Sven Teuber
Ich war noch in Trance. – Sehr geehrter Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Datengestützte Schulentwicklung – – – Ich muss tatsächlich überlegen, in welchen Bereichen wir jetzt anfangen, um ein bisschen Aufklärung zu leisten. Erstens: Datengestützte Schulentwicklung hat das Ziel, in den Bereichen, in denen es notwendig ist, Kernkompetenzorientierung zu ermöglichen, die individuelle Förderung zu unterstützen und dann die Kernkompetenzen weiter ausbilden zu können. Daher werden natürlich so wenige Daten wie nötig gesammelt, um so viele Aussagen wie möglich daraus abzuleiten. Heute gibt es mindestens ein Ihnen bekanntes Mittel dazu. Das nennt sich VERA. Das findet in der 3. Klasse und in der 8. Klasse statt. In der 3. Klasse und der 8. Klasse werden Vergleichsarbeiten geschrieben. Die werden dann ausgewertet und im besten Fall, wie bei dem Klassenlehrer meiner Tochter, genutzt, um an einem Elternabend und auch mit den Schülerinnen und Schülern zu besprechen: Kompetenzbereiche sind in unserer Klasse so und so ausgebildet; im Verhältnis zu den anderen Schulen ist das so und so; wir haben das Ziel, dort und dorthin zu kommen, um Kompetenzen auszubauen. Das ist heute schon das Ziel von VERA. So wollen wir das im Lesen, Schreiben und Rechnen strukturiert Jahr für Jahr immer wieder miteinander halten. Warum? Weil wir dann Ziele vergeben können. Wenn wir in Zielorientierung arbeiten, können wir auch Maßnahmen hinter die Ziele setzen. Wenn ich sehe, dass das Ziel verfehlt wird, oder wenn ich erkenne, ich bin nicht auf dem Dampfer, dass ich das Ziel erreichen kann, um Kompetenzen auszubauen, dann brauche ich folgende Maßnahmen, die mir an die Hand gegeben werden. Damit unterstützen wir also einen Unterricht, der viel zielorientierter, kompetenzorientierter und kindorientierter sein kann, weil ich die sehr Guten noch besser mache, die Guten sehr gut mache und noch viel mehr Möglichkeiten habe, die Kompetenzentwicklung abzubilden. Das ist das Ziel. Deswegen haben die Fraktion einen Antrag eingebracht, der genau dieses Ziel unterstützt; denn er wird dazu beitragen, dass nicht nur Kanada oder auch andere Länder, die das sehr erfolgreich machen, alleine bleiben, sondern auch Rheinland-Pfalz sich auf diesen erfolgreichen Weg begibt, damit wir Lehrerinnen und Lehrer entlasten, Schülerinnen und Schülern ein transparentes Bild geben und Eltern einbinden, dieses Bild immer wieder mitzuvollziehen und mit unterstützend entwickeln zu können. Wir können hier nicht immer nur stehen bleiben und sagen, „Die Kompetenzbereiche sind nicht gut genug; die können das nicht, und die können das nicht“, aber nie eine Maßnahme einleiten. Wenn ich Ihnen jetzt gerade zugehört habe, Frau Groß, dann bleibt die Überschrift „Die CDU-Fraktion in Rheinland-Pfalz hat nichts mit Bundesbildungsministerin Karin Prien zu tun“; (Zuruf der Abg. Jennifer Groß, CDU) denn Karin Prien und alle Bundesländer, alle Kultusminister dieser Bundesrepublik haben sich genau auf diesen Weg schon verständigt. Wo hier der eine Sozialismus erwartet, ist auf der anderen Seite dieser Medaille Karin Prien zu sehen. Die Sozialistin Karin Prien hat in diesem Sinne also vorgeschlagen, dass wir in eine datengestützte Schulentwicklung investieren, damit wir nicht mehr im Nebel stochern, sondern damit wir Kompetenzbereiche, die wir immer wieder beklagenswerterweise nicht erreichen, wirklich mal zielorientiert erreichen können. Heute ist es so, dass Sie sich mit Freude auf jede IQB-Bildungsstudie wälzen und sagen: Mensch, die können das immer noch nicht. Mann, seid Ihr doof. – In diesem Zusammenhang muss man ganz klar sagen, datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung erleichtert uns allen, Ziele auszugeben, Ziele miteinander zu verständigen und dann in einem Zieldialog zu schauen: Wie kann ich meine Schülerinnen und Schüler zu diesem Ziel bringen, um zu fördern, zu fordern und Leistungen zu ermöglichen, und es nicht von der Herkunft oder sonstigen Dingen sozusagen abhängig machen? (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Das ist im Endeffekt etwas, wo wir aber mit VERA 3 und VERA 8 schon auf dem Weg sind, aber noch längst nicht dort, wo wir hin müssen. Wir könnten noch StarS nennen. Ich könnte Ihnen noch viele andere Module nennen. Ich sage Ihnen, Sie müssen nicht immer nur schauen, wer so gut ist, sondern dann auch sagen „Was machen die, um so gut zu sein?“. Da sagen wir, wir brauchen diese Elemente datengestützter Unterrichts- und Schulentwicklung, weil sie den Druck herausnehmen und Beziehungs- und Bindungsarbeit für Lehrerinnen und Lehrer ermöglichen. Da liegt zu viel Druck bei Lehrerinnen und Lehrern, die das nicht noch zusätzlich machen, sondern wir müssen sagen: Was kommt dafür weg? Das ist der nächste Prozess. Wir müssen den Mut haben zu sagen: Wir entschlacken an einigen Stellen. Wir machen dafür eine datengestützte Unterrichtsentwicklung. Wir geben Euch Maßnahmen, die helfen, diese Ziele zu erreichen, und dann können wir in Kompetenzbereichen nachweislich zielorientiert wissenschaftlich fundiert arbeiten. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP) In dem Zusammenhang vielleicht noch ein Satz, Frau Groß, weil Sie hier so gegen Statistiken gewettert haben. (Staatsminister Sven Teuber hält Unterlagen hoch) Das ist Ihre Auswahl an Kleinen Anfragen nur von heute. Das heißt, wenn es nach Ihnen geht, dass wir angeblich keine Daten und Statistiken sammeln sollen, dann hören Sie doch vielleicht auf, jedes Mal dieselben Kleinen Anfragen zu stellen und jedes Mal alle fünf Tage neue einzureichen. Wenn Sie nicht wollen, dass man Statistiken aufbläht, dürfen Sie nicht laufend nach Zahlen fragen, die mühsam in Schulen erhoben werden müssen, weil wir sie nicht zentral erheben – genau aus dem Grund, weil wir keine Statistiken einfach nur aufblähen wollen, (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP sowie des Abg. Stephan Wefelscheid, FREIE WÄHLER) sondern weil wir zielorientiert sind und nicht Arbeitsbelastung brauchen, nur um Ihre Selbstbeschäftigung oder ein Fleißbienchen zu haben. (Staatsminister Sven Teuber hält die Unterlagen erneut hoch) Diese bekommen Sie dann zurück, aber Statistiken werden wir trotzdem zielorientiert brauchen, und nicht, um an einigen immer noch weiteren Stellen immer dieselbe Frage neu stellen zu müssen. Ich freue mich und danke für den Antrag. Wir sind auf dem Weg, den Karin Prien, den unsere Bundesministerin und Kollegin sozusagen mit begonnen hat und den wir gemeinsam mitgehen wollen, und wir wollen Rheinland-Pfalz an die Spitze der Bewegung stellen und nicht ans Ende. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
