Michael Hauer
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ja, wir blicken heute auf zehn Jahre erfolgreichen Nationalpark HunsrückHochwald zurück. Man darf es nicht vergessen, die Entscheidung dafür ging auf eine Entscheidung dieses Hauses zusammen mit dem saarländischen Landtag zurück. Von daher glaube ich – heute ist dem Nationalpark viel gedankt worden –, der Nationalpark kann auch diesem Haus danken und allen Beteiligten. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD sowie der Abg. Cornelia Willius-Senzer, FDP) – Ja, es ist einen Applaus wert. Im Bewusstsein über die gemeinsame Verantwortung für die besondere Naturlandschaft des Hunsrückhochwalds haben unsere Bundesländer – es ist erwähnt worden – den ersten von Beginn an länderübergreifenden Nationalpark und nach wie vor auch den jüngsten in Deutschland geschaffen. Ich nehme aber trotzdem eine kurze Referenz auf meine Vorredner. Es wurde gesagt, dass unter dem Deckmantel von Natur- und Artenschutz alles legitimiert wird. Ich bitte aber auch im Zusammenhang mit dem, was der Nationalpark ausmacht, Blockadegebaren an anderer Stelle nicht in den Zusammenhang mit dem Nationalpark zu setzen. Als jemand, der in seiner Funktion auch Verantwortung für Genehmigungen mitträgt, ist es, wenn man in die Welt schaut, wo in anderen Ländern Rechtssicherheit und Rechtsverbindlichkeit nicht zwangsläufig gegeben sind, ein Wert für uns und für unsere Demokratie, wenn – wenn auch nach längeren Verfahren, woran wir arbeiten müssen – Rechtssicherheit hergestellt wird. Ich glaube, das sollten wir auch respektieren. (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Der Nationalpark erfüllt die Kriterien der International Union for Conservation of Nature und leistet so einen wesentlichen Beitrag zu dem Ziel, 10 % der im Landesbesitz befindlichen Waldfläche in Rheinland-Pfalz und im Saarland einer möglichst natürlichen Entwicklung zu überlassen. Es ist erwähnt worden, bereits heute greift auf 58 % der Fläche das Leitbild „Natur Natur sein lassen“. Das ist mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren bei der Gründung des Nationalparks. Die schnelle Entwicklungsdynamik ist erfreulich. Ihre Gründe sind uns aber eine Mahnung; denn sie beruhen auf der ökologischen Globalkrise der Erderhitzung. Der Nationalpark steht nicht nur für naturschutzfachliche Ziele, sondern auch für zukunftsfähige Regionalentwicklung. Seit der Ausweisung des Nationalparks konnten zahlreiche Vorhaben erfolgreich umgesetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel die besondere Förderfähigkeit und Partizipation an LEADER-Förderungen. Zahlreiche private Vorhaben, insbesondere im Tourismussektor, konnten umgesetzt werden. Vorhin wurden die Kosten erwähnt, für die dieses Haus mit den Haushaltsplänen für den Nationalpark die Mittel zur Verfügung gestellt hat. Ich möchte erwähnt haben, dass bereits über 16 Millionen Euro bewilligte und geförderte Mittel über LEADER dorthin geflossen sind. Dies gehört ebenfalls zur Wertschöpfung dieses Nationalparks hinzu. Die Nationalparktore als Einlaufstellen wurden bereits erwähnt. Es sind tolle Infrastrukturen. Am Erbeskopf ist das Hunsrückhaus mit attraktiver Infrastruktur für Besucher weiterentwickelt worden, dasselbe am Wildfreigehege Wildenburg. Es ist jeweils ein großes Investitionsprogramm angelaufen, das vor Ort die Wertschöpfung schafft. (Abg. Carl-Bernhard von Heusinger, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ja!) Zusammen – auch das ist erwähnt worden – ist eine deutliche Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs damit einhergehend. Dort gibt es eine gegenseitige Befruchtung. Der Nationalpark hilft dem ÖPNV und künftig der ÖPNV dem Nationalpark. Es sind positive Entwicklungen zu sehen. Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist auch eine Schatztruhe für Forschung; denn er ist eines der wenigen großen Freilandlabore in Westeuropa. In Zeiten des Klimawandels liefert er als Referenzfläche wertvolle Erkenntnisse über die natürlichen Anpassungsprozesse unserer Wälder. Diese Erkenntnisse können und werden uns helfen, von der Natur zu lernen. Das ist natürlich von unschätzbarem Wert. Unsere Partner an den Universitäten und Forschungseinrichtungen wollen daher diese Forschung gemeinsam mit uns vertiefen. Diese Erkenntnisse sind für die Zukunft unserer Wälder nicht nur nutzbar zu machen, sondern werden uns helfen. Der Nationalpark ist zudem ein wichtiger Akteur in der Umweltbildung geworden. Es gibt informative Touren durch das Gebiet durch unsere zertifizierten Führerinnen, Ranger, die die entsprechende Begleitung vornehmen, fachkräftig und kompetent. Zudem stehen unsere Kinder und Jugendlichen im Vordergrund. „Im Kleinen das Besondere entdecken“ heißt der Leitsatz für die Kita- und Schulklassenangebote des Nationalparks. Sie orientieren sich an den Lehrplänen. Seit der Gründung hat sich zwischen Trägern der schulischen und außerschulischen Bildung mit Unterstützung des Bildungsministeriums – an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an das Bildungsministerium – ein erfolgreiches Netzwerk gebildet, das zu verstetigen und zu verstärken ist. Lassen Sie mich auch eine Replik auf meine Vorredner nehmen. Eine Differenzierung zwischen Klimabildung und Naturschutzbildung vorzunehmen, dazu gehört schon eine gewisse dialektische Kompetenz. Ich möchte das an zwei Beispielen festmachen. Wenn wir sehen, wie Klimabelastungen – heute haben wir schon etliche Male über Forsten und Forstentwicklungen gesprochen, wie wir zu Kalamitätsflächen kommen –, wie Klimawandel zu einer Transformation auch in Flora und Fauna führen, dann ist es schon fraglich, wie diese Interdependenz als ideologisch zu beschreiben ist. Das gibt mir nur eine Antwort. Um das als ideologisch zu beschreiben, muss man ideologisch argumentieren, und das wird dem Nationalpark sicherlich nicht gerecht und auch nicht dieser Situation. Das war mir wichtig zu erwähnen. Wir haben mit dieser Entwicklung im Nationalpark ein Zeichen, eine tolle Einrichtung im Land. Es geht für unsere Bürgerinnen und Bürger, für unsere Unternehmen, für unsere touristischen Rahmenbedingungen und Angebote nach oben in der Region. Ich danke allen, die an diesem Erfolg mitgewirkt haben. Die ehemalige Umweltministerin ist bereits erwähnt worden, und an dieser Stelle mit der Bitte um Ihre weitere Unterstützung für dieses wichtige Projekt unseres Landes vielen herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP)
