Karina Wächter
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Der Wissenschaftsjournalist E. C. Hayden hat es einmal auf den Punkt gebracht: „Der typische Schmerzpatient ist über 55 Jahre alt und weiblich. Das typische Forschungsobjekt in der Pharmazie ist jedoch eine acht Wochen alte Maus.“ Dieses Zitat ist überspitzt, beschreibt aber genau das Problem, das wir heute thematisieren möchten. Es geht um die Förderung einer geschlechtersensiblen Medizin und eine bessere Versorgung der Frauengesundheit. Natürlich gibt es nachvollziehbare Gründe dafür, dass bisher vor allem Männer als Forschungsobjekte in der Medizin bevorzugt wurden. Wir müssen aber feststellen, trotz des medizinischen Fortschritts läuft vieles immer noch nach dem Prinzip „One size fits all“, und dabei gilt oft der männliche Körper als Maßstab. (Beifall bei der CDU) Genau das führt dazu, dass Frauen in der Gesundheitsversorgung häufig benachteiligt werden; denn die Realität ist faktisch eine andere. Es gibt zahlreiche gesundheitliche Besonderheiten, die nur oder überwiegend Frauen betreffen, beispielsweise Wechseljahre, Endometriose, Lipödem oder Gebärmutterkrebserkrankungen. Wenn zu diesen Themen nicht gezielt geforscht wird, kommt es zu Fehldiagnosen, verzögerten Diagnosen und falschen Behandlungen, die wiederum unnötige Kosten und Krankheitsausfälle verursachen. Das gilt übrigens auch für Männer, zum Beispiel bei Prostatakrebs oder gynäkologischen Tumoren. Auch bei Erkrankungen, die beide Geschlechter betreffen, zeigen sich aber teils deutlich unterschiedliche Symptome, und zwar oft bei Frauen, beispielsweise bei Essstörungen, Demenz oder Autoimmunerkrankungen. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Herzinfarkt. Bei Männern treten meist klassische Brustschmerzen auf. Frauen klagen dagegen häufiger über Übelkeit, Rückenschmerzen oder Atemnot. Wenn man das Wissen darüber hat, ist es kein Problem. Wenn man das aber regelmäßig nicht beachtet und es in der Breite nicht bekannt ist, führt das dazu, dass Herzinfarkte bei Frauen oft spät erkannt und schlechter behandelt werden und Frauen häufiger an Herzinfarkten versterben. Das ist nicht nur ein medizinisches Problem, das ist ein Gerechtigkeitsproblem. Frauen leiden dreimal häufiger unter Nebenwirkungen von Medikamenten, weil Dosierungen nicht auf ihren Körper abgestimmt sind. Auch Symptome werden oft falsch gedeutet oder übersehen. Das führt zu Fehldiagnosen, längeren Krankheitszeiten und letztlich einem Vertrauensverlust in unser Gesundheitssystem. Genau das darf nicht so bleiben. Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das die Realität aller Menschen abbildet. Dazu gehört, dass Frauengesundheit richtig anerkannt wird, übrigens auch in Abrechnungssystemen. (Beifall der CDU) Oft werden Symptome, Therapien in den Wechseljahren oder andere frauenspezifische Erkrankungen mangels Abrechnungsziffern behelfsweise als psychische Probleme deklariert, was nicht zuletzt dazu führt, dass damit stigmatisiert wird. Für uns als CDU-Fraktion ist daher klar, wir fordern die verbindliche Verankerung geschlechtersensibler Medizin in Ausbildung und Studium, mehr geschlechtersensible Forschung und bessere Vernetzung bestehender Strukturen, eine stärkere Berücksichtigung frauenspezifischer Erkrankungen im Gesundheitssystem, auch finanziell, und eine verstärkte Sensibilisierung und Präventionsarbeit. Unser Anliegen ist klar, wir wollen die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern. Geschlechtersensible Medizin rettet Leben. Sie sorgt für ein Gesundheitssystem, das effizienter, menschlicher und damit gerechter ist. Ich bitte um Ihre Zustimmung; denn geschlechtersensible Medizin ist kein Niceto-have, sie ist eine Notwendigkeit. (Beifall der CDU)
