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Lisett Stuppy

GRÜNE 11.12.2025 Sitzungen 18/99

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Frauengesundheit und geschlechtersensible Medizin retten Leben, und zwar die der Frauen, retten Mütter und ihre Neugeborene, und Frauengesundheit steht auch für die Themen Kinderwunsch, Selbstbestimmung, Resilienz und Leben ohne Schmerzen. Jahrzehntelang wurden Genderaspekte in medizinischer Forschung und Praxis vernachlässigt. Das muss sich auf jeden Fall ändern. Was ist das Problem? Medizinische Studien werden nach wie vor vorwiegend an Männern durchgeführt, weil diese keinen so großen hormonellen Schwankungen unterliegen wie wir Frauen. Genau diese Untersuchungen wären aber essenziell für die medizinische Versorgung der Frauen. Die meisten Dosierungen und Medikamente sind auf einen 80 kg schweren Mann abgestimmt, Größe, Gewicht, Statur, Hormone. Die Medikamente sind also männlich getestet und erforscht. Frauen verarbeiten Schmerzen und Schmerzmittel ganz anders. Stärkere Nebenwirkungen werden erzeugt. Studien sagen sogar, dass Frauen durchschnittlich ein fast doppelt so hohes Risiko für eine schwere Nebenwirkung zeigen können. Das ist nur ein Beispiel für die Notwendigkeit einer geschlechtersensiblen Medizin, eine ganz klare Benachteiligung für uns Frauen und weit weg von Gleichstellung. Genau das führt zum Gender-Data-Gap. Das Wissen über Krankheiten, die vor allem Frauen betreffen, wie Endometriose, ist um ein Vielfaches geringer als bei Krankheiten, an denen Männer leiden. Diagnosen von Krankheiten sind weitestgehend am männlichen Körper orientiert, weshalb Frauen oft später oder falsch diagnostiziert werden. Frauengesundheit spielt vor allem rund um die Geburt von Kindern eine Rolle. In der Geburtshilfe geht es insbesondere um das Wohl der Mütter und ihrer Kinder. Hier erleben wir nach dem Inkrafttreten des Hebammenhilfe-Vertrags eine akute Krise, die die Gesundheit von Frauen und Kindern bedroht. Das ist umso bedenklicher, wenn der amtierende Bundeskanzler nicht einmal von dem Problem gehört hat. Hätte er an dieser Stelle doch mal die Töchter gefragt. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Ich finde es super, dass sich die CDU Rheinland-Pfalz des Themas annimmt. Vielen Dank. Davon sollte sich der Bundeskanzler definitiv eine Scheibe abschneiden. Es gibt viele verschiedene Felder und Einsatzgebiete der Gendermedizin. Deshalb freut es mich besonders, dass ich das noch einmal betonen kann: In diesem Jahr haben die Frauen- und Gleichstellungsministerinnen und -minister auf Bundesebene zusammen mit den Gesundheitsministerinnen und -minister einen Beschluss unter dem Titel „Geschlechtersensible Gesundheitsversorgung“ verabschiedet. Darin wird gefordert, Verordnungen und Ausbildungsinhalte um die Aspekte der gendersensiblen Medizin zu erweitern – eine wirklich wichtige Notwendigkeit. Hier möchte ich erwähnen, Frauenministerin Katharina Binz hat sich maßgeblich beteiligt und das unterstützt. Das Ministerium hat bereits 2022, 2023 und 2024 eine Veranstaltungsreihe zu den Themen durchgeführt; Schwerpunkte waren zum Beispiel Frauengesundheit in der Corona-Pandemie, reproduktive und sexuelle Gesundheit oder Endometriose – das Chamäleon der Gynäkologie. Bei vielen Forderungen im Antrag der CDU tut sich bereits etwas. Wir sind aber noch lange nicht am Ziel. Das sage ich ganz bewusst als frauenpolitische Sprecherin. Frauengesundheit braucht eine starke Aufmerksamkeit. Die geben wir ihr. Das machen wir in Rheinland-Pfalz. Vielen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP)

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