Ellen Demuth
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Wie Sie wissen, haben wir sechs Tage vor Weihnachten. Ich möchte über ein Thema sprechen, das mir in diesen Tagen sehr am Herzen liegt. Am 22. November 2023 wurde Ganka Yordanova in Koblenz ermordet. Sie hat in der Prostitution gearbeitet. Sie wurde ermordet von ihren Zuhältern. Sie kam aus Bulgarien und wurde als Zwangsprostituierte zu uns nach Deutschland gebracht. Niemand hat sich um sie gekümmert. Keiner wollte sie beerdigen, noch nicht einmal ihren Namen kannte jemand. Es gibt eine Organisation im Norden von Rheinland-Pfalz, die heißt Schattentöchter e. V., eine kirchlich getragene Organisation. Sie hat schlussendlich die Beerdigung von Ganka organisiert. Diese Beerdigung war am 29. Dezember. Ich war bei dieser Beerdigung dabei. Es war ein ganz ergreifender Tag. Es waren nicht nur Menschen aus ganz Koblenz und Umgebung gekommen, es waren auch die Polizeibeamten gekommen, die damals Ganka in der Wohnung der Zuhälter gefunden hatten, und alle Menschen, die irgendwie an diesem Fall beteiligt waren. Die Tragik dieses Tags und dieses Falls zeigt, wir müssen auf diesem Gebiet mehr tun, meine Damen und Herren. Wir haben über 200 gemeldete Prostituierte allein in Koblenz, die auch jetzt gerade in diesem Moment unter Zwang in der Prostitution arbeiten, über Weihnachten in der Prostitution arbeiten. Es steigert sich von Monat zu Monat, auch wenn Ereignisse stattfinden wie Fußballspiele, Europameisterschaften und Ähnliches. Da darf man sich nichts vormachen. Deshalb bin ich sehr froh, dass dieser gemeinsame Antrag – mein ausdrücklicher Dank geht an dieser Stelle an Ministerin Binz, Staatssekretär Littig sowie stellvertretend für die Fraktionen an Frau Cornelia Willius-Senzer, Frau Stuppy und Frau Müller – zur Unterstützung dieser Hilfsorganisation gelungen ist. (Beifall bei der CDU, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Ich bin sehr dankbar, dass wir das heute gemeinsam auf den Weg bringen. Ich habe leider nicht viel Zeit, weil Kollege Wäschenbach noch sprechen möchte, aber ich darf Ihnen allen danken und möchte Sie bitten, meine Damen und Herren, kümmern Sie sich auch in Zukunft in diesem Haus um diese Anliegen. Diese Gruppe wird nicht gesehen. Die haben kein Gehör. Niemand spricht für sie, sie haben noch nicht einmal einen Namen, diese Menschen, die in der Prostitution arbeiten. Bitte schauen Sie dorthin. Es ist unsere Aufgabe, auch dieser Gruppe, der schwächsten Gruppe in unserer Gesellschaft, Hilfe zu geben und sich darum zu kümmern, dass diese Menschen nicht vergessen werden. Vielen Dank. (Beifall der CDU, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP)
