Dr. Stefanie Hubig
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich möchte die Gelegenheit nutzen, unseren rund 11.500 rheinland-pfälzischen Abiturientinnen und Abiturienten zu gratulieren, die in dieser und in der vergangenen Woche ihr Abiturzeugnis erhalten haben. Herzlichen Glückwunsch! Das ist super. (Beifall der SPD, der CDU, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der FDP und der Gruppe FREIE WÄHLER) Sie können jetzt bei diesem schönen Wetter im Mai oder Juni ihre Abifeier machen. Sie sind ganz frei, wann sie feiern. Ich wünsche ihnen jedenfalls eine super schöne Abifeier, egal, wie das Wetter ist. Ich habe im Sommer gefeiert, da hat es geregnet. Ich habe es überstanden. Die Schülerinnen und Schüler, die jetzt fertig geworden sind, haben einen großen Vorteil gegenüber ihren Altersgenossinnen und Altersgenossen in den anderen Bundesländern. Sie haben mehr Zeit. Sie haben Zeit, früher das Studium zu beginnen, von dem sie vielleicht schon lange wissen, dass sie das machen wollen. Sie haben Zeit, noch ein Praktikum für ihren Wunschberuf zu machen. Sie haben Zeit, Europa zu entdecken. Sie haben Zeit, Work and Travel zu machen, was viele tun, sich für andere einzusetzen, Menschen, Kultur und andere Dinge zu entdecken. Ich wünsche ihnen alles Gute dabei, und ich denke, dass der Erfolg, den sie in diesen nächsten sechs Monaten, bis sie anfangen zu studieren, eine Ausbildung zu machen oder vielleicht ganz etwas anderes zu tun, ihnen gewiss ist. Was haben wir damals 2001 gemacht? – Wir haben sechs Wochen weniger Unterricht gegen ein halbes Jahr mehr Zeit getauscht. Man kann im Sommersemester studieren. Es stimmt nicht, dass die meisten Studiengänge nicht im Sommersemester beginnen. Wir sehen, wie viele junge Leute in RheinlandPfalz im Sommersemester beginnen und dann ein halbes Jahr gewonnen haben. Alle haben gefordert – allen voran übrigens die CDU –, dass es endlich früher sein muss mit dem Abitur und man unbedingt G8 braucht, damit die jungen Leute früher in das Studium kommen. Vor 24 Jahren hat in Rheinland-Pfalz ein kluger Mensch eine kluge Idee gehabt und gesagt, wir machen kein G8, sondern wir ziehen es vor, wir entschlacken die Lehrpläne, wir verringern die Zahl der Kursarbeiten im Prüfungsjahr, weil es dann nur noch ein Kurshalbjahr ist. Gleichzeitig starten wir schon in der 11. Klasse in die Kursphase, sodass unsere Schülerinnen und Schüler, die dann im März fertig sind, in der 11. Klasse schon mehr Unterrichtsstunden in den schriftlichen Abiturfächern haben. Es ist kein Qualitätsverlust. Wir sehen das im Übrigen auch an den Ergebnissen. Es gibt keine Probleme mit den winterlichen Verhältnissen. Das sehen wir an den Krankheits- und Wiederholerzahlen. Die sind nicht höher oder geringer als bei anderen. Es funktioniert. Abitur zu schreiben, ist anstrengend. Alle Prüfungen zu schreiben, ist anstrengend. Ich glaube, wir kennen es, jedenfalls die meisten von uns. Immer dann, wenn die Prüfung ansteht, denkt man sich: Hätte ich doch noch drei oder sechs Wochen, dann wäre alles anders und alles viel einfacher. Ich sage Ihnen aber eines: Wenn wir die Prüfung sechs Wochen nach hinten legen würden, dann würden sich die meisten ähnlich fühlen, glaube ich. Es ist gut und richtig, dass wir das so gemacht haben. Es ist gut, dass man damals nicht der CDU gefolgt ist und gesagt hat, wir machen G8. Dann wäre die Situation wie in vielen anderen Bundesländern gewesen. Man hätte von G8 auf G9 und wieder zurück, hin und her gewechselt. Das ist in RheinlandPfalz nicht gewesen. Wir haben nie Diskussionen über das Abitur gehabt. Es hat gut und geräuschlos funktioniert. Ich kann eines sagen: Das ist richtig und der richtige Weg. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Wir wollen, dass unsere jungen Leute Zeit haben, um vielleicht gar nichts zu machen. Ich finde, das ist eine Alternative, die ich jungen Leuten für eine gewisse Zeit zugestehe, wenn sie dann im Sommer oder im Herbst anfangen, eine Ausbildung oder ein Studium aufzunehmen. Ich glaube, es ist der richtige Weg. Es funktioniert. Es funktioniert übrigens auch für die Lehrerinnen und Lehrer; denn es ist mitnichten so, dass sie mehr arbeiten müssen. Das, was sie vorher mehr arbeiten müssen, können sie dann, wenn die Schülerinnen und Schüler ab März nicht mehr in der Schule sind und keinen Unterricht mehr haben, wieder einsparen, sodass es unterm Strich genau die gleiche Unterrichtsbelastung bleibt wie bei allen anderen. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
