Stefan Thoma
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Das Fundament von Bildung und einer Bildungskarriere ist die frühkindliche Bildung. Der Kern dieses Fundaments ist die sichere Beherrschung der deutschen Sprache, wenn man ins Schulalter kommt. Deswegen ist die Grundintention dessen, was die FREIEN WÄHLER vorschlagen, durchaus in die richtige Richtung gerichtet. Aber die Frage ist doch: Wie will man dann damit umgehen? Kollege Schwab hat eben rhetorisch gefragt: Hat man denn da noch andere Möglichkeiten? Ja, einen ganzen Haufen anderer Möglichkeiten. Das ist genau der Punkt. Die Vorschule ist somit der schlechteste Vorschlag, der noch übrigblieb. Familien und Kinder sind total unterschiedlich und haben unterschiedliche Bedürfnisse. Gerade in diesem Alter sind die noch sehr wichtig zu beachten. Da kann man noch nicht alles in eine Form quetschen und hoffen, dass das schon so für alle funktioniert. Wir haben verschiedenste Formen der frühkindlichen Betreuung, und diese Betreuung ist gleichzeitig auch immer eine sprachliche Bildung, dadurch, dass man mit anderen Kindern, mit Erwachsenen sozial interagiert. Dadurch, dass Sprache stattfindet, entwickelt sich Sprache auch. Gerade in dem Alter entwickelt sich Sprache vor allem spielerisch und im alltäglichen Kommunizieren, nicht durch klassischen Deutschunterricht, wie das später in der Schule stattfindet, wenn wir über grammatische Sonderformen und Ähnliches reden. Wenn wir schauen, welche Bedürfnisse bei Familien und Kindern bestehen, dann brauchen wir keine feste staatliche Form, die zu einem festen Zeitpunkt für alle in gleichem Maß stattfindet, sondern möglichst viel individuelle Lösungen. (Beifall des Abg. Michael Frisch, fraktionslos) Wir haben zum Glück in Rheinland-Pfalz ein gutes Kindergartensystem mit dem Anspruch auf Kindergartenplätze. Wir haben gute Erzieherinnen und Erzieher, die in der Lage sind, die Kinder bestens vorzubereiten, soweit man ihnen die Möglichkeiten dazu lässt. (Beifall bei der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 9 0/DIE GRÜNEN) Der Kindergarten ist aber nicht für jede Familie in jeder Situation immer die allerbeste Lösung, sondern manchmal braucht man Betreuungsstunden davor oder danach. Manche Kinder schaffen es in der größeren Gruppe nicht so gut, die brauchen eher eine kleinere Gruppe. Das kann der Staat in der Form nicht alles leisten. Es ist toll, dass wir das Angebot des Kindergartens haben, des staatlichen Kindergartens, aber wir haben zum Glück auch Alternativen mit freien Trägern, die verschiedene Konzepte anbieten, mit beispielsweise Betriebskindergärten, wo Eltern ihre Kinder genau dann, wenn sie arbeiten, in die Betreuung, aber eben auch in die entsprechende soziale Integration geben können. Es gibt die Kindertagespflege, wo man individuell Betreuungsverhältnisse organisieren kann, wo es möglich ist, dass Kinder zum Beispiel in sehr kleinen Gruppen aufgehoben sind, oder wenn sie Probleme mit Bindungsverlusten haben, kann man das dort anders regeln. Das heißt, wir haben ganz viele Möglichkeiten, die allesamt verhindert werden würden, wenn wir eine verpflichtende Vorschule einführen. Dann quetschen wir alle in denselben Raum. Wir haben eben schon etwas über die Kosten gehört, extreme Kosten, auch über Fachpersonal haben wir schon etwas gehört. Das Fachpersonal wächst nicht auf Bäumen. Es ist schon schwer genug, überhaupt die jetzigen Betriebe und jetzigen Kindergärten am Leben zu erhalten, was das Fachpersonal angeht. Das Ganze noch aufzustocken, sowohl finanziell als auch personell, ist faktisch unmöglich. Das, was wir an Potenzial haben, nämlich dass es Alternativen dazu aus der freien Trägerschaft, aus der Kindertagespflege gibt, das Potenzial heben wir hier nicht, sondern wir würden es alles noch viel schlimmer machen, wenn wir diese verpflichtende Vorschule einrichten. Die bessere Alternative ist auch nicht die Kindergartenvariante, die wir gerade von der AfD gehört haben. Die wäre im Prinzip dasselbe, nur dann am Kindergarten angelagert. Was wir hier ganz dringend brauchen, ist eine Vielfalt des Angebots. Ja, in einem Punkt können wir uns sicherlich einigen, aber da sind wir schon auf einem guten Weg: Wir brauchen frühe Sprachstandserhebungen, und da, wo Defizite sind, muss man dann auch entsprechend fördern. In der Regel sind die Eltern da aber auch sehr kooperativ, dass man entsprechend damit umgeht, wenn man ihnen klar und deutlich zeigt, dass die Kinder noch entsprechenden Bedarf haben. Dass wir diese Angebote zur Verfügung stellen, ist wichtig und richtig. Wir brauchen auch die Angebote, die darüber hinausgehen, die zum Beispiel am Abend für die Spätschicht die Zeit abdecken können, was der normale Kindergarten so nicht einfach abdecken kann. Deswegen: Die Grundidee ist richtig und gut, aber die Lösung ist leider vollkommen daneben. Danke. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
