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Matthias Lammert

03.04.2025 Sitzungen 18/85

Nächster Redner ist Abgeordneter Schwab für die Gruppe FREIE WÄHLER. Abg. Helge Schwab, Gruppe FREIE WÄHLER: Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn ein Satz Antrag fast zwei Seiten Begründung benötigt, ist das, um was es geht, sicherlich nicht einfach zu erklären. Diese Relation ist zugegeben originell. Auf den ersten Blick erscheint die ausführliche Darstellung der Probleme, die wir in unserem rheinland-pfälzischen Bildungssystem haben, angebracht. Doch bei näherer Betrachtung führt der eigentliche Antrag aus meiner Sicht auf die falsche Spur. Zweifellos haben Pädagogen in Bayern bei der Grundschulempfehlung mehr Einwirkungsmöglichkeiten als in Rheinland-Pfalz. Auch gibt es mit einem Notendurchschnitt von 2,33 striktere Vorgaben für den Besuch eines Gymnasiums. Doch so strikt, wie das Gesetz erscheint, ist es beim Blick auf die Details eben nicht; denn auch in Bayern können Eltern im Zweifelsfall erreichen, dass ihre Kinder zur Probe am Unterricht eines Gymnasiums teilnehmen. Das ganze System beruht eben nicht auf bewusster, starrer Selektion. Auch das bayerische Schulsystem ist auf Durchlässigkeit ausgelegt. Es wurde aus der Erkenntnis heraus konzipiert, dass junge Menschen einen unterschiedlichen Entwicklungsverlauf haben. Am Rande sei angemerkt, dass in Bayern mit Anna Stolz eine Freie Wählerin im Amt ist, deren Leistungen bundesweit fraktionsübergreifend anerkannt sind. Doch schauen wir auf Rheinland-Pfalz, wo befriedigende Leistungen in den Kernfächern Voraussetzung für den Übergang ans Gymnasium sind. Bekanntlich obliegt bei uns nicht Lehrern und Konferenzen, sondern den Eltern die verbindliche Entscheidung für den Weg ihrer Kinder. Dass Eltern nicht selten zu viel von ihrem Nachwuchs erwarten, liegt in der Natur der Sache. Doch genau deshalb wurde schon vor Jahrzehnten das Instrument der Orientierungsstufen geschaffen, in denen gegebenenfalls Nachjustierungen vorgenommen werden können. Selbst wenn es zu einer Rückstufung an eine Realschule plus kommt, ist das keine Katastrophe, ganz im Gegenteil. Das rheinland-pfälzische Bildungssystem ist so durchlässig, dass junge Menschen alles erreichen können, wenn sie es wollen und Eignung und Leistung stimmen. Welcher Weg ist also der richtige? Ist es sinnvoll, die Schrauben fester zu ziehen und dem bayerischen, thüringischen und brandenburgischen Weg zu folgen? – In 3 Minuten eine Antwort zu finden, ist nicht leicht. Untersuchungen haben zwar gezeigt, dass höherer Druck auch bei Grundschülern die Leistungsbereitschaft erhöht, allerdings in den meisten Fällen nicht ohne Nebenwirkungen, die sich in Form von Existenzängsten zeigen. Wir meinen, Schule muss Freude am Lernen bereiten und im besten Fall die Angst vor Rückschlägen nehmen. Wir brauchen allerdings ein Umdenken. Wir müssen die Eltern überzeugen, dass die Realschule plus und eine klassische Berufsausbildung oft der bessere Weg sein können. Kinder und Jugendliche sind nun einmal unterschiedlich talentiert. Der Weg übers Gymnasium und die Hochschule ist kein Erfolgsgarant für ein sorgenfreies Leben (Glocke des Präsidenten) – letzter Satz –, ganz im Gegenteil. Junge Menschen, die in einem System der Angst gefangen sind, werden nie gute Leistungen und Erfolge erzielen. Wir lehnen Ihren Antrag ab. (Beifall der Gruppe FREIE WÄHLER)

Protokoll ↗