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Dr. Christoph Gensch

CDU 14.05.2025 Sitzungen 18/86

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kollegen! Es gibt den Spruch: „Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“ Dieser Satz beschreibt das menschliche Phänomen, dass man dazu neigt, ein Werkzeug, mit dem man gut vertraut ist, auch zur Lösung eines Problems einzusetzen, bei dem ein anderes Werkzeug viel besser geeignet wäre. Der Hammer der Landesregierung ist ohne Zweifel die Arztquote, die Landarztquote, die ÖGD-Quote, jetzt die Kinderarztquote. Vielleicht kommen noch die Notarztquote, die Dermatologie-Quote, die Kinder- und Jugendpsychiater-Quote, die Krankenhausärzte-Quote hinzu. Auch hier haben wir große Probleme. Irgendwann reift vielleicht doch die Erkenntnis, es liegt an der Gesamtzahl der Plätze. Es fehlen Ausbildungsplätze für Ärzte. Wir haben so viele Bewerber und so wenige Plätze. Wir brauchen einfach mehr davon, wie schon so oft diskutiert. Herr Minister, auch wenn die CDU weder von dem Hammer überzeugt ist noch davon, dass es sich bei dem Kinderarztmangel um einen Nagel handelt, möchten wir das Thema in einer Anhörung mit Experten erläutern, ob wir zumindest – so offen sind wir dann doch – einen minimal positiven Effekt erwarten können oder eine solche Quote nicht sogar kontraproduktiv sein könnte. Unsere zentralen Kritikpunkte: Punkt 1, Zeitdauer. Es wirkt erst in elf Jahren, sechs Jahre Studium plus fünf Jahre Facharztweiterbildung. Das ist zumindest kein Konzept zur jetzigen Mangelbekämpfung. Es ist ein langfristiges Konzept. Punkt 2: Pädiatrie ist mit die beliebteste Fachrichtung nach der Inneren Medizin. Warum quotieren? Wir haben bei den Landärzten, beim ÖGD Mangelsituationen. Wir haben vielleicht auch Situationen, in denen wir sagen, dass wir Kollegen haben, es in diesen Bereichen bei den Hausärzten zu wenige Bewerber gibt, zu wenige Personen, die diese Fachrichtung unter diesen Umständen ausüben wollen. Die Pädiatrie ist nach einer Erhebung der Uni Trier mit dem Berufsmonitoring Medizinstudierende mit die beliebteste Fachrichtung. Über 9 % aller Studenten möchten Pädiatrie als Facharztrichtung wählen. Auch im Facharzt-Ranking zählt es zu den beliebtesten Fachrichtungen. Das sind in Mainz bei 450 Medizinstudenten 45 jedes Jahr. Wenn wir von den 500 ausgehen, die Sie jetzt geschaffen haben, sind das 50. Da wäre zum Beispiel auch ein Ansatz, diese 50 Kollegen, die die Weiterbildung in Pädiatrie machen möchten und das Studium absolviert haben, anzusprechen und zu fragen: Was brauchen sie, um Pädiatrie im ländlichen Rheinland-Pfalz auch zu machen? Diese Person wäre nach fünf Jahren fertig, nicht nach elf. (Beifall der CDU) Dritter Punkt, der Flaschenhals der Weiterbildungskapazitäten: Nach dem Studium müssen die fertigen Studenten eine fünfjährige Facharztausbildung durchlaufen. Wir haben in Rheinland-Pfalz nur 15 Ausbildungsorte, 15 pädiatrische Abteilungen im Land, und diese Facharztausbildung läuft überwiegend stationär ab. Wenn man das über den Daumen rechnet, kann die Abteilung pro Jahr vielleicht 30 bis 40 Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Mit einer Quote belegen sie davon 15. Das heißt, die Landesregierung bildet in einem sehr großen Maße für diese Quote aus. Sie ziehen diese Mediziner aus diesen Krankenhäusern ab. Das sind keine neuen Kollegen, die dort ausgebildet werden, die der Klinik zur Verfügung stehen, die die künftigen Fachärzte in der Klinik sind, die Oberärzte, die künftigen Chefärzte, die Spezialisten für Kinderkardiologie oder Kinderdiabetologie, sondern das sind Kollegen, die sie ausbilden und dann weg müssen, weil sie an anderer Stelle verpflichtend tätig sein müssen. Das