Steven Wink
Verehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Erst einmal danke, dass wir heute über dieses Thema sprechen. Es ist ein tief berührendes Thema. Es ist ein sensibles Thema, aber dennoch ein Thema, das auch in den Fokus der Öffentlichkeit gehört und das hier eingebracht werden soll. Mit dem Antrag beantragen Sie, bestehende Maßnahmen zu verstärken. Ich würde gerne zu Beginn ein bisschen reflektieren, dass neue Ideen auf ihre Effizienz, bevor sie in das bestehende System integriert werden, begutachtet werden sollten. Die Daten in Rheinland-Pfalz zeigen, dass die Anzahl der Suizide im Vergleich zu anderen Todesursachen relativ stabil ist. Wenngleich – das hat jeder Vorredner gesagt – jeder Fall natürlich einer zu viel ist. Die Maßnahmen zeigen aber – so sehen wir das –, dass das Unterstützungsnetzwerk gut unterwegs ist, aber natürlich in Zukunft auch besser werden muss. Jeder muss immer besser werden, das ist völlig klar. Einige Maßnahmen sind zum Beispiel die psychischen Gesundheitsdienste. Die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit wurde ausgebaut, einschließlich der Telefonseelsorge und der Rund-um-die-Uhr-Dienste. Zweitens: Aufklärung und Prävention. Kampagnen haben dazu beigetragen, das Bewusstsein und das Verständnis für Suizidanzeichen zu schärfen und gerade die vorhin schon angesprochene Stigmatisierung zu verringern. Oftmals ist es auch so, dass zum Beispiel eine Depression erst einmal gar nicht erkennbar ist, weil die Person heute eine sehr, sehr gute Stimmung hat, eine sehr, sehr gute Laune und sehr fröhlich ist und morgen quasi in ein Gefühlsloch hineinfällt. Drittens ist das natürlich die Unterstützung der Familien und der Angehörigen, gerade mit Beratungsstellen, die Hilfe bieten für Familien, um solche Krisen vorzeitig und frühzeitig zu erkennen und ernst zu nehmende Probleme aufzugreifen, auch wenn die Probleme anfänglich vielleicht klein aussehen mögen. Viertens sind das aber auch gerne Maßnahmen – das möchte ich hier anbringen – wie Housing First, um die Menschen, die auf der Straße leben, zu gewinnen, zu beraten, in das Beratungssystem zu bekommen, um vielleicht auch psychische Probleme zu verringern, die durch das Leben auf der Straße entstanden sind. Fakt ist aber auch, dass die Suizidprävention ein sehr komplexes, hoch komplexes Thema ist und einer sorgfältigen Abstimmung in den Unterstützungsangeboten bedarf. Bestehende Ressourcen könnten daher durch neue Strukturen ohne den Nachweis von deren Notwendigkeit und Effizienz eventuell sogar unnötig belastet werden. Wir benötigen Programme, die die Struktur effektiv und effizient ergänzen. Daher müssen wir die derzeitigen Maßnahmen natürlich evaluieren und bei Bedarf anpassen. Es gibt jetzt die Bundesstrategie, die angesprochen werden soll. Eventuell müssen wir prüfen, wie wir rheinland-pfälzische Angebote und Strukturen in diese Bundesstrategie letztendlich sinnvoll einbinden können. Wie erwähnt muss dieser Prozess aber durchdacht und datengesteuert sein, um zu sehen, welche Maßnahmen effektiv sind und benötigt werden. Zum Schluss darf ich aber auch sagen, dass es nicht nur darum geht, Maßnahmen nicht holprig einzuführen, sondern dass das ganze Thema nicht nur eine politische Aufgabe ist, sondern die Aufgabe von jedem Einzelnen, nämlich einfach einmal seine Umgebung wieder wahrzunehmen, seine Mitmenschen einmal wieder wahrzunehmen. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass das manchmal ein bisschen eingeschränkt wurde in dieser Zeit, von klein auf einfach einmal zu schauen, wie es der Person neben mir geht. Hat sie vielleicht Probleme? Macht sie gewisse Gesten? – Dann einfach nur einmal tröstende Worte oder da sein, einfach nur einmal zuhören und die Person wahrnehmen. Solche kleinen Gesten können ganz, ganz oft Leben schützen und Leben erhalten. Daher sind wir alle gefordert, uns für unsere Mitmenschen einzusetzen. Vielen Dank. (Beifall der FDP, bei der SPD und bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
