Kathrin Anklam-Trapp
Für die Gruppe FREIE WÄHLER spricht Abgeordnete Jeckel. Abg. Lisa-Marie Jeckel, Gruppe FREIE WÄHLER: Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Die CDU hat heute einen Antrag vorgelegt, der sich mit einem Thema beschäftigt, das viele Menschen bewegt – Einsamkeit. Einsamkeit ist eine stille Krise. Sie zieht sich durch alle Altersgruppen. Sie ist real, sie ist schmerzhaft, und sie kann krank machen. Das steht außer Frage. Bei aller berechtigten Sorge dürfen wir aber nicht dem Aktionismus verfallen. In Rheinland-Pfalz gibt es bereits eine Vielzahl wirksamer Maßnahmen von der Gemeindeschwesterplus über die Digital-Botschafter bis hin zu den „Neuen Nachbarschaften“. Diese Programme funktionieren, auch weil sie regional verwurzelt, niedrigschwellig und bürgernah sind. Was sie brauchen, ist nicht ein neuer Masterplan, sondern gezielte Unterstützung, bessere Bekanntmachung und etwas mehr Mut zur praktischen Verbesserung. Der Antrag der CDU hingegen bleibt zu oft in allgemeinen Formulierungen stecken. Vieles klingt gut, von Sensibilisierungskampagnen über Dritte Orte bis hin zu gemeinschaftlichem Wohnen. Es fehlt aber der Bezug zur Praxis. Wer soll das konkret umsetzen? Wo ist die Anschlussfähigkeit an das, was vor Ort längst läuft? Dabei ist klar: Es ist nicht der Staat allein, der Einsamkeit lindern kann. Es ist die Gesellschaft selbst. Es sind die Vereine, das Ehrenamt, die Nachbarschaftshilfen, die den Unterschied machen. Gerade im ländlichen Raum tragen sie den sozialen Zusammenhalt, nicht laut, aber wirkungsvoll. Deshalb sagen wir ganz klar: Wenn wir über Einsamkeit sprechen, müssen wir auch darüber sprechen, wie wir das Ehrenamt stärken, durch bessere Rahmenbedingungen, durch Wertschätzung und durch konkrete Entlastung. Die Regierungsfraktionen legen mit ihrem Alternativantrag einen anderen Weg vor. Er knüpft an bestehende Programme an, denkt ressortübergreifend und greift aktuelle Maßnahmen wie das Paket „MitMenschen!“ auf. Das fi nden wir sinnvoll. Natürlich gäbe es noch Luft nach oben, gerade wenn es darum geht, mutiger weiterzudenken. Das darf aber nicht den Blick dafür verstellen, dass dieser Antrag die richtigen Strukturen stärkt. Sehr geehrte Damen und Herren, Einsamkeit bekämpft man nicht mit Überschriften, sondern mit echtem Einsatz vor Ort, mit lokaler Verwurzelung, mit verlässlicher Unterstützung für bewährte Projekte und mit dem Vertrauen in die Menschen. Wir FREIEN WÄHLER stimmen dem Antrag der Regierungsfraktionen zu und lehnen den Antrag der CDU ab; denn wer wirklich helfen will, muss den Mut haben, das zu unterstützen, was funktioniert, und die Kraft haben, Neues nur dann zu fordern, wenn es wirklich besser ist. Vielen Dank. (Beifall der Gruppe FREIE WÄHLER)
