Sven Teuber
Sehr geehrter Herr Präsident, Kolleginnen und Kollegen! Unsere Schülerinnen und Schüler leisten jeden Tag viel, und dafür müssen Sie auch die beste Unterstützung bekommen, weil Lehrerinnen und Lehrer mit immer heterogeneren Herausforderungen zu kämpfen haben, aber eben auch die Schülerinnen und Schüler diese Heterogenität unserer Welt spüren. In diesem Sinne ist es tatsächlich so, dass wir schauen müssen: Wie können wir diese Heterogenität mit eigenen Rahmenbedingungen unterstützen, um sie bewältigbar zu machen? Gleichzeitig dürfen wir aber auch Leistungen nicht schlechterreden, als sie sind; denn wenn manche – das haben eigentlich nur Sie getan – von Leistungsverfall sprechen, der generell stattfindet, muss man feststellen, wenn das so wäre, hätten wir Bildungsstandards, auf die wir uns verständigt hatten, in Deutschland abgesenkt und tatsächlich andere Messergebnisse. Wir stellen fest, dass unsere Schülerinnen und Schüler teilweise, aus unterschiedlichen Gründen, nicht mehr genügend Kompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen auf einem gewissen Stand haben. Wenn wir das feststellen, heißt es doch, dass wir höhere Anforderungen haben, als die Schülerinnen und Schüler teilweise leisten. Der Vorwurf war aber, dass wir diese Anforderungen herabsetzen. Dann würden diese Ergebnisse aber anders aussehen. Dann würden wir tatsächlich immer wieder Spitzenreiter sein bei den Ergebnissen. Das sind wir nicht. Wir müssen dahin kommen, dass wir Spitzenreiter werden können, indem unsere Schülerinnen und Schüler, und die Lehrerinnen und Lehrer auch, die Unterstützung bekommen, die sie brauchen, um Spitzenleistungen bringen zu können. Wenn wir jetzt sehen, dass die Ergebnisse nicht so sind, dann brauchen wir eben offensichtlich nicht die Methoden von gestern, sondern wir brauchen angepasste Methoden in unserem Instrumenten- und Werkzeugkasten. Dazu gibt es genügend Beispiele, wie das erfolgreich praktiziert werden kann. In dem Zusammenhang orientieren wir uns zum Beispiel an Hamburg, weil dort die Ergebnisse einfach sehr gut sind, wo es übrigens noch nie unangekündigte HÜs gegeben hat. In diesem Zusammenhang ist also diese eine Maßnahme ein so kleiner Schritt. Wenn wir uns miteinander ernst nehmen aus der BildungsmonitorDebatte, dann wird es viel mehr solcher kleiner, größerer Schritte brauchen. Oder ich zitiere aus der RHEINPFALZ: Dieser kleine, scheinbar kleine Schritt ist für kleine Kinder ein riesiger Schritt, um tatsächlich mit mehr Freude in die Schule zu gehen und als Kind tatsächlich auch mit Freude lernen zu können. – Diese Feststellung – das will ich sagen – muss man doch auch machen können. Wir können doch nicht ernsthaft über Kinder immer wie über junge Erwachsene sprechen. Die Barriere für Kinder, die wir überwinden müssen, ist, in ein fremdes System, in die Schule zu gehen und in diesem System Lust zu haben, sich mit anderen auseinanderzusetzen und im Team lösungsorientiert, wie es Kollege Maier gesagt hat, an Problemlösungen zu arbeiten. (Präsident Hendrik Hering übernimmt den Vorsitz) In dem Zusammenhang braucht es dafür – das sagen alle Forscherinnen und Forscher – tatsächlich eine möglichst angst- und druckfreie Situation. Schule alleine wird aber immer Druck haben, weil es um Leistungen gehen wird, und derjenige, der nicht lernt, wird immer schlechter abschneiden als derjenige, der lernt. (Abg. Damian Lohr, AfD: Das stimmt nicht!) In diesem Zusammenhang ist es so, dass wir gemeinsam schauen müssen: Wie kann man dieses Lernen tatsächlich weiter unterstützen? Wir alle brauchen lebenslanges Lernen. Niemand von uns sitzt aktuell in seinem eigentlichen Beruf. Wir sind alle Abgeordnete. Es gibt Ausnahmen, die auch noch nebenher den Beruf ausüben, wenn ich in einige Gesichter schaue. Aber in dem Zusammenhang sind wir aktuell in einem anderen Beruf, und dann kehren wir wieder in einen Beruf zurück oder verändern uns wieder. Wir müssen immer wieder lebenslang dazulernen. Diese Dynamisierung in den Erwerbsbiografien werden Kinder und Jugendliche noch mehr spüren. Wenn wir sie dafür nicht fit machen, und wenn wir immer nur sagen, Ihr müsst noch mehr bringen und Ihr seid nicht gut genug: Druck und Druck und Druck – das habe ich in Physik gelernt – macht kaputt. Irgendwann macht zu viel Druck kaputt. In dem Zusammenhang müssen wir an den Stellen, an denen wir es reduzieren können, Druck reduzieren und an anderen Stellen damit mehr Leistungspotenziale eröffnen. In diesem Sinn sollten wir Schule weiterentwickeln. Wenn wir uns ernst nehmen aus der Debatte zum Bildungsmonitor, sind wir gemeinsam in vielen Analysen eigentlich einer Meinung. Wir müssen dann aber auch den Mut haben, miteinander voranzugehen. Wir können nicht bei jeder kleinen Maßnahme immer wieder zweifeln, ob das oder jenes tatsächlich jetzt auch noch nötig ist. Nein, es braucht viele kleine Räder, um das große Rad zu drehen. In diesem Sinne bin ich dazu bereit, mit Ihnen weitere Maßnahmen zu gehen, die alle aber nicht in dem Antrag der AfD stehen, weil diese zurück- statt vorangehen. Wir haben ein klares Ziel, das wir verfolgen, und wir laden alle dazu ein, an diesen Lösungen mitzuarbeiten. Tatsächlich muss ich den Philologenverband vor Ihnen schützen, weil der sich sicherlich nicht von der AfD instrumentalisieren lassen wollen wird. In diesem Sinne freue ich mich auf weitere Debatten, aber ehrlich gesagt auch auf Mut und Entschlossenheit, auch manches Unbequeme vielleicht einfach einmal zu gehen. Ansonsten können wir uns wohlfeile Debatten über den Bildungsmonitor und das Beklagen von Platz 12 eigentlich sparen. Danke. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP)
