Daniela Schmitt
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist gut, dass wir heute so intensiv über die Landwirtschaft sprechen, (Beifall der Abg. Dr. Bernhard Braun und Pia Schellhammer, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – genau –, nachher auch noch bei einem Glas Wein, beim Parlamentarischen Abend der Landwirtschaft, ich darf an der Stelle auch den Blick nach oben richten. Das ist gut; denn die Themen sind breit, die Herausforderungen sind groß. Deswegen will ich das hier fortsetzen. Wir diskutieren den Agrarbericht 2025 zusammen mit dem Antrag der CDU. Der Bericht zeigt in der Tat, wie sich unsere Agrarstruktur entwickelt hat, wie die Märkte heute dastehen, und welche Herausforderungen in der Tat vor uns liegen. Was den Bericht betrifft, so zeigt er in aller Deutlichkeit den stetigen Wandel, vor dem wir stehen. Ich will aber auch sagen, trotz aller düsteren Prophezeiungen hat sich die Landwirtschaft immer als Ganzes anpassen können. Sie hat sich auch resilient gezeigt. Das macht mich ein Stück weit zuversichtlich. Die letzten Jahre haben aber auch gezeigt, die Landwirtschaft steht vor neuen Aufgaben, wenn wir an das Thema regionale Lebensmittelproduktion, an neue Wetterextreme, stärkere Wetterextreme, aber auch geopolitische Krisen denken, die deutliche Schwankungen auf den Märkten mit Preissteigerungen, mit gestiegenen Kosten verursachen. Es sind wirklich größere Herausforderungen. Das sind die Lehren des Berichts, und darauf brauchen wir Antworten, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 9 0/DIE GRÜNEN) Hinter den Grafiken des Agrarberichts, den vielen, vielen Zahlen und auch wichtigen Beispielen stehen aber Existenzen. Dahinter stehen Menschen, und dahinter stehen nächste Generationen, die sich in der Tat die Frage stellen: Gehe ich in die Hofnachfolge, gehe ich in dieses Risiko? Deswegen – ich will an das, was Marco Weber gesagt hat, anknüpfen –: Landwirtschaft ist kein Beruf, es ist ein Lebensentwurf, es ist eine Haltung. Deswegen – ich will das auch mal sagen – stimmt es mich schon auch sehr nachdenklich, welches düstere Bild manche in diesem Hohen Haus zeichnen, welche katastrophale Lage sie beschreiben. Ich erinnere mich an den Freitag, an dem wir gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer 70 jungen Meisterinnen und Meistern den Brief überreicht haben. Da ist auch das Funkeln in den Augen. Genau dieser Verantwortung sollten wir gerecht werden, den Leuten klarzumachen, wir haben das im Blick, und wir werden alles dafür tun, dass die auch den Weg weiter in die Landwirtschaft gehen. (Beifall bei der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 9 0/DIE GRÜNEN) Landwirtschaft ist unsere Lebensgrundlage – ich will das wirklich noch einmal ganz deutlich sagen –, für unsere Ernährung, aber auch für die Zukunft unserer Kulturlandschaften. Deswegen braucht es Verantwortung. Verantwortung heißt für mich erstens, Verlässlichkeit zu schaffen. Auch das ist etwas, bei dem wir immer wieder mitbekommen, wenn sich die Rahmenbedingungen alle drei, vier, fünf Jahre ändern, dann werden Investitionen zurückgehalten. Deswegen brauchen wir klare Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Zweitens heißt Verantwortung für mich, die Zukunft im Blick zu halten und bei all diesen Veränderungen, die wir heute auch hier thematisieren, entsprechend an die Realitäten angepasst Lösungen zu erarbeiten und daraus Chancen in den Blick zu nehmen, Chancen der Innovation, Chancen der Trends, und hierauf Antworten zu entwickeln. Ich will auch noch einmal betonen, für mich gibt es nichts Nachhaltigeres, als