landtag-rlp.de ↗

Hendrik Hering

13.11.2025 Sitzungen 18/97

Jetzt spricht Abgeordneter Schwab für die Gruppe FREIE WÄHLER. Abg. Helge Schwab, Gruppe FREIE WÄHLER: Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen. Liebe Ampelfraktion, ja, beim ersten Durchlesen Ihres Antrags habe ich mir gedacht, das hört sich alles richtig gut an. (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Natürlich wollen auch wir FREIE WÄHLER eine Verbesserung und eine moderne Anpassung unseres Bildungssystems. Als ich dann Ihre Ausführungen und Forderungen im Detail durchgegangen bin, habe ich mich gefragt: Was sollen unsere Lehrer noch alles leisten? Wir können in der Theorie viel über Digitalisierung, Transformation und Standardisierung sprechen, doch zeigt die Praxis, dass der Alltag sehr oft vom Prinzip der Improvisation geprägt ist. Vielleicht sollten wir mehr Landeskunde unterrichten, gerne auch in der Erwachsenenbildung. Wer Deutschland bei 236 Einwohnern/km² mit Ländern wie Finnland bei 1 8 und Kanada bei gerade einmal vier Einwohnern vergleicht, hat grundsätzlich wichtige Dinge nicht verinnerlicht. Dort gibt es ganz andere Voraussetzungen. Wir müssen uns dagegen mit den Folgen eines aus mancher Sicht ganz gezielt betriebenen Umbaus der Gesellschaft und dessen nachteiligen Auswirkungen auseinandersetzen, dessen Folgen in der Konsequenz tief in unsere Schulen hineinwirken. Es ist schon abenteuerlich zu denken, die bisher erkannten nachteiligen Folgen über mehr Digitalisierung und mehr Kontrolle bewältigen zu können. Wir brauchen mehr Lehrer, und wir brauchen ein höheres Leistungsniveau. Wir müssen fördern und fordern, nicht gleichschalten und Niveau senken. Ihr Antrag trägt den Geist, Schülern den Druck zu nehmen und stattdessen den Druck auf Lehrerinnen und Lehrer zu erhöhen. Wie sich das wohl auf Motivation und Krankenstände auswirken wird? Die Umsetzung von hehren Zielen scheitert in vielen Bereichen oft am fehlenden Praxisbezug. Bevor wir an die Detailarbeit gehen, müssen wir unseren Pädagoginnen und Pädagogen durchgängig gleiche und leicht anwendbare Standards zur Verfügung stellen. Es kann nicht sein, dass unsere Lehrerinnen und Lehrer zu Erfüllungsgehilfen von Digitalisierungsexperten werden. Sie brauchen die Zeit in ihrem Arbeitszimmer für ihre Nach- und Vorbereitungen auf den nächsten Unterrichtstag und nicht zur Erfüllung zusätzlicher Dokumentationspflichten. Blumige Worte wie „individuelle Förderung“, „Bildungsgerechtigkeit“ und „Feedbackkultur“ lassen Schlimmes befürchten. Als ich dann noch Begriffe wie „Wahl der Lern- und Prüfungsformate“ und „Klausurersatzleistungen“ gelesen habe, war ich wirklich endgültig raus. Ihre wirklich sozialistische Idee: individuelle Förderung durch Senkung des Standards. Eine weitere Senkung des Leistungsniveaus ist mit uns FREIEN WÄHLERN definitiv nicht zu machen. Für alle, die zu dieser Zeit noch im Urlaub waren, empfehle ich, den IW-Bildungsmonitor vom 23. August 2025 nachzulesen. Bilden Sie sich wirklich ein, Sie könnten alle Probleme durch Einrichtung einer Insel der Glückseligkeit der Digitalisierung lösen? Fakt ist doch, dass immer weniger Schülerinnen und Schüler der deutschen Sprache mächtig sind und im Schnitt weniger lesen, schreiben und rechnen können. Kümmern Sie sich erst einmal darum, bevor Sie abgehobene Anträge wie diesen auf den Weg bringen. Selbstverständlich lehnen wir diesen Antrag ab, auch wenn Sie diesen mit Ihrer Hausmacht durchsetzen werden. Vielen Dank. (Beifall der Gruppe FREIE WÄHLER)

Protokoll ↗