landtag-rlp.de ↗

Fabian Ehmann

GRÜNE 30.01.2025 Sitzungen 18/81

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Stellen wir uns vor, wir machen einen gemeinsamen Spaziergang durch einen unserer rheinland-pfälzischen Wälder. Die Luft ist frisch und klar, die Vögel zwitschern, aber wir sehen es, die Flächen sind kahl. Wo einst stolze, große, lebendige Bäume standen, sehen wir jetzt vertrocknete Äste und Kahlflächen. Unser Wald, das grüne Herz in Rheinland-Pfalz, schlägt schwächer. Der aktuelle Waldzustandsbericht für Rheinland-Pfalz ist alarmierend: 87 % unserer Bäume sind geschädigt. Das ist ein Anstieg von drei Prozentpunkten zum Vorjahr. Besonders erschreckend ist, dass mehr als die Hälfte der Bäume stark geschädigt sind. Das ist der höchste Wert der vergangenen 40 Jahre, der gemessen wurde, und das trotz reichlicher Niederschläge im letzten Jahr. Die Gründe sind uns bekannt. Die Klimakrise mit ihren Extremwetterereignissen, anhaltende Dürreperioden haben zur Folge, dass die Bäume von Schädlingen wie dem Borkenkäfer zersetzt werden. Das setzt unseren Wäldern massiv zu. Im Jahr 2024 haben wir global erstmals die 1,5GradMarke zur Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter überschritten. Wir spüren die Folgen in unserem Wald hier vor Ort in Rheinland-Pfalz ganz konkret. Dabei brauchen wir unsere Wälder mehr denn je. Sie sind nicht nur Heimat für unsere unzähligen Tier- und Pflanzenarten, sondern sie sind auch ein unverzichtbarer Verbündeter im Kampf gegen die Klimakrise. Unsere Wälder in Rheinland-Pfalz speichern aktuell insgesamt 91,2 Millionen Tonnen Kohlenstoff. Sie sind natürliche Klimaanlagen, die unsere Städte und Dörfer abkühlen. Sie schützen vor Erosion, speichern Wasser und puffern Starkregen ab. Zudem sind unsere Wälder ein wichtiger, relevanter Wirtschaftsfaktor. Über 50.000 Arbeitsplätze hängen in unserem Bundesland direkt oder indirekt vom Wald ab, und die Wälder liefern uns den nachhaltigen Rohstoff Holz für unsere Häuser und Möbel. Was also tun? – Wir müssen weiterhin die naturnahe Waldbewirtschaftung fördern und fordern, wie wir es bei Landesforsten seit über 30 Jahren tun. Wir setzen auf klimaresiliente Mischwälder, Mischwälder statt anfällige Monokulturen; im Staatswald gehen wir mit der FSCZertifizierung aller Landeswälder mit gutem Beispiel voran. Mit dem Forschungsprojekt „Klimawald 2100“ investieren wir in die Zukunft. Wir wollen bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft forschen und herausfinden, welche Baumarten und Bewirtschaftungsmethoden unseren Wald für die Herausforderungen der Klimakrise klimafit machen. Im aktuellen Doppelhaushalt zeigen wir, wir nehmen viel Geld in die Hand, um den Wald von morgen zu gestalten und umzubauen. Gleichzeitig sichern wir die Fachkompetenz und das Personal bei Landesforsten. Mit 30 zusätzlichen Ausbildungsplätzen jährlich bekämpfen wir den Fachkräftemangel und stärken die Expertise für die notwendige Klimaanpassung unserer Wälder. Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrter Herr Präsident, in Zeiten, in denen manche die Uhr wieder zurückdrehen wollen, ist es wichtiger denn je, dass wir unsere Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer vor Ort mehr unterstützen. Deswegen haben wir im Doppelhaushalt die kostenfreie Beratung durch die Gemeinschaftsforstämter weiterhin verankert. Das ist ein wichtiger Schritt. Ich appelliere an alle. Lassen Sie uns gemeinsam für unseren Wald einstehen und kämpfen. Unterstützen wir unsere Försterinnen und Förster und die Waldbesitzer, seien es die kommunalen oder die Privatwaldbesitzer vor Ort. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns vor Ort für eine nachhaltige, klimaangepasste Waldbewirtschaftung einsetzen. Gerade die Privatwälder haben bei der FSCZertifizierung noch deutlich Luft nach oben. Lassen Sie uns uns gemeinsam einsetzen für eine nachhaltige, klimaangepasste Waldwirtschaft. Vielfalt macht unsere Wälder stärker und widerstandsfähiger im Kampf gegen die Klimakrise. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP) Als waldreichstes Bundesland gehört der Wald zu unserer Identität wie der Rhein, der Wein, die Fastnacht oder die Landwirtschaft. Er ist unser Erbe und unsere Verantwortung. Deswegen müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass auch unsere Kinder und Enkel noch durch gesunde, vielfältige und vitale Wälder spazieren können. Waldschutz ist Klimaschutz, und Klimaschutz ist Waldschutz. Eines ist klar: Nur ein gesunder und widerstandsfähiger Wald kann uns vor den Folgen der Klimakrise schützen. Das können wir nur gemeinsam schaffen. Packen wir es an, für den Wald, für das Klima und unsere Zukunft. Danke schön. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP)

Alle Reden von Fabian Ehmann Protokoll ↗