Sven Teuber
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Jedes Kind will Erfolg haben. Jedes Kind will lernen. Jedes Kind hat von Beginn an Neugierde, um die Welt zu entdecken und die Welt mitzugestalten. Unsere Aufgabe ist es, die Möglichkeiten tatsächlich auch für alle Kinder gleich zu schaffen, damit es eben zu 0 % auf Herkunft ankommt. Es darf überhaupt nicht um Herkunft gehen. Es muss darum gehen, dass jedes Kind tatsächlich gleichermaßen die Möglichkeiten bekommt, um zum Erfolg zu kommen. In dem Zusammenhang ist es tatsächlich so, dass wir eine stärkenorientierte frühkindliche Bildung brauchen, die sich die ganzheitliche Entwicklung jedes Kindes anschaut, um dort Startnachteile auszugleichen, wo diese für Kompetenzentwicklungen am Anfang negativ sind. (Vizepräsident Matthias Lammert übernimmt den Vorsitz) Wir brauchen also einen Ansatz, der tatsächlich ganzheitliche Betrachtung von Kindern bedeutet. Es hilft meistens nicht – das haben der Kollege Thoma oder der Kollege Maier unter anderem schon dargestellt –, ein pauschales System für alle zu machen, sondern sich individuell mit den Bedürfnissen der Kinder auseinanderzusetzen. In diesem Sinne ist es so, dass in unserem Weg, den wir beschreiten, eine höhere Verbindlichkeit gegeben ist. Herr Kollege Schwab, es ist nicht so, dass wir Eltern verpflichten wollen, ihr Kind schon mit fünf in eine Vorschule oder wie auch immer zu schicken. Diese Wahlfreiheit und diese Verantwortung sind verfassungsrechtlich bei Eltern festgelegt. Das ist auch gut so. Wir wollen Eltern eben nicht in ihrer Verantwortung beschränken. (Beifall des Abg. Michael Frisch, fraktionslos) Im Gegenteil, wir brauchen die Verantwortung der Eltern, um sich tatsächlich mit dem zu identifizieren, was sie auch von sich aus unbedingt wollen, nämlich den gemeinsamen Erfolg des Kindes und eine gute Entwicklung des Kindes. Nehmen wir diese Verantwortung bei Eltern weg, werden wir nicht dazu beitragen, dass eine ganzheitliche Betrachtung erleichtert wird. In diesem Sinne haben wir uns als Landesregierung mit dem Parlament auf den Weg gemacht und die Sprachstandserhebung vorgezogen. Herr Kollege Köbler hat das unter anderem dargestellt. Künftig findet für alle Kinder mit viereinhalb Jahren bei der Schulanmeldung auch die Sprachstandserhebung statt. Wir brauchen dort jedes Kind, nicht, um nur zu zeigen: Was kannst du nicht?, sondern auch, um die Starken noch weiter zu fördern und noch stärker zu machen. Wir gehen immer sehr stark von Defizitorientierung aus. Lassen Sie uns doch einmal schauen, wo die Stärken des Kindes sind, und in dem Sinne die ganzheitliche Entwicklung anschauen. Schauen wir uns diese Dinge an, dann werden wir in allen Bereichen weitere Entwicklungen, Kompetenzentwicklungen schon in der frühkindlichen Bildung alltagsintegriert erreichen. Dieses kombiniert mit dem besseren Übergang von Kita in Grundschule mit Maßnahmen wie „FirstClass“, bei der – um das zu erklären – eine Grundschule nicht nur Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer, sondern auch aus dem erzieherischen Bereich Unterstützung hat, um in dem Zusammenhang die Übergänge dort, wo Kinder mit größeren Nachteilen in Häufigkeit auftreten, erleichtern bzw. diese Anzahl reduzieren zu können, um im Endeffekt die Startrampen zu verlängern, damit man genügend Wind unter die Flügel bekommt, um wirklich fliegen zu können. Jedes Kind möchte fliegen. Ich kenne kein Kind, das nicht stolz ist, einem Vater, Großvater, Onkel oder einer Tante zeigen zu können, was es kann, sei es, nur im kleinsten Kindesalter schon ein kleines Bild zu malen oder etwas zu bauen. Der Stolz in den Kinderaugen ist doch unsere Motivation. Wir müssen die Kinder in ihrem Alter, aber auch in der Entwicklung wahrnehmen und nicht sagen: Ihr müsst heute schon am Ende eurer Entwicklung sein, wir wollen aus euch kleine Erwachsene machen. Nein, wir brauchen eine alltagsintegrierte, entwicklungspsychologisch angepasste, ganzheitlich stärkenorientierte frühkindliche Bildung. Dafür haben wir mit der Fachkräftekampagne so viele pädagogische Fachkräfte wie nie zuvor in unseren Kitas. Rund 40.000 pädagogische Fachkräfte arbeiten in unseren Kitas. Wir alle danken ihnen sehr, weil diese Arbeit durch die Heterogenität nicht leichter geworden ist. Die Herausforderung, Sprachbildung zu machen, ist nicht leichter geworden. Deswegen arbeiten wir gezielt nach, haben aber nicht den Anspruch, Eltern aus ihrer Verantwortung und Verpflichtung herauszulassen, sondern sie einzubinden, viel stärker in die Kita zu holen, viel stärker mit Eltern, Kind und Erzieherinnen und Erziehern diese Bildungspartnerschaft im Sinne der ganzheitlichen Entwicklung des Kindes zu leben. Ich will abschließend sagen, auf diesem Weg sehe ich diesen Antrag auch. Ich sehe das Bemühen um dieses gemeinsame Ziel. Ich will aber auch sagen, dass wir gemeinsam tatsächlich auf dem richtigen Weg sind. Wir haben alle Pflöcke eingeschlagen, und wir werden diese Wege miteinander gehen. Wir werden das Zutrauen haben in Kinder, Erzieherinnen, Erzieher und in alles, was uns Wissenschaft – heute noch in der F.A.Z. von Petra Stanat unter anderem nachzulesen – immer wieder empfiehlt: alltagsintegriert gezielte Sprachstands- oder auch Kompetenzerhebungen, gezielte individuelle Förderung. Lassen Sie uns diesen weiteren Weg gehen und nicht neue Maßnahmen über neue Maßnahmen machen, sondern auch einmal konsequent am Ball bleiben und damit weiter investieren. Schön, dass Sie und damit auch der Haushaltsgesetzgeber diesen Weg immer wieder unterstützen. Wir werden dranbleiben und danken allen, die sich täglich um Kinder ganzheitlich im stärkenorientierten Aufwachsen kümmern. Danke schön. (Beifall bei der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP)
