Sven Teuber
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Kennen Sie noch Marty McFly und Doc Brown? Sie hatten eine schöne Zeitmaschine. Mit dieser Zeitmaschine sind sie vor und zurück, in die Zukunft und Vergangenheit geflogen. Mit der AfD-Fraktion geht es immer nur in die Vergangenheit. Diese Zeitmaschine ist leider kaputt. In diesem Sinne muss man sagen, wir haben mit dieser Zeitmaschine in den 60erJahren Halt gemacht. Immerhin nicht in anderen Jahrzehnten, die man sich auch hätte ausdenken können, aber wir sind in den 60erJahre n gelandet; denn in diesem Jahrzehnt der 60erJahre, genau genommen 1 965, wurden die Schulkindergärten gegründet. Eine Zeit, die vollkommen anders war als heute, aber die sich vielleicht Marty McFly und Doc Brown angeschaut hätten, um zu schauen, warum es damals denn so war, dass Frauen eigentlich immer traditionell zu Hause waren. Warum war es so, dass die Rolle der Erziehung traditionell der Frau gehörte? Warum war es so, dass keine Gleichberechtigung herrschte und es immer noch sehr stark davon abhing, welches Geschlecht man hatte, um Bildungserfolg zu bekommen? In diesen Jahrzehnten entstanden Schulkindergärten, um dort etwas aufzugreifen und anzufangen, was etwas reparieren sollte, was man festgestellt hatte, und dazu hatte man ein Instrument gefunden. Dieses Instrument existiert zwar noch heute – ich danke Kollegen Münster für sein Beispiel; denn jetzt kennen wir einen von sieben Schulkindergärten in Rheinland-Pfalz und 15 Kinder von 99, die Schulkindergärten in Rheinland-Pfalz besuchen –, man hat es gerade gehört. Es gibt durchaus an einigen Stellen noch die Notwendigkeit, um die Polykausalität von Fördernotwendigkeiten abgreifen zu können und den Kindern zugutekommen zu lassen – wo das notwendig ist, ist es auch möglich. Aber warum sind es nur noch sieben und nicht mehr wie noch vor rund 25 Jahren weit über 100? In dem Zusammenhang kann man sagen, das liegt daran, dass Kommunen und das Land eine andere Vorstellung haben und die Gesellschaft sich weiterentwickelt hat. Wohin? In eine Frage von einer gemeinsamen Brücke von Kita und Grundschule zur Förderung von Kindern. Während wir in den 60erJahren nicht die Kita, den Kindergarten als Förderinstrument und als frühkindliche Bildung gesehen haben, als gesellschaftliches, notwendiges Instrument, um Kinder frühzeitig zu Sprache, zu Grundund Basiskompetenzen zu gelangen, haben wir diese Erkenntnis heute längst miteinander akzeptiert – jedenfalls in den weitesten Teilen dieses Runds – und als gute und starke Gelingensfaktoren für eine gute Bildung und eine gute Integration in unserer Gesellschaft anerkannt. Wir haben eine Kita- und eine Schullandschaft, die davon ausgeht, dass es unabhängig vom Geschlecht und von den Hintergründen sein muss, welchen Bildungserfolg ich erreichen kann und wie ich Teilhabe ermögliche. In diesem Sinne ist es so, dass natürlich die Anzahl an Schulkindergärten reduziert wurde, weil wir eine andere gesellschaftliche Situation haben. In diesem Zusammenhang müssen wir eben nicht weiter in Schulkindergärten investieren, sondern wir sollten weiter investieren in die Landschaft, in der Kita und Grundschule eine Brücke bilden, über die Kinder verlässlich stark gehen können. Auch Sprache darf nicht dazu beitragen, dass diese Brücke brüchig wird. Wie machen wir das? Gerade gestern war ich an der RPTU in Kaiserslautern und habe einen Förderbescheid über eine Dreiviertelmillion Euro übergeben, um die Sprachstandserhebung für alle Vierjährigen voranzubringen, Kolleginnen und Kollegen. Das ist ein wichtiger Baustein, um in der frühkindlichen Bildung gezielt zu fördern und Sprachlücken, bei denen es schwieriger wird, sie nachher zu beheben, gar nicht erst aufkommen zu lassen. (Beifall bei der FDP) Gleichzeitig haben wir 350 Sprachkitas identifiziert und werden auch weiter das Thema Sprachkitas im Startchancen-Programm ausbauen. Wir machen darüber hinaus VHS-Kurse, Feriensprachlernkurse für diejenigen, die später in der Bildungsbiografie in unsere Schulen eintreten. Auch das kommt zusätzlich obendrauf. Ich sage Ihnen aber, trennen und demotivieren dadurch, dass ich mich in einer eigenen Gruppe befinde, die das Sprachbad, wie Sie es gerne zitieren, genießt, das nur andere Sprachen, aber nicht Deutsch beinhaltet, wird nicht dazu führen, dass wir mehr Sprachbildung im Deutschen bekommen. In diesem Sinne haben wir heute zum Glück gemeinsam erreicht – Kommunen und Land gemeinsam politisch erfolgreich errungen –, dass Gleichberechtigung herrscht und Kita und Grundschule eine Brücke bilden. Wir müssen die Herausforderung in der Sprachbildung weiter in den Blick nehmen, haben dazu Konzepte angelegt, gerade gestern noch einmal bei der RPTU, und werden diesen Weg weitergehen, um diese Brücke weiter auszubauen, sie stark zu machen, um jedes Kind sicher dort hinüberzubringen. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
