Stefan Thoma
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren! Wir haben gerade – oder hören scheinbar immer noch – irgendwas zum Thema Konservatismus gehört. Konservatismus ist durchaus eine interessante politische Richtung. Allerdings hat er nichts damit zu tun, dass man sich nicht fortbewegt oder keine neuen Dinge anerkennt, sondern dass man das, was gut ist, bewahren möchte. (Abg. Joachim Paul, AfD: Genau, Adoptionsrecht zum Beispiel!) Was gut ist und was man bewahren möchte, darüber kann man sich natürlich streiten. (Abg. Joachim Paul, AfD: Eben!) Das ist Teil der politischen Kultur. Man muss aber tatsächlich sagen, wir sprechen hier über eine Initiative, bei der wir eigentlich einen besonderen Fall haben. Bei den allermeisten Gesetzen, die wir irgendwo diskutieren, geht es darum, zugunsten des einen den anderen irgendwie einzuschränken, ihm etwas wegzunehmen oder in irgendeiner Weise eine Finanzierung umzuschichten oder sonst was. Wir sind in einer Situation, in der es eigentlich nur Gewinner, aber keine Verlierer gibt; denn wir haben eine Familienstruktur, über die wir sprechen, in der jemand etwas gewinnen kann durch Rechtssicherheit, währenddessen auf der anderen Seite niemand ist, der etwas verliert. Es gibt also gar keinen Grund, sich darüber zu beschweren. Es gibt keinen Grund, in irgendeiner Weise das Ganze abzulehnen, da wir eine positive Weiterentwicklung einer Familienpolitik haben. Im Gegensatz zu dem, was wir vorhin teilweise schon gehört haben, diskutieren wir heute nicht grundsätzlich darüber, ob wir uns in irgendeiner Art und Weise mit queerer Politik beschäftigen wollen, sondern wir beschäftigen uns damit, ob es eine Möglichkeit geben soll, die Adoption, die bisher das typische Verfahren ist, für eine zweite Mutter zu beschleunigen. Wir diskutieren nicht grundsätzlich, ob wir für oder gegen queere Politik sind. Das ist an der Stelle einfach das verfehlte Thema. Genauso haben wir eben auch Ausführungen gehört über ideologische Ausprägungen, wie die Gesellschaft gesteuert werden soll. Das ist doch totaler Humbug. Wir reden hier darüber, wie eine Familie eine Möglichkeit haben soll, als Familie leben zu können. Von daher mögen wir uns doch an der Stelle bitte darauf konzentrieren, dass wir wirklich beim Thema bleiben. Das Thema – darüber sind wir uns zumindest bei den meisten Fraktionen einig – soll dann auch zugunsten der Familien entschieden werden. Vielen Dank. (Beifall der FDP, der SPD und des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD)