ist insbesondere für die kleinen Abteilungen aus unserer Sicht ein großes Problem. Auch stellt sich die Frage: Warum sollen die Kliniken, die Pädiatrien, diese Bewerber der Quotenplätze überhaupt ausbilden, wenn sie doch genügend andere Bewerber haben, mit denen sie dann auch langfristig planen können? Das sind für uns zentrale Kritikpunkte, Herr Minister, die wir in einer Anhörung besprechen möchten. Wir möchten von den Betroffenen, von den Abteilungen, von der Landesärztekammer, von der KV, von den Playern in diesem Bereich hören, wie gerade nach dem Studium die zielführende Weiterqualifizierung aussehen soll. Wir haben in der Vergangenheit aus meiner Sicht, und ich glaube auch aus Sicht von vielen, gute Vorschläge gemacht. Das geht über die reine Erhöhung der Studienplatzanzahl hinaus. Wir haben schnell umsetzbare Kooperationsprojekte vorgestellt, mit denen wir auch mit einer signifikanten Erhöhung der Anzahl an Medizinstudienplätzen tätig werden können, mit denen wir durchaus, wenn wir einen Aufwuchs erzielen, entweder mit Kooperationsprojekten im Inland oder sogar im Ausland sagen können, einen Anteil dieser Plätze nehmen wir als zusätzliche und als Kinderarzt-Stipendien, die hinterher in Rheinland-Pfalz tätig sein könnten. Hier handelt es sich aber um zusätzliche Kollegen, und diese müssen in den Abteilungen zusätzlich eingestellt werden. Dazu braucht es dementsprechende Aufwüchse. Wir diskutieren aber hauptsächlich über den langfristigen Effekt einer solchen Quote. Ich will Sie nochmals darauf hinweisen, das Problem, das wir haben, müssen wir auch kurz- und mittelfristig lösen. Darüber haben wir in der Vergangenheit schon gesprochen. Sie müssen versuchen, die Medizinerinnen und Mediziner für die Pädiatrie in RheinlandPfalz beispielsweise auch zu begeistern. Sie müssen mit nennen wir es Start-, Stay-, und Comeback-Programmen arbeiten, um die Mediziner in den rheinland-pfälzischen Markt hineinzubekommen, damit sie Kollegen, die vielleicht nur in Teilzeit arbeiten, wieder für eine volle Beschäftigung gewinnen und sie gerade ausscheidenden Kollegen Rahmenbedingungen schaffen, die dazu führen, dass sie zumindest in Teilzeit auf einer 50-%-Stelle, auf einer Dreiviertelstelle noch länger dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und diese kurzfristig entstehende Lücke füllen. Über diese Dinge würden wir gerne noch in einer Anhörung sprechen. Wie gesagt, wir stehen der Quote nicht komplett ablehnend gegenüber, aber momentan ergeben sich für mich mehr Fragen hinsichtlich der Ausgestaltung der Quote, weil wir gerade im Unterschied zur Landarztquote über eine kleine Fachrichtung reden, über viel weniger Ausbildungsplätze, die wir in Rheinland-Pfalz zur Verfügung haben. Beispielsweise die letzten fünf Jahre: Wie viele Kollegen haben eigentlich die Urkunde „Fertiger Facharzt für Pädiatrie“ in Rheinland-Pfalz bekommen? Das waren in jedem Jahr zwischen 25 und 30 Kollegen. Das sind die, die jährlich fertig werden, 2020, 2021, 2022, 2023, 2024, 2025. In diesem Jahr sind es erst 13 bis 18, ich habe die genaue Zahl nicht im Kopf, aber wir werden auch am Ende des Jahres ungefähr bei 25, 30 Kollegen sein. Wenn wir da mit 15 jährlich reingehen, was vielleicht für den Laien auch so wenig wirkt, die wir über die Quote an der Uniklinik Mainz in den Markt bringen, dann frage ich mich: Wo? Wo bilden wir sie aus? Wer macht das, und was ist der Gewinn der Kliniken, die diese Kollegen ausbilden, wenn sie hinterher verpflichtend gehen? Eine Menge an Fragen, die wir lösen müssen. Da muss auch die Infrastruktur nach dem Studium dementsprechend dargestellt werden. Dazu sind wir bereit. Vielen Dank. (Beifall der CDU)

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