Steven Wink
Verehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Kommen wir zu einem neuen Thema. Danke erst einmal an das Haus, dass wir trotz der Gesetzeseinbringung der Landkinderarztquote gestern heute noch einmal über das Thema sprechen. Es ist ein wichtiges Thema, es ist ein breit gefasstes Thema und gerade mit der neuen Gesundheitsministerin wichtig, dass wir hier auf verschiedenen politischen Ebenen miteinander zusammenarbeiten, um in diesem Bereich weiterkommen zu können. Die Kinder- und Jugendmedizin liegt uns am Herzen. Es liegt vielen Eltern am Herzen. Die flächendeckende Versorgung in Rheinland-Pfalz ist derzeit noch gewährleistet, aber es gibt regionale Unterschiede. Wir haben gestern darüber gesprochen, die städtischen Gebiete sind oft auf dem Papier überbesetzt, in den ländlichen Regionen gibt es niedrigere Versorgungsgrade. Es gibt erste Ansätze von der Landesregierung, was positiv zu erwähnen ist, das gestern diskutierte Gesetz umfangreich zur Landkinderarztquote, um langfristig Ärztinnen und Ärzte zu gewinnen und zu binden. Das gehört dazu. Kollege Dr. Kusch hat es gestern hier im Detail erläutert. Das brauche ich nicht zu wiederholen. Das Zweite ist die Ausweitung des Hausärzteprogramms auf Kinderärzte. Das ist schon etwas älter, aber die Möglichkeit besteht, wenn es darum geht zu übernehmen, sich niederzulassen oder Zweitpraxen zu gestalten. Das Dritte ist die Förderung für die Beschäftigung von Ärztinnen und Ärzten in der Weiterbildung. In Zukunft wird auch darüber debattiert werden müssen, wenn es darum geht, mit Aus- und Weiterbildung regional zu gestalten und diese Weiterbildung dahin gehend zu denken. Zum anderen ist es aber so – hier kommen wir ein Stück weit zur Bundesregierung –, einen Anstoß zu wagen, wenn es darum geht, über die Bedarfsplanungsrichtlinie zu debattieren und somit die Planungssystematik und die Versorgungsgrade in der Umsetzung vor Ort so zu gestalten, dass wir regionale Unterschiede in der Bedarfsplanung eventuell ausgleichen können. Ein uns wichtiger Punkt – die Kolleginnen und Kollegen aus dem Gesundheitsausschuss wissen das, die Gutachter haben das zur Krankenhausstrukturreform dargelegt gehabt: telemedizinische Aspekte und Angebote zu prüfen und sie als Add-on quasi ergänzend einzufügen, gerade in der Kinderund Jugendmedizin, um schnelle Konsultationen für akute Beschwerden oder auch Nachversorgung zu gewährleisten. Das gilt gerade für die ländlichen Regionen. Da gibt es Beispiele wie die Teleklinik, die Sprechstunden anbietet, etc. Ein weiterer Punkt, den wir gerne diskutieren würden, wäre der Ansatz, in der Approbationsordnung die Pädiatrie im Medizinstudium selbst stärker zu berücksichtigen. Wir haben gestern gesagt, die Kinderärzte sind die Hausärzte der Kinder. Das wollen wir weiter stärken, sie mehr in die Fläche bringen und die Pädiatrie bereits im Studium mitdenken, selbstverständlich Hand in Hand, zum Beispiel regionale Lehrstühle in der Praxis umsetzen. Ein uns weiterer wichtiger Punkt ist die Berücksichtigung von seltenen Krankheiten. Ca. 70 % seltener Krankheiten treten im Kindesalter auf, und nur 12 % davon werden nach dem 18. Lebensjahr diagnostiziert. Das führt oftmals dazu, dass für Eltern und Kinder eine belastende Situation entsteht, wenn man versucht, die Diagnose zu finden, über längere Zeiten hinweg mehrere Richtungen ausprobiert, bis die Diagnose da ist, die Versorgung nachher eintritt, also etwas Belastung von Eltern und gerade von Kindern herauszunehmen. Das hat eine Bedeutung für die stationäre Versorgung. Das hat eine Bedeutung für die ambulante Versorgung, gerade im Hinblick darauf, wenn ich die multiprofessionelle Versorgung überleite in die Erwachsenenversorgung, damit wir diese Schnittstelle stärken können, um dort ein bisschen Druck herauszunehmen. Hier spielt die Forschung, hier spielt die Medikamentenversorgung mit hinein, die pädiatrische Forschung, also Früherkennung, Prävention und Behandlung in der Datenerhebung mit einzufassen. Es ist oftmals so, dass vom Alter ab 20 begonnen wird, das heißt, ca. ein Fünftel ist in Datenerhebungen bzw. in Auswertungen nicht berücksichtigt. Das wäre für uns ein wichtiger Baustein, um bei der Translation von der Grundlagenforschung hin zur Versorgung anzugreifen, gerade auch bei Kindern. Ich hatte die seltenen Krankheiten angesprochen, dass da die richtigen Weichen gestellt werden können. Mehr gerne in der nächsten Runde. Danke. (Beifall bei der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 9 0/DIE GRÜNEN)
