Matthias Lammert
Nächste Rednerin ist für die Gruppe FREIE WÄHLER Abgeordnete Lisa-Marie Jeckel. Abg. Lisa-Marie Jeckel, Gruppe FREIE WÄHLER: Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf möchte die Landesregierung eine neue sogenannte Landkinderarztquote einführen. 3 % der Medizinstudienplätze sollen künftig für Bewerber reserviert werden, die sich verpflichten, nach ihrer Facharztausbildung für zehn Jahre in unterversorgten Regionen als Kinder- und Jugendarzt tätig zu sein. Das Ziel, eine drohende kinderärztliche Unterversorgung im ländlichen Raum zu verhindern, teilen wir ausdrücklich. Eine gesicherte Versorgung unserer Kinder ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie verdient unser aller Engagement. Doch wir müssen fragen: Ist dieser Weg der richtige, und ist er ausreichend durchdacht? Zunächst ist klar, die Quote wird, wenn überhaupt, frühestens in zehn bis 15 Jahren Wirkung zeigen. Das ist wichtig für die langfristige Planung, aber es hilft nicht den Familien, die heute auf einen Termin beim Kinderarzt warten oder heute 50 km fahren müssen, um überhaupt einen zu finden. Ja, die Quote basiert auf Freiwilligkeit, aber sie verlangt Jugendlichen, oft 18 oder 19 Jahre alt, eine Entscheidung über einen Berufsweg und eine regionale Bindung über zehn Jahre ab, ohne echte Praxiserfahrung, ohne zu wissen, ob das Umfeld oder die Lebenssituation in zehn Jahren auch noch passen. Wer sich das nicht zutraut, wird sich womöglich in einem anderen Bundesland ohne solche Auflagen bewerben, und Rheinland-Pfalz verliert potenzielle Ärzte. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sein, Rheinland-Pfalz tut bereits einiges zur Förderung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Es gibt finanzielle Unterstützung für Praxisgründungen und Übernahmen auch für Kinderärzte. Es gibt Förderungen für das Sammeln von praktischen Erfahrungen im ländlichen Raum, und es gibt die Möglichkeit, kommunale medizinische Versorgungszentren zu stärken. Diese Instrumente existieren. Sie wirken kurzfristiger und flexibler. Es wäre klug gewesen, sie im Gesetzentwurf stärker mitzudenken und gezielt auszubauen. Was wir mit dieser Quote stattdessen tun, ist, eine neue, verbindliche Verpflichtung mit Langzeitbindung einzuführen, zusätzlich zur bereits bestehenden Landarztquote. Damit sind wir bei einem Punkt, der uns ernsthaft Sorgen macht: Mit der neuen Quote steigt die Gesamtquote der vorab vergebenen Studienplätze in Rheinland-Pfalz auf 9,3 %. Das ist nicht mehr marginal. Es betrifft fast jeden zehnten Platz, verbunden mit langfristigen Vertragsbindungen. Wir warnen eindringlich davor, stillschweigend immer weiter zu quotieren. Nach dem Landkinderärzten könnten vielleicht auch andere Facharztquoten folgen. Das gefährdet die Offenheit und Chancengleichheit im Zugang zum Medizinstudium, und es stellt perspektivisch die Flexibilität und Attraktivität des Medizinerberufs infrage. Meine Damen und Herren, die FREIEN WÄHLER stehen für eine starke, erreichbare medizinische Versorgung, auch und gerade im ländlichen Raum. Deshalb unterstützen wir das Ziel dieses Gesetzes und stehen ihm trotz berechtigter Kritik grundsätzlich erst einmal positiv gegenüber. Wir tun das aber mit einem klaren Auftrag an die Landesregierung: Behalten Sie die Gesamtquotierung im Blick. (Glocke des Präsidenten) Fördern Sie auch bestehende, kurzfristig wirksame Maßnahmen weiter, und sorgen Sie dafür, dass der Weg in die Medizin kein juristisch verpflichtete r Spagat, sondern ein attraktiver Beruf mit Perspektive bleibt. Vielen Dank. (Beifall der Gruppe FREIE WÄHLER)
