere Ärzte, nicht zusätzliche Formulare oder Berichtspflichten. Zweitens: Die Finanzierung bleibt offen. Mehr Zentren, mehr Forschung, mehr Projekte – das klingt ambitioniert, aber wer trägt die Kosten? Welche Maßnahmen haben Priorität? Wie stellen wir sicher, dass nicht wieder Land und Kommunen Aufgaben schultern müssen, die eigentlich bundespolitisch geregelt werden müssten? Drittens: Der Antrag verweist mehrfach auf bessere Lehrinhalte in allen Gesundheitsberufen. Auch das unterstützen wir grundsätzlich, aber wir müssen ehrlich sagen, die Landeskompetenzen sind begrenzt. Ein großer Teil der Berufsordnungen und Ausbildungsinhalte ist durch Bundesrecht geregelt. Wir wollen keine Versprechen, die am Ende nicht erfüllt werden können. Wir stehen für eine Gesundheitspolitik, die nah an der Praxis, nah an den Menschen und vor allem realistisch umsetzbar ist. Wir hätten uns gewünscht, dass der Antrag konkreter aufzeigt, wie vorhandene Strukturen gestärkt werden können, bevor neue geschaffen werden. Wir hätten uns gewünscht, dass kommunale Netzwerke und wohnortnahe Versorgung und nicht verwaltungsintensive Landesprojekte im Mittelpunkt stehen. Deshalb möchte ich zusammenfassen, ja, wir sehen den Bedarf an geschlechtersensibler Medizin. Ja, wir teilen viele der Ziele. Wir sollten mehr tun im Bereich Endometriose und Lipödem, konzentriert und nachhaltig, aber wir sehen auch offene Fragen bei Umsetzung, Zuständigkeit, Kosten und Wirksamkeit, die wir definitiv noch diskutieren sollten. Einer Ausschussüberweisung würden wir zustimmen. In der Form werden wir uns bei diesem Antrag allerdings enthalten. Vielen Dank. (Beifall der Gruppe FREIE WÄHLER)

Protokoll ↗