Michael Ludwig
Herr Präsident, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Eben ist schon gesagt worden, der Waldzustandsbericht 2024 ist keine Entwarnung. Die Schadmerkmale sind weiter angestiegen, und trotz ausreichender Niederschläge haben wir Stress im Wald. Die fast schon traditionelle Aussprache zum Waldzustandsbericht des Vorjahres wirkt ein wenig so wie bei „Täglich grüßt das Murmeltier“. Der Wecker klingelt, man wird wach. Der Waldzustandsbericht ist da; dem Wald geht es schlecht. Das Jahr geht vorbei. Im Folgejahr klingelt der Wecker. Der Waldzustandsbericht ist da, man wird wach. Leider ist es aber eher ein Drama als eine Komödie. Natürlich werden die Zahlen überarbeitet, natürlich gibt es lobenswerte Sonderpassagen im Bericht, aber alle guten Zustandsbeschreibungen nutzen nichts, wenn Verbesserungs- und Umsetzungsstrategien fehlen oder zu wenig vorgebracht werden, und zwar konkrete. Auch wenn das nicht so sehr relevant ist, Frau Ministerin: Ihre Begeisterung zu den Umsetzungen im Wald kommt nicht dadurch zum Ausdruck, dass 40 % des Vorworts wortidentisch zum Vorjahr sind. Irgendwo hat man das Gefühl, in einer Mühle zu sein, aber auch darum geht es nicht. Es geht um Handlungen, und zwar darum, dass wir den nächsten Waldzustandsbericht nicht einfach wieder abwarten, Ideen entwickeln, wie Verbesserungen umgesetzt werden können. Wir haben das eine oder andere schon gehört: Naturverjüngung, Bodenkalkung, Schutz vor Borkenkäfern und Verzicht auf Kahlschläge, konsequente Bejagung. All das machen wir schon. Das sind Dinge, die die Forstämter in den Wäldern umsetzen. Die Bemühungen reichen aber eben leider noch nicht aus. Wir stellen aber auf der anderen Seite fest, das Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ ist im letzten Jahr bedauerlicherweise eingestellt worden – vorher hochgelobt. Dann wurde im Oktober gesagt, dass alle Anträge rückwirkend ab Januar leider Gottes nicht mehr bewilligt werden können. Dann fällt der Wald auch als Helfer bei den Klimaschutzzielen aus. Das ist eine bittere Erkenntnis im Rahmen der vierten Bundeswaldinventur. Unsere Wälder geben zurzeit aus unterschiedlichen Gründen mehr Kohlenstoff ab, als sie aufnehmen können. Der Wald in Rheinland-Pfalz hat in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 1,7 Millionen Tonnen CO absorbiert. Das ist deutlich weniger, als für die Klimaneutralität im Jahr 2040 benötigt wird; denn 5 Millionen Tonnen pro Jahr waren erwartet. Damit wäre leider dieses Ziel kassiert, und die Wälder als wichtiger Helfer für die Klimaziele dienen nur deutlich geringer, wenn überhaupt. Die Experten machen uns wenig Mut. Sie sagen, dass ein weiterer Kohlenstoffvorratsanstieg im Wald wie bisher für die Zukunft nicht erwartet wird. Mir fehlt ein wenig Dynamik, Projekte nach vorne zu bringen und sich aktiv für Veränderungen einzusetzen, auch wenn manche Dinge erst einmal nur Modellcharakter hätten. Wir müssen unseren Wald umbauen, ja. Wir müssen den Wald nachhaltig nutzen, ja. Wir dürfen unseren Wald aber vor allen Dingen nicht sich selbst überlassen. (Beifall der CDU) Nur konsequente Waldbewirtschaftung ist unserer Meinung nach echter Klimaschutz. Hierzu einige wenige Beispiele, über die es sich nachzudenken lohnt: Wir müssen deutlich schnellere Flurbereinigungsverfahren in unsere Wälder bekommen; denn dadurch verschwinden ungenutzte und unbewirtschaftete Flächen. Wir haben ein Problem mit Kleinparzellen im Wald, bei denen die Eigentumsfrage nicht geklärt ist und die Flächen brachliegen. Zudem könnte der Holzbau deutlich stärker unterstützt werden, (Beifall bei der CDU) als das bislang der Fall ist, beispielsweise im sozialen Wohnungsbau, in dem Holzbauten deutlich stärker gefördert werden könnten als konventionelle Bauten. Wir müssen hochwertiges Holz in erster Linie stofflich nutzen, in langlebigen Produkten, als Bauholz, und die fossilen Brennmaterialien stärker ersetzen. Sehr geehrte Frau Ministerin, Rheinland-Pfalz ist relativ gesehen das baumreichste Bundesland. Rheinland-Pfalz sollte auch das holzbaureichste Bundesland werden. Die Landesregierung würde vielleicht sagen quasi „Goldstandard im Holzbau“. (Beifall bei der CDU) Das wäre einmal ein echtes Ziel, das dem Wald nutzt, das dem Klima nutzt und das der rheinland-pfälzischen Wirtschaft nutzt. Vielen Dank. (Beifall der CDU)
