Gordon Schnieder
Ne, ne! Das war kein Spaß!) Dann geht man so die Jahre weiter durch, und dann erinnere ich mich an meine ersten Tag im rheinland-pfälzischen Landtag als Mitarbeiter des damals bildungspolitischen Sprechers von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Nils Wiechmann. Was war die große Diskussion? – Die Schüler sind viel zu lange in der Schule und im Bildungssystem und sollen schneller in die Wirtschaft kommen. Es kam eine CDU-Bildungsministerin – ich glaube, Annette Schavan war die erste –, ein CDU-Bildungsminister nach dem nächsten und hat G8 eingeführt. Es konnte gar nicht schnell genug gehen. (Abg. Sven Teuber, SPD: Genau! – Zuruf des Abg. Marcus Klein, CDU) Jetzt wird es ein bisschen schwierig für mich, weil ich damals dem Kollegen immer die Reden vorbereitet habe, dass wir für G9 sind und auf jeden Fall daran festhalten wollen und dass das übertrieben sei. Rheinland-Pfalz ist damals diesen Weg gegangen, um die G8 zu vermeiden, und hat gesagt, wir gehen auf dieses Modell 8,5. Jetzt hat die Zeit gezeigt, G8 ist gnadenlos gescheitert. Fast alle Länder, die auf die kompletten G 8 gegangen sind, gehen wieder zurück auf die G9, so auch jetzt die rheinlandpfälzische CDU. Gut, hätte man damals auf uns gehört, hätten wir heute nicht die Diskussion (Vereinzelt Heiterkeit im Hause) und ich könnte jetzt ein bisschen früher meinen Geburtstag feiern. Haben wir nicht gemacht. Jetzt haben wir aber ein System vor über 20 Jahren eingeführt. Es ist ja nicht nur so, dass alle nach 8,5 Jahren Abitur machen. Das ist der Regelfall, aber wir haben eben auch die G8Ganztagsgymnasien. Wir haben aber auch immer noch G9Schulen, an Berufsschulen, zum Teil an privaten Schulen gibt es G9Abitur. Gibt es hier auch, funktioniert alles. Ich bin immer ein großer Fan von einer gewissen Wahlfreiheit und Individualität. Jetzt aber per Landtagsantrag zu sagen „Puff! Wir wollen wieder zurück zu G9!“ ist, glaube ich, sehr, sehr unterkomplex in einem bestehenden System. Ich glaube nicht, dass die entscheidende Frage am Ende ist: Hat man sein Abiturzeugnis irgendwann an Ostern oder Pfingsten? (Abg. Dr. Oliver Kusch, SPD: Abi-Feier!) Sondern die entscheidende Frage ist, welche Unterrichtsinhalte wir in welchen Jahrgangsstufen entsprechend verteilen. Die eigentliche Verkürzung hat in der Mittelstufe stattgefunden, die Verdichtung. Darüber muss man mit Ruhe reden. Ich glaube auch, es ist ein Unterschied, ob wir über verbundene Ganztagsschulen oder Halbtagsunterricht reden. Es ist, glaube ich, auch eine unterschiedliche Frage, ob wir über ein System reden, das ein differenziertes, gegliederte Schulwesen beinhaltet, oder über ein Gesamtschulsystem. Sie müssen auch sagen, wie Sie mit Personaleinsatz umgehen, wenn Sie das verändern wollen. Machen Sie das mit dem bestehenden Personal und einer entsprechenden Arbeitsverdichtung, oder wollen Sie zusätzlich Personal einstellen? Ab welchem Jahrgang soll das überhaupt geschehen? (Abg. Gerd Schreiner, CDU: Das verstehe ich jetzt nicht! Ist das ein Sparmodell für Personal?) Es sind also sehr, sehr, sehr viele Fragen offen, und ich habe ehrlicherweise im Moment nicht den Handlungsdruck im System zu sagen – ich halte es auch für unrealistisch –, dass man das von heute auf morgen ändert. Ich kann mir schon vorstellen, dass man noch einmal darüber nachdenkt, ob man die eine oder andere Modellschule in der Zukunft an den Start bringt, ob das mit G9 wieder akzeptiert werden würde. Es gibt aber mittlerweile genauso eine Akzeptanz für die 8,5. Auch wenn wir sie damals kritisiert haben, muss ich das sehen und anerkennen. Daher ist dieser Antrag zum jetzigen Zeitpunkt eben nicht zielführend (Abg. Marcus Klein, CDU: Richtiger Antrag zur richtigen Zeit!) in einer doch immer wieder spannenden Diskussion. Ich bin gespannt zu betrachten, welche Position die CDU dazu in 20 Jahren einnimmt. Herzlichen Dank. (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP)
