Dr. Stefanie Hubig
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich freue mich, dass wir heute über die Familiengrundschulzentren sprechen können. Ich freue mich sehr, dass alle demokratischen Fraktionen in diesem Landtag dieselbe Einschätzung haben. Familiengrundschulzentren sind gut, sie sind wertvoll, sie unterstützen Eltern und vor allen Dingen unterstützen sie die Kinder. Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. (Beifall der SPD sowie der Abg. Pia Schellhammer, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und Philipp Fernis, FDP) Wir haben uns vor zwei Jahren mit der Wübben Stiftung und natürlich mit den Kommunen – ohne die geht es nicht – gemeinsam auf den Weg gemacht. Wir haben in Koblenz, Ludwigshafen und Wittlich Familiengrundschulzentren. Wir hören von vor Ort, dass es gut ist, dass wir sie eingerichtet haben. Diesen Weg werden wir weitergehen; denn wir wollen für die Kinder, die von zu Hause mit einem schwereren Rucksack in die Schule kommen als andere, diesen Rucksack leichter machen. Wir wollen, dass alle Kinder gut lesen, schreiben und rechnen lernen, egal ob ihre Eltern viel oder wenig Geld verdienen, (Unruhe im Hause) ob sie in Deutschland oder woanders geboren worden sind, egal ob sie es im Leben gut getroffen haben oder nicht. (Glocke des Präsidenten) – Danke, Herr Präsident. Deshalb gehen wir in Rheinland-Pfalz neue Wege, um diesen Kindern zu helfen, die Unterstützung brauchen. Dazu gehört auch, dass wir immer mehr multiprofessionelle Teams einsetzen, dass wir einen verpflichtenden Grundwortschatz haben, (Zuruf des Abg. Joachim Paul, AfD) dass wir auf mehr Deutschunterricht in der Grundschule setzen, dass wir auf verpflichtende Lesezeiten jeden Tag und auch auf verpflichtende Leistungserhebungen in Lesen und Mathe setzen. Genau deshalb setzen wir auch auf die Familiengrundschulzentren. Sie sind ein Baustein in unserem Gesamtkonzept, um den Kindern am Anfang ihrer Bildungslaufbahn zu helfen, die Grundlagen für den Rest zu legen. Ich sage Ihnen ganz ehrlich, für mich und für die Landesregierung – ich habe den Eindruck, auch für alle demokratischen Fraktionen hier – gilt, jedes Kind verdient eine Chance im Leben, und zwar egal, wer seine oder ihre Eltern sind. (Beifall der SPD, bei der CDU sowie der Abg. Pia Schellhammer, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und Philipp Fernis, FDP) Die Familiengrundschulzentren verbinden verschiedene Unterstützungssysteme, die wir schon haben, wie Schulsozialarbeit, Angebote im Ganztag, Angebote der Jugendhilfe. So sollen sie maximal wirksam sein. Das ganze Umfeld an einer Schule wird so in den Dienst des Bildungserfolgs gestellt. Dabei kann es auch darum gehen, den Familien andere Unterstützungsmöglichkeiten jenseits der Schule aufzuzeigen, zum Beispiel weitere Bildungsoder Freizeitangebote oder auch die Möglichkeit, an einer Klassenfahrt teilzunehmen. Das ist natürlich sehr sinnvoll, weil Kinder aus benachteiligten Familien oft keinen leichten Zugang zu solchen Angeboten haben. Genau diese Angebote brauchen aber diese Kinder; denn es geht darum, dass man sie in ihrer Persönlichkeit, in ihren sozialen Kompetenzen weiterentwickeln kann, damit sie am Ende mit allen gemeinsam lernen können, damit sie nicht außen vor gelassen werden, damit sie später einen Abschluss machen und einen guten Anschluss finden. Um es einmal sehr anschaulich darzustellen: Die Eltern kommen in das Familiengrundschulzentrum, weil sie das schulische Angebot schätzen und ihre Kinder beim Lernen unterstützen wollen. Deshalb gibt es in Familiengrundschulzentren zum Beispiel Elternsprechstunden für Erziehungsfragen. Es gibt für Eltern auch Hilfen zur Gesundheitsprävention. Es gibt gemeinsame Sportund Bewegungsangebote, in denen Eltern mit Kindern die Zeit verbringen können. Es gibt auch Sprachkurse für Eltern. Wir wollen den Bildungserfolg der Kinder zu einer Gemeinschaftsaufgabe der gesamten Gesellschaft machen. Wir wollen auch die Eltern mit ins Boot holen, die die Zuversicht verloren haben. Wir wollen auch den Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen, die vielleicht einen schwierigen Weg haben. Wir wollen, dass Schulen für alle ein Ort des Miteinanders und der guten Erfahrungen sind. Wenn man den Antrag der AfD liest, dann sieht man, dass es ihr genau darum nicht geht. Sie will, wie immer, eine Gesellschaft, in der man sich trennt, in der man hasserfüllt und misstrauisch einander anschaut. (Heiterkeit des Abg. Dr. Jan Bollinger, AfD) Herr Paul, vielleicht sollten Sie einmal mit einem Ihrer Parteikollegen sprechen, der offenbar weniger ideologisch und weniger realitätsfremd als Sie ist. Ich zitiere einmal aus einer schriftlichen Anfrage an das Berliner Abgeordnetenhaus vom Februar 2023. Tommy Tabor heißt der Kollege. Sie kennen ihn vermutlich. Der hätte gerne Familiengrundschulzentren. Er sagt – ich zitiere mit Erlaubnis des Präsidenten –: Sie bilden eine Anlaufstelle für Familien und sozialräumliche Knotenpunkte. Familiengrundschulzentren können aus Sicht der AfD-Fraktion das Bildungsinteresse in den Familien stärken und der Elternaktivierung dienen. – (Unruhe bei der AfD) Ich kann Ihnen gerne die Nummer geben. Er setzt sich dafür ein. Vielleicht sollten Sie einmal mit ihm sprechen. Der scheint sehr viel klüger zu sein. Vielen Dank. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Philipp Fernis, FDP)
