Katrin Eder
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Es ist bereits vieles gesagt, aber zu einem muss ich doch noch einmal reagieren. Wir müssen mit unserem Wald so umgehen, dass er im Klimawandel überlebt. Die Diskussion über den Klimawandel ist mir tatsächlich ein bisschen zu kurz gekommen. Deswegen bin ich Herrn Schwab dankbar, der den Wassermangel angesprochen hat. Seit 2018 waren die ersten Hitze- und Dürrejahre, die unserem Wald zugesetzt haben. Seitdem kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Schadenshöhe, die seitdem fortbesteht. Die Zeitreihen sind im Waldzustandsbericht aufgenommen, und wir sehen, dass wir Jahr für Jahr das Problem mit zu wenig Wasser haben und dass auch die wasserreichen Jahre einfach nicht ausreichen, um dieses Wasser wieder aufzufüllen. Hinzu kommen veränderte Vegetationszeiten usw. Wir müssen dem Wald die besten Möglichkeiten geben, resilienter zu werden, und dafür brauchen wir Geduld. Wir brauchen Beharrlichkeit – das ist eine Generationenaufgabe –, und wir brauchen unsere naturnahe Waldbewirtschaftung. Das ist die Botschaft, die sich aus dem Waldzustandsbericht 2024 ergibt. Seit 40 Jahren gibt es den Waldzustandsbericht, und ja, die Ergebnisse sind besorgniserregend. 87,5 % der Bäume in den rheinland-pfälzischen Wäldern sind geschädigt. Der Anteil der deutlich geschädigten Waldbäume erreicht mit rund 53 % den höchsten Wert, der in den vergangenen 40 Jahren erhoben wurde. Bei Eiche und Buche wurden Verschlechterungen des Kronenzustands festgestellt. Insgesamt wurden nur noch an 3,2 % der Eichen keine Schadmerkmale gefunden. Bei der Buche liegt dieser Anteil bei 9,9 %. An der Fichte ging der Borkenkäferbefall weiter. Mit 6,0 % ist die Ausscheiderate das sechste Jahr in Folge überdurchschnittlich hoch. Was aber auch gesagt werden muss: Trotz der aktuell besorgniserregenden Vitalität gibt es auch gute Nachrichten. Dass wir in Rheinland-Pfalz auf einem guten Weg sind, den Wald klimafest zu machen, belegen nämlich die Ergebnisse der Bundeswaldinventur, die nur alle zehn Jahre stattfindet. Sie zeigen, unser Wald in Rheinland-Pfalz ist naturnäher und vielfältiger geworden, hat in den vergangenen zehn Jahren mehr CO gebunden, als er ausgestoßen hat, und der Holzvorrat hat zugenommen. Der Wald erfüllt also weiterhin seine Funktionen, und zwar auch die als CO -Senke. Im Wald sind derzeit 91,2 Millionen Tonnen Kohlenstoff in lebenden und toten Bäumen gespeichert. Damit hat sich die gesamte oberirdische Kohlenstoffmenge im Wald um insgesamt 4,67 Millionen Tonnen erhöht. Der Wald war in der Gesamtbilanz der letzten zehn Jahre eine CO -Senke mit einer Absorption von 1,7 Millionen Tonnen CO pro Jahr. Jetzt haben wir eine Aufgabe. Es muss uns nämlich gelingen, die entstandenen Kahlflächen neu zu bewalden und die anwachsenden Baumgenerationen in die Hauptwachstumsphasen zu bringen. Dann kann nämlich auch die Senkleistung künftig wieder steigen. Damit das gelingt, müssen wir nachwachsende Bäume schützen. Dazu gehört – Herr Weber hat es auch sehr ausführlich gesagt – eine effiziente Jagd, die Wildschäden begrenzt und so ihren Beitrag zum Walderhalt leistet. Herr Ludwig, Sie haben gesagt, es wird ja so gut gejagt. Dazu gibt es auch unterschiedliche Auffassungen, wenn man sich im Land umhört. Da gibt es Regionen, da geht das besser, und es gibt Regionen, da geht das schlechter, und da haben wir Probleme. Gehen Sie doch einmal mit Försterinnen und Förstern durch den Wald und schauen sich an, wie die Probleme bei der Naturverjüngung aussehen. Wir setzen auf Naturverjüngung, weil wir in unserem Wald naturnäher und vielfältiger werden wollen, weil er dann umso widerstandsfähiger ist, auch in Zeiten des Klimawandels. Daher müssen wir insbesondere vor dem Hintergrund seines schlechten derzeitigen Gesundheitszustands weiterhin die naturnahe Waldentwicklung konsequent umsetzen, inklusive der Schaffung von effektiven gesetzlichen Rahmenbedingungen. Ich muss es jetzt einfach einmal sagen, hier ist heute wirklich die ganze Bandbreite und einiges, was ich noch einmal richtigstellen muss, genannt worden. Herr Ludwig, in dem Programm des klimaangepassten Waldmanagements konnte man keine Neuanträge mehr stellen. Im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz aus dem Bundesumweltministerium gibt es jetzt aber das „Klimaangepasste Waldmanagement PLUS“. Es wird deswegen fortgeführt. Wir sollten also den Waldbesitzenden nicht suggerieren, dass diese guten Förderbedingungen, zu denen wir über das Gemeinschaftsforstamt sehr gut beraten, ausgelaufen wären. Dann höre ich heute Antworten: Jetzt holen wir das ganze Totholz heraus, um es zu verbrennen. Wir müssen mehr Holz bewirtschaften, wir müssen mehr Holz machen. Stilllegung ist nicht die Lösung. – Wir stehen – ich glaube, das ist auch anerkannt – für Holznutzung, insbesondere für die sto ffliche Holznutzung. Wir brauchen aber auch die Eigenentwicklung unseres Waldes und die Naturverjüngung. Die Pflanzen sind sehr viel widerstandsfähiger. Es ist naturnäher, gerade in Zeiten des Klimawandels. Deswegen freue ich mich wirklich sehr, dass wir in Rheinland-Pfalz solch hohe Anerkennung bekommen haben, dass Försterinnen und Förster aus Rheinland-Pfalz letztes Jahr die NABU-Waldmedaille verliehen bekommen haben. Auch der Bodenschutzpreis 2024 ist an Landesforsten Rheinland-Pfalz gegangen. Das heißt, wir werden hoch anerkannt mit der Art, wie wir in Rheinland-Pfalz mit unserem Wald umgehen, nämlich einen gesunden Mittelweg zwischen den ökologischen Erfordernissen und der Holznutzung zu gehen. Darauf sind wir sehr stolz. Ich möchte mich auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken, die dieses Jahr wieder den Waldzustand erhoben haben, aber auch hier, weil es immer wieder nötig ist, das Thema „Wald“ im Landtag zu debattieren. Danke dafür. Es ist gut zu wissen, dass der Erhalt des Waldes in diesem Hause auch breit getragen wird. Vielen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP)
