Lisett Stuppy
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Anwesende! Kinder sind das Wertvollste, das wir haben. Was so abgedroschen klingt, kann nicht oft genug gesagt werden. Ihr Lächeln ist wertvoller als jeder Reichtum, und eine herzliche Umarmung ist unbezahlbar. Sie geben uns Hoffnung in dunklen Zeiten und sind uns Ansporn, weiter für eine bessere Zukunft zu kämpfen. Sie brauchen unseren Schutz, doch sind sie alles andere als zerbrechlich. Daher ist es unsere Aufgabe als Eltern, Kinder so frei wie möglich aufwachsen zu lassen. Lass sie gehen und hören, finden und fallen, aufstehen und irren hat bereits Pestalozzi uns Eltern geraten. Loslassen und ihnen Raum geben, eigene Erfahrungen zu machen, gute wie schlechte, ist ein Dauerbrenner unter Eltern und fällt alles andere als leicht. Gleichzeitig wollen wir nur das Beste für unsere Kinder und melden sie daher beim Fußballtraining, beim Ballett, beim Zeltlager oder der örtlichen Kirchengemeinde an. Ja, der Abschied fällt uns dann schwer. Wird es meinem Kind gut gehen? Wird es Spaß haben? Kommt es gesund wieder? Wir beruhigen uns, weil wir Trainerinnen und Trainer und Betreuerinnen und Betreuer kennen. Wie müssen sich diese Eltern fühlen, wenn ihre Kinder, das Wichtigste, das sie haben, gebrochen zurückkommen, schutzlos einer Gewalt ausgesetzt, die unsere Vorstellungen übersteigt? Wie müssen sich erst diese Kinder, die diese Form der Gewalt erfahren mussten, fühlen? Der Gedanke daran ist für mich als Mutter kaum aushaltbar. Umso mehr bin ich sehr dankbar und freue mich, dass unsere Kinder- und Jugendministerin Katharina Binz ein Aufwachsen ohne Gewalt zu ihrer höchstpersönlichen Agenda gemacht hat. Sie hat ihr Versprechen mit dem nun vorgelegten Pakt gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen wahr gemacht. (Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und bei der FDP) Ziel der Fachkommission und mit 180 Expertinnen und Experten war und ist es, die Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche noch wirksamer zu gestalten. Besonders dankbar bin ich in dem Zusammenhang für die Perspektiven des bundesweit einmaligen Betroffenenrats, die in den Pakt maßgeblich eingeflossen sind. Seine Aufgabe war alles andere als leicht, und doch waren es seine Perspektiven, die dem Pakt nun eine solche Wirkung verliehen haben. Vielen, vielen Dank dafür. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der FDP und vereinzelt bei der SPD) Im Rahmen des Arbeitsprozesses ist eine umfassende Sammlung von Empfehlungen zusammengekommen, die uns zeigen, was noch zu tun ist, und die vor allem ressortübergreifend umgesetzt werden müssen, weil es unser aller Aufgabe ist, dass Kinder ohne Gewalt aufwachsen können. Was sind die Maßnahmen? – Da wäre zum Beispiel der Zugang zu Therapieplätzen zu nennen, der zu verbessernde Schutz von Kindern im digitalen Raum sowie die Sensibilisierung unserer pädagogischen Fachkräfte für das Thema der sexualisierten Gewalt, und zwar schon von Beginn an; denn die Verantwortung dafür, Taten aufzudecken und Hilfe zu holen, darf nicht länger hauptsächlich bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen liegen. Nein, wir Erwachsene müssen einen Blick dafür entwickeln. Wir setzen neue Maßstäbe; denn wir sind es, die unsere Kinder schützen müssen. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Genau deshalb sind Kampagnen wie „Schieb deine Verantwortung nicht weg“ von unserer Bundesfamilienministerin so ungemein wichtig, damit Kinder und Jugendliche nicht mehr länger auf taube Ohren und blinde Augen treffen. Genau deshalb ist es so ungemein wichtig, dass sich unsere Schulen auf den Weg machen, Schutzkonzepte zu entwickeln. Doch dabei dürfen wir es nicht belassen. Die Fachkommission hat uns klar gesagt, wohin die Reise geht. Kinder sollen sicher aufwachsen. Das ist unsere Verantwortung. Packen wir es an! Vielen Dank. (Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD sowie des Abg. Philipp Fernis, FDP)
