Stefan Thoma
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Schauen wir – weil wir eben über Perspektive gesprochen haben – mal aus der Perspektive des Kindes auf das Ganze, ein Kind, das seine Familie sieht. Wir haben eben gehört, die Familie ist der Kern der Gesellschaft. Das ist der Teil, der am allermeisten Erziehung leistet. Ein Kind schaut auf seine Eltern, und was sieht ein Kind? Es sieht Mama 1 und Mama 2 oder A und B oder wie auch immer sie genannt werden. Für das Kind gibt es in dem Fall keine Mama erster Klasse und Mama zweiter Klasse, sondern es gibt genau zwei Mütter, und die sind dann auch als Mutter angenommen. Aus dieser Perspektive gibt es schon gar keinen Unterschied. Wir sprechen hier über einen Fall, in dem das klassische Familienbild mit Mama, Papa, Kind – wie man das kennt – eigentlich keine Rolle spielt; denn da es zu dieser Entwicklung gekommen ist, ist der biologische Vater – aus welchem Grund auch immer – sozusagen bereits raus aus der Lösung. Es kann sein, dass das ein Samenspender ist. Es kann sein, dass das aus einer früheren Beziehung ist. Es kann sein, dass man sich geeinigt hat. Egal wie es ist, Tatsache ist: Aus Sicht der Familie gibt es ein funktionierendes Familienbild. Es gibt eine eindeutige Perspektive des Ganzen. Was man jetzt braucht, ist rechtliche Sicherheit; denn wir haben eine Mutter, die als biologische Mutter natürlich dabei ist, und wir haben eine Mutter, die erstmal nur Mutter zweiter Klasse ist, bis das Adoptionsverfahren durchgeführt ist. Das ist ein Adoptionsverfahren – das haben wir eben schon gehört –, das dauern kann, das mit rechtlichen Unsicherheiten verbunden und deswegen schwierig für die Familie ist. Es gibt andere Länder, die dieses oder Ähnliches bereits durchgeführt haben, beispielsweise Australien, Belgien, Großbritannien, Norwegen, Österreich, Schweden, Spanien oder auch Südafrika. Wir sehen dort, dass es möglich ist, eine solche Initiative durchzubringen und für die Familien eine emotionale Sicherheit zu schaffen, die dann in eine rechtliche Sicherheit umgewandelt wird. Daher können wir das als FDP nur unterstützen, diese Initiative voranzutreiben und den Familien auf ihrer Suche nach dem entsprechenden Glück entsprechend zu helfen. Vielen Dank. (Beifall der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 9 0/DIE GRÜNEN)
