Matthias Lammert
Nächste Rednerin ist für die Gruppe FREIE WÄHLER Abgeordnete Lisa-Marie Jeckel. Abg. Lisa-Marie Jeckel, Gruppe FREIE WÄHLER: Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Der Schutz von Kindern ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Gesellschaft. Die Landesregierung hat in den letzten Jahren sicherlich einiges unternommen, um Fachkräfte besser auf das Thema „Gewalt“ vorzubereiten, doch lassen Sie uns ehrlich sein, die Strukturen im Kinderschutz sind da, aber sie müssen besser vernetzt werden und auf das Kindeswohl fokussiert sein. Ja, Rheinland-Pfalz hat gute Initiativen. Es gibt Fortbildungsprogramme und regelmäßige Veranstaltungen zu Kinderschutz und Gewaltprävention, aber – und das ist entscheidend – alle diese Maßnahmen greifen nur dann wirklich, wenn sie miteinander verbunden werden; denn was bringt der beste Kurs, wenn die Unterstützung im Ernstfall nicht nahtlos weitergeht? Es geht darum, mehr zu tun, als nur theoretische Bausteine anzubieten. Wir brauchen ein besseres Netzwerk, eines, das den gesamten Prozess des Kinderschutzes abdeckt und das Kindeswohl konsequent in die Mitte stellt. Was fehlt, ist eine umfassende, ganzheitliche und interdisziplinäre Vernetzung. Einzelmaßnahmen reichen nicht, wenn Kinder betroffen sind. Was wir brauchen, sind Fachkräfte, die Hand in Hand arbeiten, und zwar schnell, kompetent und unbürokratisch. Diese Vernetzung sollte aber nicht nur, wie in der Antwort auf die Große Anfrage dargestellt, in der Präventionsarbeit vorhanden sein, sondern auch während der Ermittlungen und besonders in der Nachbereitung. Beispiele dafür sind die Childhood-Häuser. Diese Einrichtungen haben sich bewährt. Alle relevanten Fachkräfte sind an einem Ort. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, und das Wohl des Kindes steht immer im Fokus. Was tun wir? – Hierbei bleibt die Landesregierung unentschlossen. Es wurde zwar eine Arbeitsgruppe im Rahmen des Pakts gegen sexualisierte Gewalt ins Leben gerufen, aber konkrete Maßnahmen oder ein Pilotprojekt – etwa an der Universitätsmedizin Mainz – lassen nicht nur auf sich warten, nein, die Ampel-Fraktionen lehnten ein Pilotprojekt sogar ab. (Abg. Josef Winkler, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Na, na, na!) Stattdessen heißt es: Wir müssen mehr tun, aber wir müssen erst einmal schauen. Warten wir einmal ab. Wir beraten uns. Vielleicht machen wir etwas Eigenes, und eigentlich sind wir doch schon ganz gut. – (Abg. Josef Winkler, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Völlig daneben!) Das ist nicht gut genug, wenn es um den Schutz unserer Kinder geht. (Beifall der Gruppe FREIE WÄHLER und der CDU) Während wir abwarten und abwägen, sind Kinder in Not. Liebe Landesregierung, Sie müssen das Rad doch nicht neu erfinden. Ein Childhood-Haus wäre eine enorme Stärkung für unser System, und es wäre die Chance, bestehende Strukturen sinnvoll zu ergänzen; (Zuruf des Abg. Josef Winkler, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) denn das brauchen wir: ein starkes Netzwerk, das sich am Kindeswohl orientiert und im Ernstfall schnell und flexibel handeln kann. (Abg. Josef Winkler, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Kinderschutzdienste, schon einmal gehört?) Es reicht nicht, über Fortbildungsangebote zu sprechen. Die Strukturen, die wir haben, sind gut, aber sie sind nicht genug. Wir dürfen uns nicht mit dem Status quo zufriedengeben. Es ist an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen: die Vernetzung vertiefen, die Effizienz steigern und vor allem das Kindeswohl über alles stellen. Deshalb appelliere ich an die Landesregierung, gehen Sie die Einführung von Childhood-Häusern an, nicht irgendwann, sondern jetzt. Die Ressourcen sind da. Das Personal ist da. Nutzen Sie es endlich. Vielen Dank. (Beifall der Gruppe FREIE WÄHLER und der CDU)
