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Dr. Jan Bollinger

AfD 15.05.2025 Sitzungen 18/87

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Meine Damen und Herren! Die Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage der CDU-Fraktion zur Förderung und Entwicklung des Sports in Rheinland-Pfalz bietet umfangreiche Informationen. Sie dokumentiert zugleich jedoch auch eine Reihe struktureller Defizite und konzeptioneller Schwächen, auf die wir im Sinne einer verantwortungsvollen Sportpolitik hinweisen möchten. Ein grundlegender Kritikpunkt ist die mangelnde Transparenz der Förderpolitik. Die zur Verfügung gestellten Informationen enthalten keine ausreichenden Daten zur Mitgliederentwicklung in Sportvereinen, zur konkreten Mittelverwendung oder zur Wirksamkeit der geforderten Maßnahmen. Ohne diese Datenbasis ist eine belastbare Bewertung der Förderpraxis kaum möglich. Eine transparente Darstellung ist jedoch notwendig, um politische Entscheidungen nachvollziehbar zu machen und gezielt nachzusteuern. Darüber hinaus vermissen wir eine strategisch fundierte und fiskalisch nachhaltige Ausrichtung der Sportförderung. Zwar werden beträchtliche finanzielle Mittel bereitgestellt, doch die Frage nach deren zielgerichtetem und langfristig wirksamem Einsatz bleibt weitgehend unbeantwortet. Sportförderung braucht klare Ziele, eine messbare Wirkungskontrolle sowie eine Priorisierung, die sich an den tatsächlichen Bedarfen orientiert. Ein weiterer zentraler Punkt ist die unzureichende Koordinierung zwischen Land, Kommunen und Sportverbänden. Die Förderstruktur ist stark dezentral organisiert. Zwar ist kommunale Eigenverantwortung grundsätzlich zu begrüßen, allerdings führt die derzeitige Praxis zu einer fragmentierten Förderlandschaft, in der landesweite Standards, Steuerung und Vergleichbarkeit kaum gegeben sind. Eine landesweit abgestimmte Strategie, die klare Zielsetzungen und Kriterien definiert, halten wir für notwendig. Im Bereich des Behinderten- und Inklusionssports erkennen wir den politischen Willen der Landesregierung zur Unterstützung. Gleichwohl ist festzustellen, dass die Umsetzung häufig mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden ist. Die Maßnahmen erscheinen vielfach wenig praxisorientiert und erreichen die betroffenen Gruppen nicht in dem Maße, wie es wünschenswert wäre. Hier ist eine stärkere Fokussierung auf konkrete, niedrigschwellige Angebote erforderlich. Ein besonderes Anliegen der AfD-Fraktion ist die Förderung des Ehrenamts und des Breitensports. Diese Bereiche bilden das Fundament der sportlichen Infrastruktur im Land, verdienen daher eine deutlich stärkere Beachtung. Ehrenamtlich Engagierte leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur gesellschaftlichen Integration und zur Gesundheitsförderung. Umso unverständlicher ist es, dass sie in der aktuellen Förderpraxis nur unzureichend berücksichtigt werden. Wir sehen hier ein erhebliches Potenzial, das durch gezielte Maßnahmen gestärkt werden sollte. Im Bereich der Digitalisierung im Sport wird das Engagement der Landesregierung grundsätzlich positiv bewertet. Allerdings zeigt sich auch hier, dass es an Umsetzungskraft und Zielorientierung fehlt. Die Digitalisierung sollte nicht nur als Randthema verstanden werden, sondern als Querschnittsaufgabe, die sowohl die Vereinsverwaltung als auch die Kommunikation, Organisation und Trainingsgestaltung betrifft. Ein besonderes Augenmerk verdient die Finanzierung des Sports insgesamt. Die gegenwärtige Struktur der Mittelvergabe, insbesondere die Verteilung von Lottomitteln, wirkt intransparent und ungleichgewichtig. (Zuruf des Abg. Michael Hüttner, SPD) Es fehlen nachvollziehbare Kriterien, nach denen Förderentscheidungen getroffen werden. Die AfD-Fraktion fordert deshalb eine klar strukturierte und faire Mittelverteilung, die alle Sportarten und Zielgruppen angemessen berücksichtigt. Nicht zuletzt sehen wir die organisatorischen Strukturen der Sportförderung als verbesserungswürdig an. Eine eigene Sportabteilung innerhalb der Landesverwaltung, wie sie auch vom Landessportbund vorgeschlagen wurde, könnte die Koordination verbessern und die politische Verantwortlichkeit stärken. Dass dieser Vorschlag bisher unbeachtet blieb, ist aus unserer Sicht ein Versäumnis. Auch im Bereich des Leistungssports besteht Handlungsbedarf. RheinlandPfalz ist bislang in hohem Maße auf Bundesmittel angewiesen, wenn es um die Förderung von Spitzensportlern geht. Die AfD-Fraktion spricht sich für eine stärkere, eigenständige Landesstrategie aus, um sportliche Talente gezielt zu fördern und im Land zu halten. Meine Damen und Herren, vor diesem Hintergrund fordern wir eine kritische Überprüfung und grundlegende Neuausrichtung der Sportförderung im Land. Ziel muss eine transparente, bedarfsgerechte und zukunftsorientierte Förderpolitik sein, die sowohl den Breiten- als auch den Leistungssport stärkt, das Ehrenamt nachhaltig unterstützt und gesellschaftliche Teilhabe in ihrer ganzen Breite ermöglicht. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall der AfD)

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