wenn ein junger Mensch in die Betriebsnachfolge in einem landwirtschaftlichen Betrieb geht. Da geht es immer um verantwortungsvolles Arbeiten mit der Natur, mit den Böden, mit den Pflanzen, mit den Kulturen. Deswegen ist es wichtig, dass wir gemeinsam hier gestalten. Wenn ich gestalten sage, dann will ich zwei, drei Punkte herausgreifen. Kollegin Blatzheim-Roegler hat es gesagt, wir nehmen die junge Generation ganz bewusst in den Blick. Mit der Junglandwirteförderung schaut das eine oder andere Bundesland auch neidisch auf Rheinland-Pfalz. Hier haben wir Pionierarbeit geleistet. Das war ein guter Schritt. Danke, dass wir diesen Weg gemeinsam gegangen sind. (Beifall bei der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 9 0/DIE GRÜNEN) Wir setzen uns in Rheinland-Pfalz ganz klar für die Innovation ein: Smart Farming, unser Thema, die GeoBox. Wir hatten letzte Woche einen herausragenden Hackathon dazu. Ich lade dazu ein, sich das einmal anzuschauen. EIP-Projekte, bei denen wirklich auf höchstem Level geforscht wird. Das ist die Landwirtschaft der Zukunft. Wir haben angepasste Pflanzenschutzzulassungsverfahren. Kaliumphosphonat, auch das ist ein Thema, das bei Herrn Rainer auf dem Schreibtisch liegt. Ich erwarte, dass wir da weiter vorankommen, und will mit Blick zu Erwin Manz sagen, wir haben im Obstanbau in Rheinhessen gemeinsam gute Lösungen für die Naturschutzgebiete gefunden. Auch das zeigt, wie wir es gemeinsam machen. Wir haben beim Landesentwicklungsplan 5, der jetzt ansteht, natürlich auch die Landwirtschaft im Blick. Wir schärfen die Risikowerkzeuge, Stichwort Mehrgefahrenversicherung. Die Spätfrostschäden haben wir in den Blick genommen. Das sind nur wenige Beispiele. Ich will aber doch noch einmal auf unsere DLR zu sprechen kommen, auch weil Sie, lieber Herr Zehfuß, den Drahtwurm explizit angesprochen haben. Wir haben die AgroScience nicht aufgelöst, sondern wir entwickeln sie zukunftsstark weiter. Deswegen haben wir auch den Drahtwurm in den Blick genommen und einen Antrag gestellt, DLR Neustadt mit der Uni Regensburg. Dort liegt ein Entwurf einer Vereinbarung zur Zustimmung vor. Es muss nur noch unterzeichnet werden. Ich glaube aber auch, zu suggerieren, dass das eine Kurzfristlösung ist, wäre falsch. Wir erwarten Ergebnisse in fünf bis zehn Jahren. Wir werden hinsichtlich der Probleme durch den Drahtwurm mit einem EIP-Projekt, das wir gemeinsam – DLR Bad Kreuznach mit der TH Bingen – unterstützen, zusätzlich 600.000 Euro in die Forschung stecken. Das zeigt, wir haben das entsprechend im Blick. Bei der AgroScience haben wir gemeinsam mit dem DLR den Bereich Phytomedizin weiterentwickelt und haben hier entsprechende Antworten, aber nicht genug, lieber Herr Zehfuß. Wenn ich an der Stelle noch einmal unsere DLR-Familie – – – (Unruhe des Abg. Johannes Zehfuß, CDU) – Es wäre schön, weil Sie es angesprochen haben, wenn Sie mir einfach zuhören, weil es mir echt ein Anliegen ist. (Zuruf des Abg. Johannes Zehfuß, CDU) Wir können stolz auf die DLR-Familie sein. DLR Mosel: der technologische Fortschritt, wenn ich an den Drohneneinsatz denke. DLR Neustadt: Forschung und Entwicklung Pflanzenschutz, top Ergebnisse. DLR Bad Kreuznach: KI, Hackathon, Friends of Digital Farming. Wir sollten also nicht die Augen vor dem Fortschritt verschließen und auch wissen, genau das ist die Antwort, die wir in der Zukunft brauchen. Dafür kämpfe ich jeden Tag hart, und ich weiß, hier sind viele, die es gemeinsam machen. Deswegen freue ich mich weiter auf die Debatte. Danke schön. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Johannes Zehfuß, CDU)
