Stefan Thoma
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren! Manchmal ist es schwer erträglich, Vorrednern zuzuhören, weil man gar nicht weiß, wo man anfangen sollte, das zu kritisieren oder überhaupt zurechtzurücken. Deswegen lassen wir das jetzt an der Stelle. (Abg. Joachim Paul, AfD: Das müssen Sie ja nicht mehr lange!) – Ich hoffe auch, dass die Zwischenrufe unterbleiben. Die stören nur. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Wir sollten über die Sache reden. Darüber müssen wir sprechen. Ich habe heute Morgen übrigens schon einmal an der passenden Stelle die passenden Dinge gesagt. Es geht darum, dass wir ein leistungsfähiges Schulsystem schaffen. Dieses leistungsfähige Schulsystem muss sich entsprechend bewerten lassen. Wenn wir Leistungen bewerten – das können wir ganz einfach an der Notengebung festmachen –, dann gibt es in der Regel drei Standardkriterien, nach denen bewertet wird. Es gibt eine individuelle, eine absolute und eine sozial vergleichbare Komponente. Wenn wir die individuelle Entwicklung an einer Schule sehen, also zum Beispiel wie Leistung gemessen wird, können wir sehen, wie sich das innerhalb der Schulgemeinschaft entwickelt. Wir können das im Absoluten sehen: Wie hoch ist der Anteil von richtigen Antworten auf Fragen, die gestellt werden? Die soziale Komponente aber, das, was wir vielleicht innerhalb einer Klassenarbeit einfach mit einem Notenspiegel darstellen können, ist bei einer gesamten Schule relativ schwierig, weil wir nur unter den Klassen direkt vergleichen können, aber oft nicht mit Nachbarschaftsschulen, mit Schulen im Ausland oder einfach im anderen Bundesland, damit wir sinnvoll beurteilen können und nicht einfach so Pi mal Daumen oder aus dem Bauch heraus sagen, was eigentlich erfolgreich ist oder was nicht. (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Wenn wir vernünftig arbeiten wollen und wenn wir nicht herumraten wollen, was erfolgreich ist und was nicht erfolgreich ist, brauchen wir konkrete Daten, die funktionieren. Dazu braucht es beispielsweise Vergleichsarbeiten. Dafür braucht man die Möglichkeit, zu vergleichen: Was ist erfolgreich an der einen Schule, was ist erfolgreich an der anderen? Wir brauchen die freie Entscheidung der Schulen und der Lehrkräfte, die etwas ausprobieren, die didaktisch sinnvoll überlegte Dinge machen. Man muss aber am Ende auch schauen: Was davon war denn nun richtig? Was davon war jetzt erfolgreich? Ja, dazu muss man sich den Vergleich dann gefallen lassen, wenn man etwas macht, was leider nicht so erfolgreich war, dass man dann selbstr eflektiert sagen kann: Wir schauen mal an die Nachbarschule, an der es besser läuft. Was machen die denn besser? Dafür brauche ich aber ganz konkrete Daten. Diese Daten schaffe ich durch Vergleichsarbeiten. Ich schaffe sie dadurch, dass ich mir anschaue, wie sich die Schülerschaft entwickelt, und dann kann ich daraus Schlüsse ziehen. Wir haben aber auch andere Daten, die wir sinnvoll nutzen können. Wir haben eben schon einmal das Thema Schüler-ID gehört. Die Schüler-ID ist aus unserer Sicht sogar noch ein Schritt zu wenig. Wir könnten sogar noch weitergehen in eine Bildungs-ID. Das könnte man nicht nur auf die Schulzeit, sondern am besten auf das ganze Leben ausdehnen. Wenn wir sagen, wir machen alles, was den Schüler betrifft: Zum Beispiel stellen wir fest, jemand hat Förderbedarf. Das machen wir im Kindergarten. Momentan ist es so, dann gehen wir in die Grundschule und müssen das noch einmal feststellen. Dann gehen wir in die weiterführende Schule und müssen es noch mal feststellen. Es kostet Zeit, statt in dieser Zeit zu fördern. Einmal festgestellt und natürlich mit Zustimmung der Eltern, da werden keine Daten einfach so weitergegeben; das muss natürlich mit Zustimmung der Eltern passieren. Dann kann man aber konsequent weiterarbeiten, und zwar so, dass man keine Zeit verliert. Wenn man Erfolge hat – stellen wir uns mal vor, man macht Weiter- und Ausbildungen später –, dann haben wir die Möglichkeit, das fest einzuplanen. Das kann ich dann ganz einfach abrufen. Wir haben eine Entbürokratisierung ganz pragmatisch an der Stelle und lagern nicht mehr 40, 50, 60 Jahre lang alte Akten im Keller, weil wir alles digital haben. Wenn wir dahinkommen, vernünftig zu arbeiten, das Ganze entsprechend zu vereinfachen, dann spart uns das Zeit und Geld an der Stelle. Es erspart uns Bürokratie, und wir sind vor allem dazu in der Lage, das effektiv zu nutzen. Wir haben auch jetzt schon einen Teil datenbasierte Analyse, wenn wir zum Beispiel daran denken, welche Schulen wir mit dem Startchancen-Programm unterstützen. Da schauen wir auch darauf: Wo gibt es bestimmte Einflussfaktoren, die mehr Unterstützung brauchen? Dafür brauche ich Daten. Das kann ich mir nicht irgendwo aus der Nase ziehen. Deswegen ist es wichtig, dass wir diesen Kurs fortsetzen und in ein leistungsstarkes System kommen. Wir müssen vergleichen. Wir müssen uns selbst bewerten, und wir müssen uns diesen Vergleich gefallen lassen – für ein leistungsstarkes und ein leistungsbereites System, wo wir hinwollen. Dann können wir darüber diskutieren, was wir heute Morgen hatten, nämlich über die Frage, wie wir unser Schulsystem leistungsfähiger machen. Vielen Dank. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
