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Gregory Scholz

SPD 03.04.2025 Sitzungen 18/85

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Herr Paul, dass Sie überhaupt die Zeit haben, hier und heute zu sprechen, freut mich. Ich habe das Gefühl, Sie kandidieren irgendwie gerade in fast ganz Rheinland-Pfalz, egal wo, egal ob mit Bezug zu den Menschen oder nicht, Hauptsache Posten, aber sei’s drum. (Beifall bei der SPD, bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP – Zuruf des Abg. Damian Lohr, AfD) Danke für Ihren Redebeitrag, zu dem ich gerne Stellung nehme. Ich danke tatsächlich für diesen Redebeitrag; denn er hat eindrucksvoll gezeigt, was Sie unter Leistungsgedanken verstehen, nämlich massiver Druck auf sehr junge Kinder. Wie es den Kindern dabei geht, ist Ihnen völlig egal. Die Meinung und der Wunsch der Eltern sind Ihnen völlig egal. Die Verantwortung und der Druck auf die Lehrkräfte sind Ihnen völlig egal. Ich sage Ihnen etwas. Uns ist es nicht egal. Für uns stehen Kinder, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer im Zentrum unserer Überlegungen. Ihr Antrag spricht davon, die Leistungsgerechtigkeit, die Gerechtigkeit zu stärken. Gerecht ist hier aber gar nichts. Der Antrag ist ungerecht gegenüber den Grundschullehrerinnen und -lehrern, die zu einem solch frühen Zeitpunkt in der Entwicklung eines Kinds abschließend entscheiden müssen, wie es für ein Kind weitergeht. Sie drücken den Kolleginnen und Kollegen die Verantwortung für den Werdegang eines solch jungen Kinds einfach aufs Auge. Der Antrag ist ungerecht gegenüber den Eltern, die ihr Kind am besten kennen und von Ihnen in einer zentralen Entscheidung im Leben ihres Kinds einfach entmündigt werden. Sie entmündigen Eltern bei dem Wichtigsten, was sie haben, nämlich ihren Kindern. Dann unterstellen Sie den Eltern in diesem Land einen häufig übertriebenen Ehrgeiz. Das ist erst einmal ein unverschämtes Pauschalurteil, aber selbst wenn es Eltern gibt, die ihren Ehrgeiz auf die Kinder übertragen – die gibt es, das will ich an der Stelle gar nicht leugnen –, dann deklinieren wir das doch bitte einmal logisch durch. Wozu würde dieser übertriebene Ehrgeiz von Eltern in einem System mit verbindlicher Grundschulempfehlung denn führen? – Ich sage Ihnen, es würde zu Druck führen, zu noch mehr Druck auf sehr, sehr junge Kinder. Hier wird der Antrag zutiefst ungerecht, nämlich gegenüber den Kindern. Der Druck auf ein Grundschulkind, quasi ein Grundschulabitur bestehen zu müssen, wie sie es hier wollen, würde bei den meisten Kindern genau das Gegenteil bewirken. Kinder brauchen keinen Druck. Gerade in dieser Altersgruppe lernen sie spielerisch. Sie lernen mit Motivation und Geborgenheit. Ich habe nie Vokabeln beigebracht, indem ich gesagt habe: Lern bis morgen 40 Vokabeln. – Wir haben über Crêpes gesprochen, und dabei haben die Kinder quasi en passant Vokabeln zu Geschirr und weiß der Geier in der Küche gelernt. So macht man das, und nicht irgendwie mit hartem Druck und Sanktionen und Selektion. Kinder brauchen keinen Druck. Eine Kinderseele braucht Zuspruch und das Gefühl, Fehler machen zu können. Natürlich müssen auch besonders leistungsstarke Kinder die Möglichkeit haben, sich zu entfalten. Wir müssen ihnen aber eben auch die Zeit und den Rahmen geben, ihr Potenzial zu entdecken und zu heben. Das tun wir in Rheinland-Pfalz zum Beispiel durch eine vielfältige Schullandschaft und durch Beratung. Lehrer beraten die Eltern in Klasse 4, Stufenleitungen beraten vor dem Eintritt in die weiterführende Schule, Stufenleitung und Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer beraten in der Orientierungsstufe. Das ist wichtig, um als Schule mit dem Kind und mit den Eltern den richtigen Weg für ein Kind zu finden. Erwartungsdruck und Angst helfen hier nicht; denn Leistungsdruck – das scheinen Sie nicht verstanden zu haben – führt eben nicht zu mehr Leistung. Nein, meine Damen und Herren, Kinder brauchen Zeit. Sie müssen behutsam an Stress und Druck herangeführt werden, um sich orientieren zu können. Deswegen heißt die Orientierungsstufe auch Orientierungsstufe. Glückliche Kinder werden glückliche Erwachsene, und glückliche Erwachsene sind stressresistenter, und am Ende – das ist Ihnen anscheinend so wichtig – sind sie dadurch auch leistungsfähiger. Weil wir das so gut machen in Rheinland-Pfalz, sind die Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer auch so glücklich. Sie aber wollen keine glücklichen Menschen, (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) Sie wollen Neiddebatten, Sie wollen unglückliche Menschen; (Heiterkeit des Abg. Joachim Paul, AfD) denn die wählen dann vielleicht in ihrem Frust irgendwann extreme Parteien. Falls Sie es also noch nicht gemerkt haben sollten: Wir lehnen Ihren Antrag ab. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Steven Wink, FDP)

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