Dr. Denis Alt
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Suizide sind – wir haben es gehört – deutschlandweit seit Jahren zwar rückläufig, 1980 waren es täglich noch rund 50 Menschen, 2021 rund 25, aber es bleibt natürlich Aufgabe der Gesellschaft, wenn möglich jedem einzelnen Suizid entgegenzuwirken. 2021 starben deutschlandweit 9.215 Menschen durch einen Suizid, 75 % davon männlich. In Rheinland-Pfalz lag die Zahl der Suizide im gleichen Jahr bei 366 männlichen und 119 weiblichen Personen. Als Risikofaktoren sind insbesondere psychische Erkrankungen wie affektive Störungen, zum Beispiel Depressionen, zu nennen. Männer haben ein erhöhtes Risiko. Ein höheres Alter ist ein Risikofaktor. Suizide in der Familie oder auch körperliche Erkrankungen, wenn sie mit chronischen Schmerzen einhergehen, können das Risiko erhöhen. Der Bund hat mit seiner nationalen Suizidpräventionsstrategie das Handlungsfeld aufgegriffen und kürzlich, nämlich im vergangenen Monat, ein Strategiepapier veröffentlicht. Ein bundesweites integriertes Vorgehen mit Beteiligung von Ländern und Kommunen erscheint deshalb absolut sinnvoll und wird von der Landesregierung unterstützt, weil sich der Handlungsbedarf für Betroffene, für Angehörige und Hinterbliebene nicht an Landesgrenzen festmacht und der Aufbau von Doppelstrukturen auf Bundes- und Landesebene nicht zielführend erscheint. Unabhängig von der nun veröffentlichten nationalen Suizidpräventionsstrategie existiert bereits jetzt ein sehr breites Netz von Anlaufstellen für Betroffene, Angehörige und Hinterbliebene. Die Anlaufstellen für Menschen in suizidalen Krisen müssen entsprechend der Vielschichtigkeit der zugrunde liegenden Lebenssituationen auch vielfältig sein. Einige Angebote sind schon genannt worden, zum Beispiel die wichtige TelefonSeelsorge, auch mit der Möglichkeit von E-Mail und Chatfunktion. Die Nummer gegen Kummer ist insbesondere bei Kindern und Jugendlichen als bundesweite Anlaufstelle zu nennen, aber auch weitere digitale Beratungsangebote wie Youth-Life-Line für Kinder und Jugendliche oder MANO Suizidprävention für Erwachsene. Meine Damen und Herren, Menschen mit psychischen Problemen oder Erkrankungen wissen in der Tat oft nicht, wo sie sich hinwenden sollen, wo sie Hilfe finden. Ihren Angehörigen kann es ebenfalls schwer fallen, sich einen Überblick zu verschaffen. Deswegen haben wir als Projekt der Landeszentrale für Gesundheitsförderung und mit fachlicher Unterstützung und Finanzierung des Ministeriums für Wissenschaft und Gesundheit das psychNAVi RheinlandPfalz eingerichtet und auf der neuen Website psychnavi-rlp.de online gestellt. Das psychNAVi Rheinland-Pfalz ist ein aktueller und nutzerfreundlicher Wegweiser, der das psychiatrisch-psychotherapeutische Hilfesystem in ganz Rheinland-Pfalz übersichtlich zusammenfasst. Ich empfehle Ihnen allen, da einmal reinzuschauen, auch wenn Sie überhaupt keine suizidalen Gedanken haben; denn nur wenn Sie das kennen, können Sie es auch Menschen empfehlen, die vielleicht in einer Krisensituation sind. Aus Zeitgründen kann ich auf die ebenfalls bedeutsamen Zielgruppenangebote für Familien und für Studierende hier nicht näher eingehen. Sie sehen aber bereits an dieser kleinen Aufzählung, dass es vielfältige Angebote gibt. Die Aufzählung ist, wie gesagt, noch lange nicht vollständig. Das ist wichtig; denn fast jeder dritte Mensch leidet im Verlauf seines Lebens irgendwann an einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung. Ich bin sehr froh darüber, dass diese Themen zunehmend offener – ja, so gesehen auch lauter – diskutiert und besprochen werden. Es braucht aber noch viel mehr Aufklärung und Information. Daran arbeitet auch die Landesregierung aus verschiedenen Perspektiven und mit diversen Akteurinnen und Akteuren. Das werden wir weiterhin tun, und wir freuen uns über viele Unterstützerinnen und Unterstützer bei dieser Aufgabe. Danke schön. (Beifall der SPD, des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie des Abg. Johannes Zehfuß, CDU)
