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Marco Weber

FDP 10.09.2025 Sitzungen 18/92

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich habe mir in den letzten Minuten ein paar Gedanken gemacht, wie ich mich hier zu dem Thema positioniere. Der eine oder andere hat am Samstag in meinem Status oder in der einen oder anderen Story in den sozialen Netzwerken ein kleines Video gesehen, in dem ich mit dem Traktor am Samstagmorgen unterwegs bin auf dem Acker und gefühlt 150 Störche auf diesem Acker neben mir, neben meinem Traktor, neben dem Güllefass in der aufgehenden Sonne auf dem Feld spaziert sind. Wenn ich die Redebeiträge zusammenfasse, dann sind das Momente, die mich dazu bewegen zu sagen, dass der Landwirt und der Winzer auf den einen oder anderen Euro pfeifen. Ich will mich einmal so ausdrücken: Der Landwirt und der Winzer machen es nicht, weil es Leiden schafft, sondern aus Leidenschaft. Wer glaubt, dass Landwirtschaft nicht am Strukturwandel der letzten 70 Jahre teilnehmen darf, dass sich alle Industriebereiche modernisieren, ihre Produktion verfeinern und Effizienzen akquirieren, und glaubt, dass die Landwirtschaft mit politischen Instrumenten in der Vergangenheit verharrt, verkennt den Antrieb eines Landwirts und eines Menschen, besser zu werden mit den technischen Instrumenten, die der Markt anbietet. Das ist in den letzten 70 Jahren passiert. Von der Mistgabel und der Schubkarre zum Melkroboter, das ist die Entwicklung. Wenn früher fünf Kühe mehr gehalten worden sind, war das körperliche Arbeit. Kleine Ballen mussten gestemmt, und der Mist musste mit der Karre per Hand auf den Acker oder in den Weinberg gefahren werden. Heute sind bei 100 Kühen mehr oder weniger das Hauptproblem die Baugenehmigung und die Finanzierung bei der Bank. Es ist nicht mehr die körperliche Arbeit, das ist es nicht mehr. Ich stelle fest, ich bin mittlerweile betroffen in der Frage der Hofnachfolge. In den letzten Jahren war ich noch nicht betroffen. Ich habe immer noch in der Hofnachfolge meiner Eltern geschwelgt und sehe mich jetzt in der Position, dass der Hofnachfolger am Start ist. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn wir es nicht schaffen, in den nächsten Jahren, zum Beispiel in der nächsten GAP-Runde 2028, von der laufenden GAP von knapp 1.700 Seiten wegzukommen und mehr Freiheit für und mehr Zutrauen in die Landwirtschaft und den Weinbau zu schaffen, werden diejenigen, die nach uns kommen, diesen Weg nicht mehr beschreiten, mit oder ohne Störche. Das ist die eigentliche Herausforderung, die Lust weiter zu übertragen. Es kann aber nicht sein, dass aktuell, gerade in diesem Moment, der Berufskollege 25 t Kartoffeln für 400 Euro auf die Siloplatte geliefert bekommt und diese in den nächsten drei Tagen an die Kühe verfüttert werden, beste Kartoffeln. Es kann nicht sein, dass Brot verkauft wird und der Anteil, der beim Landwirt hängen bleibt, unter 20 Cent liegt. Es kann nicht sein, dass wir in Deutschland unseren eigenen Wein nur zu 40 % konsumieren und 60 % aus dem Ausland nach Deutschland importieren. Das ist sind alles Floskeln. Meine sehr geehrten Damen und Herren, die eigentliche Aufgabe ist aber, dass wir als diejenigen, die das Privileg haben, hier zu sitzen, und auch den Zugang zu den Personen haben, die gestalten können, es schaffen, diese Leidenschaft, diese Biegsamkeit und auch diese Herausforderung mit in die nächste Generation zu nehmen und nicht weitere Instrumente aufzubauen, sondern Instrumente abzubauen, damit derjenige, der morgens vier Stunden mit seiner Frau und dem kleinen Kind in der Schaukel im Melkstand steht, der noch keine Melkroboter hat, der das Melkzeug morgens vier Stunden und abends vier Stunden bedient, der schon acht Stunden am Tag am Melken ist, bevor er überhaupt die Kühe füttert und mit dem Traktor unterwegs ist, dass derjenige, dessen Kind im Sack im Melkstand hin und her wackelt, dass dessen Kind genau die Lust behält, wie seine Eltern es in der Generation davor selbst erlebt haben. Lust und Leidenschaft kann man nicht kaufen. Lust und Leidenschaft kann man nur erzeugen, indem man die Rahmenbedingungen so setzt, dass die Leute – ich habe es hier schon einmal gesagt – das Funkeln in den Augen, das ich bei meinem Sohn sehe, behalten. Vielen Dank. (Beifall der FDP, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)

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